Der Imkerverein Brohltal stellt sich vor
Tradition und Wandel
Brohltal. Der Imkerverein wurde im Jahr 1894 von dem damaligen Vorsitzenden, Herrn Förster Pfeiffer aus Wassenach, sowie dem Schriftführer, Herrn Lehrer Langen aus Burgbrohl, zunächst unter dem Namen „Bienenzuchtverein Burgbrohl“ gegründet. Seit seiner Gründung ist der Verein Mitglied im Bienenzuchtverein der preußischen Rheinprovinz, aus dem 1950 der heutige Imkerverband Rheinland e.V. mit Sitz in Mayen hervorgegangen ist, und über diesen auch Mitglied im Deutschen Imkerbund e.V. (DIB).
Mit zunehmender Mitgliederzahl aus dem gesamten Brohltal wurde der Verein in der Frühjahrsversammlung am 22. Februar 1981 unter dem Vorsitz von Egon Seibert aus Wassenach einstimmig in „Imkerverein Brohltal“ umbenannt. Aufgrund des größeren Einzugsgebietes seiner Mitglieder wurden auch die Versammlungsorte angepasst. Wurden die Frühjahrs- und die Herbstversammlung anfangs überwiegend in den Orten Burgbrohl und Wassenach abgehalten, finden diese heute in verschiedenen Ortschaften innerhalb des Brohltals, aber auch im angrenzenden Waldorf statt.
Seine räumliche Verbundenheit zum namensgebenden Brohltal spiegelt sich zudem im aktuellen Vereinslogo des Imkervereins Brohltal wieder, welches auf der Frühjahrsversammlung am 17. März 2013 in Wassenach von dem derzeitigen Vorsitzenden, Michael Fuchs aus Sinzig, vorgestellt und von den anwesenden Mitgliedern einstimmig angenommen wurde Dieses lehnt sich eng an das Logo der Verbandsgemeinde Brohltal an, lediglich die stilisierte Burg Olbrück wird durch einen Bienenkorb ersetzt. In den ersten Jahrzehnten der Vereinsgeschichte standen vor allem die Pflege imkerlicher Traditionen sowie der Erfahrungs- und Wissensaustausch um Bienenhaltung und Völkerführung im Mittelpunkt der Vereinsarbeit. „Zweck des Vereins ist Förderung der Bienenzucht durch Belehrung der Mitglieder untereinander und aus Vorträgen in den Versammlungen. Zu diesem Zweck sollen im Laufe des Jahres mehre Versammlungen abgehalten werden“, so der Vorsitzende Johann Nuppeney im Jahr 1910. Neben den Versammlungen finden bis heute zudem regelmäßige Besichtigungen der Bienenstände von Vereinsmitgliedern und benachbarten Imkern mit praktischen Arbeitsvorführungen und fachlichen Unterweisungen zur stetigen Verbesserung der Betriebsweisen statt. So wanderten die Brohltalimker beispielsweise am 6. Juni 1922 mit freudiger Erwartung zu der Benediktiner Abtei nach Maria Laach, um dort den örtlichen Bienenstand zu besichtigen. Zwei imkernde Pater zeigte ihren Imkerkollegen ein 15 m langes und 5,5 m breites Bienenhaus, in dem beide Längsseiten mit je 30 Bienenvölkern ausgestattet waren. Ein weiteres Vereinsziel besteht bis heute in der Auslese und Zucht sanftmütiger und gleichzeitig ertragsreicher Honigbienen zur Bestäubung der Obst, Beeren und Samen tragenden Pflanzen. Wurde bis nach dem 2. Weltkrieg noch überwiegend die Dunkle Europäische Biene (Apis mellifera mellifera) im Brohltal gehalten, wurde diese ab Mitte der fünfziger Jahre zunehmend durch die Kärntner Biene (Apis mellifera carnica) verdrängt, die sich durch eine größere Volksstärke und damit auch einem höheren Honig-Ertrag auszeichnet. Mit dem Vereinsbeitritt von Berufsimker Hermann Krischer aus Niederdürenbach im Jahr 1988 wurden erstmals 70 Völker der Buckfastbiene (spezielle Zuchtrasse der Apis mellifera) im Brohltal aufgestellt. Dabei handelt es sich um eine friedliche, schwarmträge Bienenrasse aus England, die ebenfalls überdurchschnittliche Erträge brachte, so dass heute sowohl die Carnica- als auch die Buckfastbiene im Brohltal innerhalb der Vereinsreihen gehalten werden. Aktuell setzten sich der Verein und seine Mitglieder für den Erhalt der Bienenhaltung und die Verbesserung der Lebensbedingungen der Honigbiene und ihrer wilden Verwandten im Brohltal ein. Dabei steht derzeit neben einer aktiven Informations- und Aufklärungsarbeit zu Problemen und Nutzen der Bienenhaltung vor allem die konsequente Nachwuchsgewinnung/-förderung im Fokus der Vereinsarbeit. So wurde beispielsweise auf der Frühjahrsversammlung 2018 neben dem klassischen Mentorensystem, bei dem ein Anfänger zunächst einen erfahrenen Imker zur Seite gestellt bekommt, zusätzlich ein Neuimkertag für hinzugekommene Mitglieder und Interessenten eingeführt
Engagement im Umwelt- und Naturschutz
Die Vereinsmitglieder haben sich schon immer für den Erhalt und die Verbesserung des Nahrungsangebots für blütenbesuchende Insekten durch Saat- und Pflanzmaßnahmen eingesetzt. So beschlossen diese beispielsweise in der Versammlung vom 8. Januar 1911, einen Antrag an den Bürgermeister zu stellen, um eine Bepflanzung der neuen Straße Wassenach - Tönisstein mit nektarspendenden Bäumen und Sträuchern zu bewirken. Dem Antrag wurde stattgegeben und ein Zuschuss des Kreises Mayen und der Provinz in Höhe von 325,00 Mark für die Umsetzung der Pflanzmaßnahme gewährt.
Auch in den Folgejahren wurden von den Vereinsmitgliedern immer wieder Saat- und Pflanzmaßnahmen auf öffentlichen und privaten Flächen angeregt und zum Teil auch in Eigenregie durchgeführt, wie zuletzt durch die beiden Vereinsmitglieder, Katja Stein und Jens Wollenschläger aus Brohl-Lützing, die in einer Gemeinschaftsaktionen mit anderen Anwohnern ihren „Nachbarschaftstreffpunkt“ mit insektenfreundlichen Stauden umgestaltet haben
Um den Dialog mit den wesentlichen betroffenen Interessenverbänden zur breiten Umsetzung geeigneter Konzepte und konkreter Maßnahmen für eine nachhaltige, naturverträgliche Landnutzung zu suchen, wurde im Jahr 2015 schließlich das Netzwerk Artenvielfalt als informeller Zusammenschluss des Bauern- & Winzerverbandes, des Kreisimkerverbandes und der Kreisjägerschaft gegründet, dem sich nachträglich noch Waldbauern und der Naturschutzbeirat der Kreisverwaltung Ahrweiler angeschlossen haben. Im Rahmen der Umsetzung gemeinsamer Projekte hat der Imkerverein trotz unterschiedlicher Nutzungsinteressen sehr schnell erkannt, dass nicht nur Synergien bestehen, sondern viel mehr ein moderner und effektiver Naturschutz nur dann funktionieren kann, wenn wir gemeinsam „Hand-in-Hand“ agieren. Hierfür wurden von Beginn an Gespräche mit der Kommunalpolitik und der Kreisverwaltung geführt, um eine entsprechende Unterstützung und Förderung durch die Politik zu erreichen. Daher freuen wir uns besonders über das Förderprogramm „Artenreiche Wiese“ der Kreisverwaltung Ahrweiler, welches auf eine Verbesserung der Lebensbedingungen für Insekten und Niederwild in Feld und Flur sowie den besiedelten Bereichen abzielt. In Anerkennung besonderer Verdienste um den Tier- und Naturschutz im Kreis Ahrweiler übergab Dr. Pföhler am 17. Mai 2017 die Ehrenplakette des Kreises an den Kreisimkerverband Ahrweiler e.V. und die fünf zugehörigen Imkervereine, die stellvertretend mit einer Verleihungsurkunde für die Verdienste ihres jeweiligen Imkervereins ausgezeichnet wurden. In Anwesenheit zahlreicher Kommunalpolitiker, Bürgermeister, Landtagsabgeordneter und Verwaltungsspitzen würdigte Dr. Pföhler in seiner Laudatio das hohe Engagement der Kreisimkerschaft im Bereich Tier- und Naturschutz.
Generationenwechsel erfolgreich vollzogen
War die Bienenhaltung in der Vergangenheit eher ein Hobby für alte Männer, ist sie heute eine interessante und abwechslungsreiche Freizeitbeschäftigung für die ganze Familie. Hatten die Vereinsmitglieder im Jahr 2011 noch einen Altersdurchschnitt von rund 62 Jahren, liegt dieser durch den Eintritt zahlreicher Neumitglieder im besten Familienalter sowie von zwei Jugendlichen in den vergangenen Jahren heute bei 54 Jahren. Damit ist nicht nur der Generationenwechsel innerhalb des Vereins erfolgreich vollzogen, sondern auch der Fortbestand der Bienenhaltung und der damit verbundenen Bestäubungsleistung als Grundlage für den Fortbestand zahlreicher heimischer Nutz- und Wildpflanzen innerhalb des Brohltals zumindest mittelfristig gesichert.
Vielfältige Vereinsaktivitäten
Nachdem die Beschränkungen der Coronapandemie das Vereinsleben ab dem Frühjahr 2020 rund zwei Jahre lahm gelegt haben, nahm es ab 2022 langsam wieder Fahrt auf. Neben den beiden offiziellen Vereinssitzungen im Frühjahr und Herbst konnten auch das beliebte Sommergrillfest sowie der Neuimkerpraxistag wieder stattfinden.
www.imkerverein-brohltal.de
ROB
Bienenhaltung ist eine interessante Freizeitbeschäftigung.
