Allgemeine Berichte | 11.08.2014, 12:28 Uhr

1914: Schon kurz nach der Mobilmachung stand ganz Sinzig im Zeichen des Kriegsgeschehens

Liebesgaben, Landwehr und Maßnahmen zur Spionageabwehr

Aus der Sinziger Zeitung: Zehn Tage nach der Mobilmachung bittet Bürgermeister Ortsiefer die Einwohner um Spenden für das Sinziger Lazarett und hilfsbedürftige Familien.  Archiv HG
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Sinzig. „Vor wenigen Tagen sind, dem Rufe unseres geliebten Kaisers Folge leistend, viele unserer Mitbürger mit Begeisterung zu den Fahnen geeilt, um für des Vaterlandes Schutz und Ehre zu kämpfen. Auch uns ist jetzt Gelegenheit geboten, unsere Vaterlandsliebe zu bestätigen.“ Mit diesen Worten eines Aufrufes vom 11. August 1914, den die Sinziger Zeitung abdruckte, wandte sich der Sinziger Bürgermeister Anton Hermann Josef Ortsiefer an die Einwohner der Stadt.

Er warb dafür, mitzuhelfen, „die Not zu lindern und die Wunden zu heilen, die die kommende Zeit uns bringt“. Der Bürgermeister dachte an „die Pflege unserer verwundeten Krieger, besonders auch die Unterstützung des hier eingerichteten Lazaretts und die Fürsorge für die hilfsbedürftigen Familien, deren Ernährer im Felde stehen oder infolge des Krieges arbeitslos geworden sind“.

Als Sammelstelle für Geldspenden nannte er die Städtische Sparkasse, als „Hauptsammelstelle für alle übrigen Liebesgaben“ das Bürgermeisteramt.

Stadt unter Kriegseinfluss

Gerade mal zehn Tage, nachdem Kaiser Wilhelm II. für alle deutschen Streitkräfte die Mobilmachung angeordnet hatte, zeigte sich bereits die ganze Stadt durch das Kriegsgeschehen grundlegend verändert. Das vom Bürgermeister angesprochene Lazarett in Sinzig richtete Marie Rhodius in privater Initiative in ihrer Villa auf dem Helenenberg ein und betrieb es mit großer Unterstützung von Verwandten und Bekannten.

Wie vielerorts hallten auch in Sinzig in den Mobilmachungstagen „die Straßen der Stadt von dem Gesang der einberufenen Mannschaften wieder“, zitiert Hans Kleinpass einen Chronisten des Ersten Weltkrieges im Buch „Sinzig und seine Stadtteile“.

Offenbar hatte Bürgermeister Ortsiefer, als er von der Kriegsbegeisterung sprach, nicht übertrieben. Und während die wehrtauglichen Männer, von Verwandten und Freunden zum Bahnhof begleitet, abzogen, wurde die Stadt schon am ersten Mobilmachungstag mit einer Kompanie gedienter Landsturmleute belegt. Ihre Aufgabe war es, die Eisenbahnstrecke von Mehlem bis Weißenturm zu bewachen und an den Bahnhöfen für Ruhe zu sorgen.

Spionageabwehr

Rückblickend erstaunen die Maßnahmen gegen Spionage. Der General des 8. Armeekorps hatte mit Verordnung vom 31. Juli 1914 den Verkehr mit Fahrrädern und Autos verboten. Möglich war er nur mit Erlaubniskarte des Landratsamtes. Die Landsturmleute kontrollierten an wichtigen Punkten, wie der Sinziger Brücke sogar Fußgänger. Kleinpass schreibt: „Besonders wurde nach Automobilen gefahndet, da angeblich ein Auto mit mehreren Millionen in Gold auf der Reise von Frankreich nach Russland war. Selbst Särge wurden zur Kontrolle geöffnet, da es hieß, französische Offiziere reisten – in Särgen versteckt – als Spione durchs Land.

Aus der Sinziger Zeitung: Zehn Tage nach der Mobilmachung bittet Bürgermeister Ortsiefer die Einwohner um Spenden für das Sinziger Lazarett und hilfsbedürftige Familien. Foto: Archiv HG

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