Kunst im Gewölbe
Raumzeichen – Innenansichten
Holz-Kunstwerke von Rudolf P. Schneider beleben den Gewölbekeller im ehemaligen Zehnthof
Sinzig. Holz-Skulpturen und -Wandobjekte von Rudolf P. Schneider und musikalische Akzente von Stephanie Maria Troscheit – diese harmonische Allianz war bei der Vernissage „Raumzeichen – Innenansichten“ im Zehnthof zu erleben. Monika Recker-Johnson, Initiatorin und umtriebige Veranstalterin der Reihe „Kultur im Gewölbe“ hatte in Kooperation mit dem Europäischen Kulturzentrum Remagen, Galerie Rosemarie Bassi zur Ausstellung des Bildhauers eingeladen. Die warme lebensbejahende Anmutung des Werkstoffes Holz fand ihren akustischen Widerhall durch afrikanische Instrumente, als die Perkussionistin Troscheit mit den Klängen des Balafons, Urahn aller Xylophone sowie der Kalimba oder Mbira, Metallzungeninstrumente mit Resonanzkörper, unmittelbar faszinierte.
Gelerntes in eigene Sprache übersetzt
Schneider, der seit 1990 ein eigenes Atelier in Kreuzberg unterhält, zeigt ausschließlich Arbeiten seiner jüngsten Schaffensphase. „Durch sie erfahren wir, wie er das, was er gelernt hat, in eine ganz eigene Sprache übersetzt“, erklärte Galeristin Bassi und fügte hinzu, „mich hat seine heutige leise Sprache begeistert.“ Nach einer Schreinerlehre besuchte der gebürtige Kreuzberger die staatliche Berufsfachschule für Holzbildhauer und Schnitzer in Oberammergau. Im Anschluss war er jahrelang als Restaurator tätig, zunächst für einen Restaurationsbetrieb in Brühl, später für das Bistum Trier und das rheinland-pfälzische Landesamt für Denkmalpflege. Der Künstler habe „unendlich viel aufgesogen von seinen Lehrern“, betonte die Galeristin. Sie erwähnte auch Steinarbeiten, etwa die „Schreitende Madonna“ für die Pützfelder Kapelle sowie Bronzen, beispielsweise die weibliche Skulptur „Unfassbar“.
In der aktuellen Ausstellung aber ist mit ungegenständlicher Kunst etwas völlig anderes zu sehen. Hätte es für diese Formsprache, in der sich Schneider seit dem Jahr 2000 künstlerisch artikuliert, überhaupt einer so profunden Ausbildung und Praxis, wie er sie genossen hat, bedurft? Dies wird von Rosemarie Bassi entschieden bejaht: „Wenn man nicht die Wahrheit der Form kennt, kann man nicht reduzieren“. Und ohne handwerkliches Fundament wären Schneider auch nicht die fabelhaften wie geölt schimmernden Oberflächen gelungen. Sie sind indes vielfältigen Schleifmethoden zu verdanken und der geduldigen, sukzessiven Behandlung mit immer feinerem Schleifpapier. Erst dieser diszipliniert durchlaufene Prozess erzeugt zuletzt jenen makellosen Abschluss, der die Maserung des Holzes lebendig zum Vorschein bringt.
Kontraste und feinste Oberflächen
Schneider unterstützt den Reiz der Linien gelegentlich durch das Zusammenspiel unterschiedlicher Hölzer. Häufig komponiert er Holzobjekte unter Einbeziehung von Würfeln. In die gewölbte Form hellen langfaserigen Lindenholzes implantiert er etwa geschwungene Reihen von Kuben aus Oregonpinie, deren rotbraune gezackte Jahresringe kontrastreich hervorstechen. In „Dünung“ akzentuiert er ein Karree aus kräftig gemaserten Fichtenelementen mit einem Winkel streifig gezeichneten Eichenholzes. Gestaltet er seine Arbeiten als Reliefs vor- und zurückspringender Würfel, was eine starke rhythmische Wirkung hervorruft, beschränkt er sich auf eine einzige Holzart. Allerdings speist er zusätzlich Lebendigkeit ein, indem er die Jahresringabschnitte so arrangiert, dass deren Biegungen ständige Richtungswechsel vollziehen. Im „Dreiklang“ aus Fichtenholz kommt zu den Windungen der Ringabschnitte noch die Wellenbewegung der Reliefoberfläche. Sie macht in ihrer seidigen Präsenz und ihrem vollkommenen geschmeidigen Verlauf ohne die kleinste Unebenheit einmal mehr anschaulich, wie sehr sich die Mühe des differenzierten Feinschliffs lohnt.
Verzweigte Himmelsstütze
Einige von Schneiders Holzarbeiten behaupten sich als Wandobjekte. Andere hat er auf Stahlplatte montiert und durch grau gefasste Holzträgerkonstruktionen skulptural interpretiert. Neben diesen „Raumzeichen“ mit Schauseite gibt es rundum ansichtige frei stehende Skulpturen. Dazu zählen das an eine Baumform erinnernde „Raumzeichen 5“ aus einem Nussbaum „mit besonderer Geschichte“, so der Künstler, die Kirschholz-Stele „Wind“ mit windhaubenartiger Spitze und die aus einem verzweigten Baumstamm erwachsene und kantig bearbeitete „Himmelsstütze“.
Die Ausstellung ist bis Ende Januar 2013 zu den Veranstaltungen von Kultur im Gewölbe geöffnet. Unter info@gewoelbe-sinzig.de gibt es weitere Informationen. Am Freitag, 14. Dezember, ist unter dem Titel „Die Legende vom Schloss“ Erzählkunst zur Weihnachtszeit mit Angelika Krohne und musikalischer Gestaltung von Monika Recker-Johnson (Violoncello) und Holger Queck (Klavier) angesagt. „Sing mit Holger“ heißt es dann am Freitag, 21. Dezember, wenn Holger Queck zum Mitsingen bekannter Ohrwürmer einlädt. Beide Veranstaltungen im Gewölbe des Zehnthofes, Zehnthofstraße 2, beginnen um 19.30. Platzreservierungen sind unter Tel. (0 26 42) 99 85 01 möglich. HG
