Allgemeine Berichte | 05.10.2015, 16:26 Uhr

Denkmalverein Sinzig auf geologischer Erkundungstour

Tuff aus Weibern und andere Einblicke

Interessante Eindrücke am Wehrer Kessel und der Gleitfalte am Dachsbusch gesammelt

Die Gruppe des Denkmalvereins Sinzig mit Vulkanparkführer Peter Krebs (l.) am Weiberner Tuffsteinfenster.  Denkmalverein
79

Sinzig. Wie die Erdgeschichte die Landschaft gestaltet hat und sich das bis heute in unserem Alltag wiederfindet, wollte der Förderverein Denkmalpflege und Heimatmuseum Sinzig bei seiner jüngsten Exkursion erfahren – das ideale Thema für eine Erkundungsfahrt in nahe Eifelregionen. Ziel war Weibern und Umgebung, und in Weibern am so genannten Tuffsteinfenster erwartete Vulkanparkführer Peter Krebs auch die Gruppe. Der Tuffstein steht für Weibern, wird dort heute noch abgebaut und versandt, um Bauwerke auszuschmücken. Tuff ist ein weicher Stein, entstanden aus herabgerieselter Asche nach Vulkanausbrüchen rund um Rieden. Geschehen ist das vor 450.000 Jahren über einen Zeitraum von 50.000 Jahren. Insbesondere nasser Tuff lässt sich leicht verarbeiten – Krebs: „Man kann ihn schnitzen“ – und für Fassadenelemente verwenden, oft zur Ergänzung historischer Bauelemente, zum Beispiel am Kölner Dom. Maßwerkfenster, Tür- und Fenstergesimse, Wandschmuck und auch einfache Mauern entstehen aus Tuff, alles demonstriert in dem wie ein Pavillon angelegten Tuffsteinfenster. Tuff ist auch Grundlage für einen speziellen, Wasser abweisenden Mörtel und wurde erst vom Zement abgelöst. Schon die Römer verwendeten Tuff – ein anderes Wort dafür ist Trass – zum Abdichten ihrer Wasserleitungen. Vom Tuffsteinfenster ging es in den Steinbruch, wo die Gruppe einen Eindruck erhielt von den Ausmaßen sowohl der Abbauhänge wie auch der heute mit modernen Methoden gewonnenen, bis zu vier Tonnen schweren Quadern. Kaum ein Dutzend Menschen arbeitet heute im Steinbruch. Vor dem Ausbau der Brohltalbahn im Jahre 1902 bis Kempenich waren es im Umfeld von Weibern 1100, vom Steinhauer bis zum Bauern, der Pferde für die vielen Fuhrwerke stellte.

Wehrer Kessel besichtigt

Einen ganz großen Schritt zurück in der Zeitrechnung machte die Gruppe dann mit der Besichtigung des Wehrer Kessels. Hierbei handelt es sich um ein vulkanisches Einbruchsbecken (Caldera), verursacht vor rund 150.000 Jahren durch den Gasausbruch eines Vulkans.

Der dabei entstandene Schlammstrom ergoss sich bis Niederzissen und ist dort heute noch leicht ausfindig zu machen: Hier wurde im Zweiten Weltkrieg ein Schutzbunker gegraben, der heute zu den geologischen Attraktionen des Brohltals gehört. Den Höhepunkt der Exkursion bildete die eiszeitliche Gleitfalte am Dachsbusch, eine Rutschfalte aus der vorletzten Steinzeit vor rund 150.000 Jahren. Langsames Auftauen und Abrutschen vulkanischer Auswurfmassen haben den heutigen Zustand verursacht. Wissenschaftler können an dieser Stelle über Isotherme Daten über frühere Klimabedingungen gewinnen. Über dem vulkanischen Material hat sich eine Vegetationszone gebildet, die die hier erschlossenen Falte sehr gut darstellt. Gleich daneben entwickelt ein stillgelegter Steinbruch seine heilsame Wirkung für die Natur, das nun unberührte Gelände bietet reichlich Platz für seltene Fauna und Flora. Viele landschaftliche Eindrücke und erdgeschichtliche Zusammenhänge und dazu viele Fragen aus der Gruppe –Vulkanparkführer Peter Krebs erläuterte alle Informationen und Zusammenhänge und beantwortete alle Fragen ausführlich und kurzweilig , dafür dankte ihm der stellvertretende Vorsitzende Matthias Röcke zum Schluss des Rundgangs unter dem Beifall der Teilnehmenden.

Die nächste Veranstaltung ist am 8. Oktober

Zu seiner nächsten Veranstaltung lädt der Förderverein Denkmalpflege und Heimatmuseum Sinzig am Donnerstag, 8. Oktober, um 19 ein. Beim Turmgespräch im Schloss Sinzig (Barbarossastraße) geht es um den Ehrenfriedhof von Bad Bodendorf

. Pressemitteilung

Verein zur

Förderung der Denkmalpflege

und des Heimatmuseums

in Sinzig e.V.

Die Gruppe des Denkmalvereins Sinzig mit Vulkanparkführer Peter Krebs (l.) am Weiberner Tuffsteinfenster. Foto: Denkmalverein

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis – inkl. E-Paper
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Imageanzeige
Kirmes in Miesenheim
Kirmes Miesenheim
Anzeige
70 Jahre Spielmannszug
Titelanzeige
Empfohlene Artikel
Der Festumzug am Samstagabend wurde angeführt von Schützenkönig Dietmar Neihs und dem Beigeordneten Peter Busch. Fotos: AKS
81

Oberbreisig. Jedes Jahr ist am zweiten Oktoberwochenende in Oberbreisig Ausnahmezustand. Denn an vier Tagen wird hier die Weihe der katholischen Pfarrkirche „St. Viktor“ gefeiert. Diese Kirche wurde im Übergangsstil von der Romanik zur Frühgotik ca. 1220-1240 gebaut und ist damit älter als der Kölner Dom, dessen Grundsteinlegung im Jahr 1248 stattfand. Kirchenpatron ist der Heilige Viktor von Xanten,...

Weiterlesen

Am Schuch Denkmal
57

Sinzig. Geschichte, Vulkanismus und herrliche Ausblicke: Wanderführer Konrad Waßmann führte den Eifelverein Sinzig auf einer Entdeckertour auf verschlungenen Waldwegen rund um Rolandseck und den Rodderberg. Abseits bekannter Wanderwege gab es bei der rund 13 Kilometer langen Tour viel zu entdecken. Besonders die naturbelassenen, teils verborgenen Waldpfade machten den besonderen Reiz der Wanderung aus.

Weiterlesen

Freuen sich über die Zertifizierung (v. l.): Fachbereichsleitung Anja Toenneßen, Andrea Romacho von der IHK Koblenz zusammen mit Margret Zavelberg und Landrätin Cornelia Weigand.
133

Die Kreisverwaltung Ahrweiler hat einen wichtigen Meilenstein beim Umwelt- und Klimaschutz erreicht. Als erste Kreisverwaltung in Rheinland-Pfalz ist die Verwaltungsbehörde des Landkreises nach dem europäischen Umweltmanagementsystem EMAS (Eco-Management and Audit Scheme) zertifiziert. Jetzt mehr lesen im RegioMAGAZIN.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Foto: Feuerwehr und Rettungsdienst Bonn
658

Bonn. Am Samstag, 10.10. um 03:27 Uhr meldeten mehrere Anrufer eine Rauchentwicklung aus einem Gebäude an der Thomastraße. Bei dem Objekt handelt es sich um ein viergeschossiges Wohngebäude, das als Wohnheim genutzt und in verschiedene Wohngruppen unterteilt wird. Das Gebäude befindet sich im rückwärtigen Bereich des Geländes des Prälat-Schleich-Hauses und wird vom Caritasverband betrieben.

Weiterlesen

Erika Meyer zu Drewer.
228

CDU trauert um Erika Meyer zu Drewer

Ein schwerer Abschied

Meckenheim. Meckenheim hat seine Ehrenbürgerin und einen ungewöhnlich engagierten, warmherzigen und im öffentlichen Leben sehr präsenten Menschen verloren. Für die CDU und auch die Frauen Union und die Senioren Union bedeutet der Tod Erika Meyer zu Drewers zugleich den Verlust eines loyalen, zugewandten und immer unterstützenden Mitglieds.

Von Ariane Stech aus Meckenheim

Weiterlesen