Allgemeine Berichte | 18.09.2013, 14:00 Uhr

Großübung der Sinziger Feuerwehren

Verletzte aus dem Kirchturm geborgen

Pfarrer Achim Thieser (2. v. r.), selbst Mitglied der Wehr, verfolgte das Geschehen nicht nur, sondern musste teilweise aktiv eingreifen. RÜ
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Sinzig. Viel Feuerwehrrot gab es am Samstagnachmittag rund um das Sinziger Wahrzeichen St. Peter zu bewundern. Die Wehr aus Sinzig, die Löschgruppe Löhndorf und veranstalteten eine gemeinsame Großübung. Die Drehleiter aus Remagen kam auch zum Einsatz

Die Ausgangslage

Was längst nicht alle wissen: Der mächtige Vierungsturm von St. Peter dient auch als Sendemast für einen großen deutschen Handy-Anbieter. Bei Wartungsarbeiten erleidet einer der drei eingesetzten Techniker eine Herzattacke, ein Zweiter stürzt bei ersten Rettungsversuchen die steile Leiter im Glockenturm herab und verletzt sich schwer. Dieses Übungsszenario hatten sich Dirk Sauer, Gregor Hoffmann und René Sommer ausgedacht. „Von Unfällen der Techniker an Funkmasten liest man ja fast täglich“ so Sauer zu seiner Annahme. Und obwohl nicht der rote Hahn am Sinziger Wahrzeichen mit Weltkulturerbe-Status nagte, erwies sich die Aufgabe als überaus knifflig. Denn trotz ihrer Länge von 23 Metern reichte die Drehleiter der Feuerwehr Remagen am Kirchturm von St. Peter nicht an den Unfallort heran. Die Verletzten mussten bis zur Zwerggalerie am Chor gebracht werden und konnten dann mit der Drehleiter aus rund 14 Metern Höhe gerettet werden.

Die Schwierigkeiten

Die Leitern hoch in den Glockenstuhl, wo auch die Kommunikationstechnik untergebracht ist, sind extrem lang und steil, die Laufgänge im Dachstuhl extrem eng und richtig verwinkelt. Die Wehrmänner brauchten Geschick, Geduld, viel Kraft und jede Menge Erfahrung, um die Verletzten zu retten. Die beiden Dummies und Verletztendarsteller gelangen sicher auf den Erdboden. „Das geht ganz nah an die Grenzen der Möglichkeiten“, fasste Sinzigs Stadtwehrleiter Andreas Braun die gelungene Übung zusammen.

Ungewöhnlich: Sinzigs Pastor Achim Thieser war als aktiver Feuerwehrmann natürlich nicht nur stiller Beobachter. Nach dem Motto „Hier muss jeder ran“ wurde er von der Einsatzleitung auch schon einmal für den Transport von Sicherungsseilen auf den Turm gejagt. Nach der eigentlichen Übung gab es für die Feuerwehrmänner noch eine Lehrstunde in Sachen Kultur-Rettung. Stephan Pauly, Vorsitzender des Sinziger Kirchbauvereins und studierter Kunsthistoriker, hat für den Ernstfall eine Prioritätenliste für die Kunstschätze in Sankt Peter ausgearbeitet. Sollte es in der spätromanischen Basilika tatsächlich zu einem Feuer kommen, sollen zunächst das Altar-Triptychon, dann die Kreuzungsgruppe und dann die kleineren Nebenfiguren geborgen werden. Welche Tricks nötig sind, um die Befestigungen und die Sicherungen der Kunstwerke schnell und effizient zu lösen, erklärte Pauly den Wehrmännern, damit diese in Zukunft als Kunstretter arbeiten können. „Der Gedanke an einen solchen Ernstfall ist mehr als unangenehm, denn Feuer vernichtet und Löschwasser schädigt massiv“, fühlte sich der Vorsitzende des Sinziger Kirchbauvereins dabei nicht unbedingt wohl in seiner Haut.

Zuvor hatte die Besatzung der Drehleiter aus Remagen auch noch einmal ausprobiert, welche Bereiche des Dachstuhls von St. Peter mit der maximal ausgefahren Leiter zu erreichen sind.

„Wir konnten für den Ernstfall ganz viele wichtige Erkenntnisse sammeln“, betonte Stadtwehrleiter Andreas Braun noch einmal die Wichtigkeit solcher Übungen. Zur Beruhigung der Sinziger sei erwähnt, dass es im Gotteshaus seit seiner Weihe im Jahr 1241 bisher keinerlei richtigen Brand gegeben hat.

Da die Drehleiter der Remagener Feuerwehr nicht bis in die Turmspitze reichte, musste die Rettung der Verletzten über die Galerie organisiert werden.

Da die Drehleiter der Remagener Feuerwehr nicht bis in die Turmspitze reichte, musste die Rettung der Verletzten über die Galerie organisiert werden.

Pfarrer Achim Thieser (2. v. r.), selbst Mitglied der Wehr, verfolgte das Geschehen nicht nur, sondern musste teilweise aktiv eingreifen. Fotos: RÜ

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