Politik | 14.02.2014

Jugendschöffengericht Ahrweiler

Verspäteter Blackout des vermeintlichen Opfers

Drei Angeklagte wurden freigesprochen

Verspäteter Blackout des vermeintlichen Opfers

Ahrweiler. Ein verspäteter Blackout des vermeintlichen Opfers hat beim Ahrweiler Jugendschöffengericht zum Freispruch von drei Angeklagten geführt. Die drei Männer im Alter von 20 bis 25 Jahren waren ursprünglich wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Laut Staatsanwaltschaft sollten die drei nach einer durchzechten Nacht am Morgen des 11. November 2012 auf der Rheinpromenade in Bad Breisig auf einen 26-Jährigen eingeprügelt haben. Schließlich seien die Kontrahenten im Rhein gelandet, wo die Auseinandersetzung ihre Fortsetzung gefunden habe. Laut Anklage sollen die drei ihr Opfer immer wieder untergetaucht haben, so dass dessen Freundin um sein Leben gefürchtet haben will. Die 27-Jährige selbst gibt an, ins Wasser gestiegen zu sein, um ihren Freund aus der bedrohlichen Lage zu befreien. Noch am selben Morgen hatte der 26-Jährige Anzeige bei der Polizei erstattet, so dass sich das Trio jetzt vor Gericht hat verantworten müssen. Die Angeklagten behaupteten allerdings, dass der 26-Jährige auf einen der ihren losgegangen sei, und der 20-Jährige schließlich habe aus den Fluten gezogen werden müssen. Die Freundin des angeblichen Opfers wurde anderthalb Stunden vernommen. Denn die 27-Jährige schilderte eine dritte Version und verwickelte sich zudem in Widersprüche. Weil die junge Frau offensichtlich die Unwahrheit erzählte, drohten ihr Staatsanwaltschaft und Verteidigung, sie unter Eid zu stellen. Der Prozess schien sich auf ungeahnte Weise zuzuspitzen. Dann jedoch erlebten die Prozessbeteiligten einen ebenso kurzen wie kuriosen Auftritt des angeblichen Opfers. Hatte er bei der Polizei noch lückenlos geschildert, wie ihn die drei Angeklagten in die Mangel genommen und ihn im Wasser immer wieder untergetaucht hätten, gab er diesmal an, hinsichtlich der Geschehnisse einen „Blackout“ zu haben. „Ich habe an diesem Abend gesoffen und kann mich an rein gar nichts mehr erinnern“, behauptete der 26-Jährige lapidar.

Damit war das bis dato geführte Verfahren nur noch Makulatur. Zwar gab sich das Gericht überzeugt, dass es eine Auseinandersetzung gegeben habe. Fest stehe auch, dass mindestens zwei der Angeklagten daran beteiligt gewesen seien. Allerdings sei die Anklage von einer Unterlegenheit des Opfers ausgegangen, so dass es spätestens im Wasser verteidigungsunfähig gewesen sei. Damit wäre der Tatbestand der gemeinschaftlichen Körperverletzung erfüllt gewesen. Stattdessen führe das Aussageverhalten des 26-Jährigen dazu, dass sich der Tathergang nicht eindeutig klären und damit auch nicht mehr feststellen ließe, wer der Aggressor gewesen sei. Damit sei den Angeklagten die Tat nicht zweifelsfrei nachzuweisen. Alle drei seien somit freizusprechen. Hätten sich die Vorwürfe im Zuge des Prozesses bestätigt, hätte insbesondere der jüngste der drei Angeklagten eine empfindliche Strafe erwarten können. Wie auch der 23-jährige Mitangeklagte war er Mitglied der sogenannten „BBG“-Bande („Bad Breisiger Gangster“), die sich vor vier Jahren für insgesamt 54 Einbrüche vor Gericht hatte verantworten müssen. Dabei handelte es sich im Wesentlichen um Pkw-Aufbrüche. Darüber hinaus war die Bande zweimal in die Römer-Thermen eingestiegen. Der 20-Jährige war damals zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden. Zum Zeitpunkt des vermeintlichen Körperverletzungsdeliktes stand er noch unter Bewährung, so dass er neben der neuen Strafe mit einem Widerruf hätte rechnen müssen. Doch der plötzliche „Blackout“ des angeblichen Opfers hat ihn womöglich vor einer Verurteilung bewahrt.

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Lena: Diversität ist wichtig: Der Wolf reguliert Überpopulationen ( z.B. Schwarzwild, Rehwild). Für schlecht geschützte Herdentiere sind die Besitzer verantwortlich.
  • Peter 1: Trotzdem ist der Wolf hier vollkommen überflüssig.
  • Walter Miller : Ein verpixeltes Bild von der durch den Wolf getöteten Ziege. Was will man damit ausdrücken ? Das ein Wolf besonders grausam ist ? Er ist ein Geschöpf der Natur - nicht mehr und nicht weniger. Im Gegensatz zu den 467.000 Jägern in Deutschland.
  • Michael Geiger, 56337 Eitelborn: Michael Geiger, Leider kann ich die Losnummern aus der Ziehung vom 28.03.26 im Globus Bubenheim nicht finden.. Warum nicht
  • Dietmar Gläsener: Leider kann ich meine Gewinnlos Nummern , Ziehung vom 28.03.26 im Clobus in KO-Bubenheim nicht abrufen im Internet. Woran liegt es? D. Gläsener, 56237 Nauort
  • S. Bastian: Herr Winkelmann, Sie werden doch ihren eigenen Artikel kennen. Zitat: "Verbandsbürgermeister Jan Ermtraud machte in einer Rede deutlich, dass die Maßnahmenliste einerseits das Ergebnis eines vertrauensvollen...
  • Andreas Winkelmann: Hallo Frau Roth, von "vertrauensvoll" steht nichts im Bericht. Und die veränderte Maßnahmenreihenfolge ist ausdrücklich erwähnt. Gleich zu Anfang ist auf die dem Ratsinformationssystem zu entnehmenden Details verwiesen, wo u..a.
  • Dagmar Both: Guten Morgen Herr Winkelmann, herzlichen Dank für ihre Berichterstattung. Wenn sie von einer vertrauensvollen Abstimmung im Abstimmungsprozess zum Sondervermögen berichten, - dann gilt dies leider nicht für die Freien Wähler.
Rund um´s Haus
Anzeige Haushaltsauflösungen und Ankauf
Alles rund ums Haus
Kleinanzeigen
Auftrag, Nr. AF2025.000354.0, April 2026
Koblenz blüht
Rund ums Haus
First Friday Anzeige März
Stellenanzeige mehrere Stellen
Empfohlene Artikel
Susanne Müller, MdL
27

Kreis Ahrweiler. Wenn Susanne Müller über Politik spricht, geht es selten zuerst um Programme – sondern um Menschen, Begegnungen und Erfahrungen. In der aktuellen Folge des Interviewpodcasts „Fragen an…“, moderiert von Frank Göbel, wird genau das spürbar.

Weiterlesen

Nur geringfügige Verkehrseinschränkungen durch Baumaßnahmen
27

Sinzig. Im Zuge des weiteren Ausbaus der digitalen Infrastruktur werden in der Kantstraße, Höhe Haus Nr. 1 bzw. 4 - 8, Glasfaserkabel verlegt. Ziel der Maßnahme ist es, die Versorgung mit leistungsfähigem Internet in dem betroffenen Gebiet nachhaltig zu verbessern.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Die Verkehrssituation an der Aloisius-Grundschule stresst die Anwohnerschaft. Foto: ROB
2267

Immer wieder kommt es zu kritischen „Manövern“: Auch die Stadtverwaltung sieht zunehmende Belastung:

HeimatCheck: Ahrweiler: Eltern-Taxis stressen alle

Ahrweiler. Seit mehreren Jahren steht die Aloisius-Grundschule vor einer wachsenden Herausforderung: dem zunehmenden Verkehrsaufkommen durch sogenannte „Elterntaxis“. Leser von BLICK aktuell berichten, dass sich die Situation trotz wiederholter Hinweise und Appelle bislang nicht verbessert habe. Insbesondere zu den morgendlichen Bringzeiten sowie am Mittag beim Abholen der Kinder kommt es regelmäßig zu kritischen Verkehrssituationen rund um das Schulgelände.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: Adobe Stock
132

Bonn. Am kommenden Samstag (04.04.2026) findet in Beuel und in der Bonner Innenstadt der „Bonner Ostermarsch 2026“ statt. Zu dieser Friedensdemonstration erwarten die Veranstalter rund 500 Teilnehmende. Die Versammlung beginnt um 13:00 Uhr auf dem Mirecourtplatz am Beueler Rheinufer. Von dort aus ist folgender Aufzugsweg vorgesehen:

Weiterlesen

Dauerauftrag
Kreishandwerkerschaft
Essen auf Rädern
Dauerauftrag Imageanzeige
Rund ums Haus
Koblenz blüht 2026
Oster-Anzeige
Imageanzeige Dauerauftrag 04/2026
Osterangebot
Kreishandwerkerschaft
Container Anzeige
Rund ums Haus
Innovatives rund um Andernach
Anzeigenauftrag FMP-1P9L0-AD-351131
Unterstützeranzeige
Imageanzeige - Ostern
Stellenanzeige Personalsachbearbeiter/in
Stellenanzeige Kita