Lokalsport | 16.08.2022

Oldtimer Grand Prix auf dem Nürburgring

500 Rennwagen und viel Action

Start der Rennwagen der ehemaligen Formel 1 der Jahre 1966 – 1985. Zweiter linke Seite der spätere Sieger Marco Werner. Foto: Klaus Ridder

Nürburg. Eigentlich wäre 2022 schon die 50.Veranstaltung gewesen, doch coronabedingt gab es eine Pause, und so war es ‚nur‘ die 49. Ausgabe der wohl größten Oldtimerveranstaltung in Europa mit 500 Rennwagen am Start.

Im Mittelpunkt stand diesmal die Marke Ferrari, einmal mit einer Präsentation außergewöhnlicher Autos aus Maranello und dann sogar mit einer eigenen Rennserie. Dann die wohl einmalige Show des legendären Typs 156 (Stichworte ‚sharknose‘ und ‚Graf Trips‘), den es eigentlich schon nicht mehr gab, der aber ‚wiederauferstanden‘ ist. Nach der Corona-Pause freuten sich 30.000 Besucher, Rennteams und Rennfahrer, dass es wieder losging. Oldtimerurgestein Johannes Hübner und der AvD hatten eine wohl einmalige Veranstaltung organisiert, von Freitag bis spätabends am Sonntag fanden 26 Rennen statt, hinzu kamen die Qualifyings und Präsentationen verschiedener Marken. Erster Höhepunkt war der ‚Track-Day‘ am Freitag auf der legendären Nordschleife. Da konnte auf der speziell für die Oldtimer abgesperrten und besonders gesicherten historischen Rennstrecke ordentlich Gas gegeben werden. Zur Erinnerung: Auf der über 20 km langen Nordschleife wurden bis 1976 Formel 1-Rennen gefahren, bis es einen Feuerunfall mit Niki Lauda gab und eine neue Rennstrecke mit hohen Sicherheitsanforderungen gebaut wurde. Übrigens, alle Rennen im Rahmen des Oldtimer Grand Prix wurden auf dieser sogenannten Grand Prix Rennstrecke (Streckenlänge 5,4 km) gefahren.

Fahrerlager – da kam Freude auf

Für einige Besucher war ein Besuch des Fahrerlagers fürs Wochenende inbegriffen. Da konnte man im alten, 1927 erbauten Fahrerlager in den historischen Boxen alte Rennwagen bestaunen oder auch im neuen Fahrerlager, das vom alten Fahrerlager durch einen Tunnel getrennt ist, die ‚Zeltstädte‘ der Rennteams mit den Oldtimern neuerer Baujahre anschauen.

Einzelne Teams boten auch Autogrammstunden an, so war auch Kurt Ahrens (Gewinner des 1000 km-Rennens 1970) aus Braunschweig dabei, der sein kürzlich erschienenes Buch signierte. Im alten Fahrerlager verkaufte der Stuttgarter Galerist Conny Constantin gemalte Bilder aus der Rennsportszene (so auch ein neues Gemälde wo die Ferrari-Monteure den Rennwagen als Frühstückstisch benutzen und dabei auch noch Rotwein trinken), und im neuen Fahrerlager war es Kikki H., die selbstgemalte Bilder und Accessoires für Motorsportfans anbot.

Eine Art ‚Motorsport-Messe‘ gab es auf dem Ring-Boulevard, hier konnten Bilder, Bücher, Sticker, Modelle.., praktisch alles, was der Fan braucht, erworben werden.

Rennbetrieb vom Allerfeinsten

Man sollte meinen, dass die wertvollen Oldtimer, die oft mehrere Millionen Euro kosten, behutsam um den Grand Prix Kurs bewegt werden. Dem war aber nicht so. Da wurde wie bei aktuellen Rennen hart gegeneinander gekämpft. Manchmal waren auch Profis am Steuer, so gab es am Sonntag beim Lauf der ‚Masters Racing Legenden F1 cars 1966-1985‘ einen Kampf um die Spitze, den der ehemalige Sport- und Tourenwagen-Pilot Marco Werner auf einem 1981er Lotus knapp vor einem McLaren gewann.

Dabei waren in anderen Klassen ehemalige DTM-Champions wie Olaf Manthey, Volker Strycek oder Roland Asch, aber auch Gewinner des 24h-Rennens wie Frank Stippler. Auch der bayerische Adel mit Prinz Luitpold von Bayer war in der Klasse DTM-Classic Cup dabei. Also, viele Promis machten mit.

Ferrari 156 – ein Rennwagen mit Geschichte

Ganz besonderes Interesse galt dem Ferrari Typ 156 mit dem 1961 Wolfgang Graf Berghe von Trips fast F1-Weltmeister geworden wäre. Doch im entscheidenden Rennen am 10. September 1961 verunglückte Graf Trips in Monza tödlich und sein Stallkollege Phil Hill wurde Weltmeister.

In der Saison 1961 war der 1,5 Liter Rennwagen aus Maranello der Konkurrenz haushoch überlegen, doch ein Jahr später wendete sich das Blatt und Weltmeister wurde Graham Hill auf einem englischen BRM. Darüber war der eigenwillige Enzo Ferrari so verärgert, dass er alle sechs vorhandenen Rennwagen zerstören und sogar einbetonieren ließ. Es gab also kein Exemplar mehr. Allerdings waren einige Motoren und Getriebe noch vorhanden.

Ende der 90iger Jahre tauchte eine Filmattrappe auf, den der Musiker Chris Rea für einen Film über Graf Trips bauen ließ. Obwohl es sich nur um eine Filmattrappe handelte, löste dieser Wagen eine Welle der Begeisterung aus. Als Folge wurde vom Belgier Jan Biekens eine Replika mit Original- Motor und Getriebe in Auftrag gegeben, die der heutige Besitzer Jason Stuart Wright erwarb und sogar noch ein zweites Exemplar nachbaute.

Und einer dieser seltenen Exemplare war am Nürburgring zu bestaunen und drehte mit dem ehemaligen F1-Rennfahrer Artura Merzario (Stichwort Lauda Retter 1976) im Rahmen des Wolfgang Graf Berghe von Trips Memorial einige Runden. Wow! War das ein Erlebnis. Und Arturo Merzario war sichtlich stolz darauf, dieses seltene Exemplar fahren zu dürfen und ließ sich gerne mit Auto und Rennwagen fotografieren.

Klaus Ridder

Clubs nutzen immer wieder die Gelegenheit, sich beim OldtimerGP zu präsentieren. Hier der Porsche Club Nürburgring. Foto: Klaus Ridder

Clubs nutzen immer wieder die Gelegenheit, sich beim OldtimerGP zu präsentieren. Hier der Porsche Club Nürburgring. Foto: Klaus Ridder

Zum ersten Mal nach 2 Jahren fand der OldtimerGP bei bestem Wetter statt. Fahrerlager mit Blick auf die Nürburg. Foto: Klaus Ridder

Zum ersten Mal nach 2 Jahren fand der OldtimerGP bei bestem Wetter statt. Fahrerlager mit Blick auf die Nürburg. Foto: Klaus Ridder

Eine seltene Gelegenheit, den nachgebauten Ferrari Typ 156 in voller Fahrt zu erleben. Wegen der charakteristischen Frontpartie wird der Wagen auch ‚Sharknose‘ genannt. Foto: Klaus Ridder

Eine seltene Gelegenheit, den nachgebauten Ferrari Typ 156 in voller Fahrt zu erleben. Wegen der charakteristischen Frontpartie wird der Wagen auch ‚Sharknose‘ genannt. Foto: Klaus Ridder

Arturo Merzario, einst Werksfahrer bei Ferrari, fuhr den Ferrari 156. Merzario ist auch als ‚Lauda-Retter‘ bekannt geworden. Foto: Klaus Ridder

Arturo Merzario, einst Werksfahrer bei Ferrari, fuhr den Ferrari 156. Merzario ist auch als ‚Lauda-Retter‘ bekannt geworden. Foto: Klaus Ridder

Kurt Ahrens. Foto: Klaus Ridder

Kurt Ahrens. Foto: Klaus Ridder

Start der Rennwagen der ehemaligen Formel 1 der Jahre 1966 – 1985. Zweiter linke Seite der spätere Sieger Marco Werner. Foto: Klaus Ridder

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