Fundsachen-Versteigerung in Sinzig
Wenn Drahtesel Höchstpreise erzielen
Schnäppchenjäger und Schrauber im Bieterwettbewerb
Sinzig. Die Gebote kamen im Sekundentakt und nicht nur in Ein-Euro-Schritten: 20, 25, 30, 40, 41 Euro, bei einem Damen-Fahrrad springen die Gebote rasant in die Höhe. In der Lindenstraße, im Lager der Stadt Sinzig für gefundene Fahrräder, die von ihren Besitzern nicht abgeholt wurden, herrschte am vergangenen Dienstag knisternde Spannung und Biet-Fieber. Insgesamt 24 Fahrräder werden von Bernhard Ockenfels von der Stadtverwaltung unter den Hammer gebracht. Die Auktion war übrigens die Premiere für den Mann aus dem Rathaus, der angesichts des Bietfiebers mehr und mehr Spaß an der Sache fand und die Veranstaltung souverän über die Bühne brachte. „Wir geben keine Garantie, es heißt gekauft wie gesehen“, hatte Ockenfels die Regeln erklärt. Rund 50 Interessenten waren zur Auktion gekommen. Schnäppchenjäger, aber auch Schrauber und Bastler und auch viele, die einfach nur Spaß an einer Aktion haben. Gleich zu Beginn der vermeintliche Clou. Ein Motorroller, der beim Fundamt gestrandet ist. Doch für das Vehikel, ohne Schlüssel und Papiere will niemand das Startgebot von 50 Euro abgeben. Doch in diesem Jahr waren die Fahrräder in recht gutem technischen Zustand. Bereits das erste Damenfahrrad geht nach hartem Bieterwettbewerb für 50 Euro weg. Bezahlt wurde natürlich „Cash“. Dafür gab es von der Stadt dann aber eine hochoffizielle Quittung, die gleichermaßen als Kaufbeleg und Eigentumsnachweis gilt.
18 Euro-Beute
Die Schnäppchenjäger sind meist unterwegs, um ein preiswertes Rad zu ergattern. Um etwa damit zum Bahnhof zu fahren. „Das freut meinen Sohn, der in Stuttgart studiert“, so ein stolzer Papa mit seiner 18 Euro-Beute. Nur ganz so billig wurde es in diesem Jahr in Sinzig nicht. „Ersatzteile“, hieß es kurz angebunden von einem klassischen Schrauber zu seiner Zielsetzung. Ein weiteres Damenrad mit flatterndem Lenker und zerfetzten Bremsleitungen und Schaltzügen wird dann von den Schnäppchenjägerin schlicht als Schrott eingestuft. Die Schrauber und Bastler sehen die hochwertigen hydraulischen Felgenbremsen eines deutschen Herstellers und die gute Schaltung des Weltmarktführers aus Japan. So erklärt sich das Höchstgebot von 40 Euro.
Richtig gut gelaufen
„Das wird der Knaller für meine Frau“, freut sich der höchstbietende Schrauber. Auch wenn der Kaufpreis nur die Spitze des Eisberges darstellt. Rund 100 Euro Ersatzteile und einige Schrauberstunden liegen noch vor dem Fahrgenuss. „Wenn das Rad wieder fit ist, zahlst du auf dem Fahrradflohmarkt zwischen 350 und 400 Euro“, fachsimpelt die Schraubergruppe vor der Tür. Drinnen tobt indes die Bieterschlacht für die technisch eher einwandfreien Fahrräder. Da geht ein Damenrad für 66 Euro weg, erzielt ein sportliches Mountainbike den Tagesrekord von 75 Euro. „Das ist richtig gut gelaufen“, freute sich Bernhard Ockenfels nach der Rekord-Auktion. Denn alle Fahrräder fanden neue Besitzer, nur ein Einziges übrigens zum Startgebot von einem Euro. Immerhin der Auktionstag brachte einige hundert Euro für den klammen Sinziger Stadtsäckel. Im Herbst steht dann die nächste Aktion an. Und auf einige Räder, die zu besichtigen, aber noch nicht zu ersteigern waren, hatten sowohl Schnäppchenjäger wie auch Schrauber schon begehrliche Blicke geworfen.
