Super Stimmung beim Sinziger Prinzenball im Portugiesischen Zentrum
Kölsche Evergreens und brasilianische Superhits
Sinzig. Während der Karnevalsklassiker „Denn wenn et Trömmelche jeiht“ den Saal erfüllte, winkte das Prinzenpaar ebenso ausgelassen wie fröhliche dem jubelnden Narrenvolk zu. Die Prinzessin warf begeistert gelbe Rosen in die Menge. Ein Einmarsch der Tollitäten, wie er im Rheinland in diesen Tagen und Wochen tausendfach zu erleben ist. In Sinzig war dieses Ereignis am Samstagabend in vielerlei Hinsicht jedoch etwas ganz Besonderes. Denn mit Prinz Adreano I. und Sentiaca Fernanda I. Da Cunha bejubelten die Jecken das erste portugiesische Prinzenpaar in der Geschichte des Sinziger Karnevals.
Bereits eine Stunde vor Beginn waren im Portugiesischen Zentrum Spannung und Vorfreude auf den Abend deutlich zu spüren. „Wir sind froh und stolz, dass unser Verein in diesem Jahr das Prinzenpaar stellt. Vor zehn Jahren wäre das wohl noch undenkbar gewesen“, sinnierte Jose Luis Coelho, während er sich genüsslich seine Pfeife stopft. Doch viel Zeit zum Rauchen blieb ihm nicht mehr. Denn für den Prinzenball galt es, sich in Schale zu werfen. Und so brachte ihm Helena Barreto, Vorstandsmitglied des Portugiesischen Kulturvereins, ein Ananas-Kostüm, mit dem sich die beiden an diesem Abend ins Getümmel stürzten.
Die Freude am Feiern verbindet
Spätestens, als das Prinzenpaar von den Sinziger Stadtsoldaten mit Bubenchef Volker Thormann an der Spitze in den Saal geleitet wurde, ist nicht mehr zu übersehen, dass Rheinländer und Portugiesen die Freude am Feiern verbindet. Kein Zweifel: In Sinzig haben sich der rheinische Karneval und die sprichwörtliche Lebensfreude portugiesischer Prägung zu einer unschlagbaren Melange zusammengefunden. Nachdem Kinderprinz Julian II. Sauer die Jecken mit einem gekonnten „Boa noite“ und Prinz Adreano den Besuchern ein formvollendetes „Alaaf, leev Fastelovendsjecke“ zugerufen hat, wird zum kölschen Evergreen „Eimol Prinz zo sin, en Kölle am Rhing“ kräftig geschunkelt, bevor im nächsten Moment zum brasilianischen Superhit „Ai se eu te pego“ die Hüften im Samba-Rhythmus geschwungen werden.
Im Saal duftet es nach maritimen Köstlichkeiten: Pastéis de Bacalhau (Kroketten aus Kartoffeln und Stockfisch), Rissóis de Camarão (Teigtaschen mit Garnelenfüllung), Muslitos (panierte Krebspfoten) und Bifanas (Schweinefleisch im Brötchen) stehen ebenso bereit wie die gute alte Bockwurst. Und portugiesischer Rotwein ist an diesem Abend ebenso beliebt wie Kölsch. Für Unterhaltung sorgte die Showtanzgruppe der Stadtsoldaten mit ihrer aktuellen „Robin Hood“-Nummer ebenso wie „Rudi & Tünn“. Zur Freude des Prinzenpaares hat Tochter Nadine, die in der Kripper Prinzengarde tanzt, mit ihrer Truppe einen exklusiven Auftritt auf die Beine gestellt. Und als Hausband begleitete das Sinziger „Trio Cabrita“. Die Musiker um Armindo Cabrita bewiesen eindrucksvoll, dass sie das rheinische Liedgut ebenso beherrschen wie lateinamerikanische Rhythmen.
„Ein ganz besonderer Tag“
Sichtlich gerührt von der ausgelassenen Stimmung bei ihrem Heimspiel verrät die Prinzessin, dass „der Abend in meinem zweiten Zuhause ein ganz besonderer Tag für mich ist“. Die sympathische Narrenherrscherin fühlt sich seit nunmehr 36 Jahren in Sinzig, ihr Mann lebt gar seit 41 Jahren in der Barbarossastadt, heimisch. „Ich wollte schon als Kind Prinz werden und bin stolz, es geschafft zu haben“, freut sich Adreano. Doch als der Sitzungspräsident der „Närrischen Buben“, Hans-Peter Floter, vor Monaten mit der Idee an das Paar herangetreten war, schienen die beiden wohl Angst vor der eigenen Courage zu haben. Erst als Fernandas Mutter Maria Rosa ein „Machtwort“ gesprochen hatte, gaben die beiden der KG endgültig grünes Licht. Schnell wurde klar, dass Hans-Peter Floter mit der Wahl der neuen Tollitäten einen echten Coup gelandet hatte. Denn nie zuvor hat ein Sinziger Prinzenpaar derart im Fokus des medialen Interesses gestanden wie in diesem Jahr. TV-Stationen berichteten ebenso über die Sinziger Portugiesen wie verschiedene Radiosender und Zeitungen. Schon jetzt schwärmen die beiden Hauptdarsteller des Abends von einer „traumhaften Session“. „Manchmal ist es schon ein bisschen stressig, aber wenn man mit dem Herzen dabei ist, spürt man das nicht“, sagt die stets strahlende Sentiaca Fernanda, die zugibt, vor jedem Auftritt so nervös zu sein, dass sie kurz vorher regelmäßig noch einmal die Toilette aufsuchen muss. Dem Sinziger Veilchendienstagszug am 4. März sehen die beiden allerdings mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen. „Einerseits ist es der Sessionshöhepunkt, andererseits ist dann aber alles auch schon wieder vorbei“, erklärt Prinz Adreano.
Prinz Adreano I. mit Sentiaca Fernanda I. und das Kinderprinzenpaar Julian II. und Anna I. freuten sich über den tollen Empfang.
