Fußball-Rheinlandliga: Mannschaft von Trainer Cornel Hirt verspielte zweimalige Zwei-Tore-Führung
Am Ende jubelten nur noch die Gäste
SG Eintracht Mendig/Bell - VfB Linz 3:3 (2:0)
Mendig. Eine zweimalige Zwei-Tore-Führung hat dem Fußball-Rheinlandligisten SG Eintracht Mendig/Bell am sechsten Spieltag gegen den VfB Linz nicht gereicht, um die Oberhand zu behalten. Beim 3:3 (2:0) entführte der Aufsteiger aus der Bezirksliga Ost verdientermaßen einen Zähler, machte dabei einen 0:2- und 1:3-Rückstand wett und war in der Schlussphase der intensiv geführten Partie inklusive der zweiminütigen Nachspielzeit dem Siegtreffer sogar näher als die Gastgeber, die dem hohen Tempo der ersten Halbzeit Tribut zollen mussten.
„Es war schon haarsträubend, was wir in den ersten 45 Minuten an Chancen vergeben haben“, zeigte sich SG-Trainer Cornel Hirt nach dem Schlusspfiff enttäuscht. „Wir hätten schon mit 3:0 oder 4:0 führen können, dann kommt Linz nicht mehr zurück. Bei einem Spielstand von 2:0 oder 3:1 darfst du dir allerdings in dieser Klasse nie sicher sein. Hinten raus haben wir die nötige Anspannung vermissen lassen, das Unentschieden geht in Ordnung. Es soll jetzt keine Entschuldigung sein, aber ich bin froh, dass die Urlaubs- und Wechselzeit endlich vorbei ist, damit ich meine Mannschaft vernünftig auf die nächsten Spiele vorbereiten kann.“ Die 230 Zuschauer auf dem Kunstrasenplatz an der Brauerstraße bekamen von Beginn an eine interessante Begegnung mit vielen spielerischen Elementen geboten. Bereits nach zehn Minuten scheiterte Rückkehrer John Rausch nach einer Hereingabe von Jeset Akwapay am überragenden Linzer Schlussmann Yannik Diener, den Abpraller setzte Malte Wedemeyer aus kurzer Distanz weit über das Tor. 120 Sekunden später traf Magomed Ibragimov, den Hirt hinten rechts in der Viererkette aufgeboten hatte, nur das Außennetz. Nach herrlichem Zusammenspiel mit Damir Mrkalj fand wiederum Wedemeyer, der den Ball im Fallen Richtung Kasten bugsierte, in Torhüter Diener seinen Meister (23.). Zwei Minuten später sorgte Mrkalj per Rechtsschuss für die bis dahin überfällige Führung.
Das Privatduell zwischen Wedemeyer und der VfB-Abwehr setzte sich fort. Zunächst agierte der Ex-Krufter zu eigensinnig und übersah in der Mitte mehrere besser postierte Mitspieler (33.), kurz darauf bekam Diener nach einem Traumpass von Mrkalj auf Wedemeyer bei dessen Schuss gerade noch die Fäuste hoch (37.). So musste in der 39. Minute nach einem Pass von Sebastian Mintgen mit Matthias Strahl ausgerechnet ein Spieler das 2:0 erzielen, der im Normalfall eher selten unter den Torschützen zu finden ist. Die Gäste, die trotz ihrer Unterlegenheit spielerisch zu überzeugen wussten, strahlten nur bei einer Direktabnahme von Mario Seitz (17.) und bei einem Schuss an den Außenpfosten von Michael Fiebiger (29.) so etwas wie Torgefahr aus. Mit dem 0:2-Rückstand zur Pause war das Team von Trainer Paul Becker gut bedient.
Nach Wiederanpfiff wandelte sich das Bild aber völlig. Hirt ließ nach Rücksprache mit Schiedsrichter Fuat Yalcinkaya aus Bendorf, der die Partie unaufgeregt und sicher leitete, den agilen Akwapay draußen, um eine Gelb-Rote Karte für seinen Sechser zu verhindern. Der Wechsel war so etwas wie der Knackpunkt der gesamten Begegnung. Nach dem 2:1-Anschlusstreffer durch Dustin Friese (49.), dem ein schlimmer Fehlpass des für Akwapay eingewechselten Florian Wirths vorausgegangen war, verhinderte Eintracht-Schlussmann Niklas Nett bei einem Schuss von Seitz den möglichen Ausgleich (53.). Drei Minuten später wähnten sich die Gastgeber nach dem 3:1 durch Wedemeyer nach glänzender Vorarbeit von Ibragimov auf der sicheren Seite. Die nie aufsteckenden Gäste schlugen allerdings innerhalb von nur vier Minuten zurück. Fiebiger drückte zunächst einen Kopfball aus zwei Metern über die Linie, nachdem Nett einen Freistoß von Michael Krupp mit den Fingerspitzen noch an die Latte gelenkt hatte (71.). Nett wurde anschließend zum tragischen Held: Einen harmlosen Schuss von Seitz ließ er nach vorn abprallen, Friese stocherte das Spielgerät zum gerechten 3:3-Endstand ins Tor (75.).
„Wenn das Spiel noch fünf oder zehn Minuten länger dauert, gehen wir vielleicht noch als Sieger vom Platz. Ich will aber nicht vermessen sein, schließlich ist es nicht selbstverständlich, einen zweimaligen Zwei-Tore-Rückstand noch wettzumachen“, meinte ein zufriedener VfB-Übungsleiter Paul Becker. „Vor allem freut es mich, dass wir die Partie mit elf Spielern zu Ende gebracht haben nach den Disziplinlosigkeiten der vergangenen Wochen. Wir haben nicht die Möglichkeit, schnell mal vier neue Leute zu holen. Wir müssen jungen Leuten vertrauen, die an ihren Aufgaben wachsen sollen. Dazu gehört ein gewisser Lernprozess, aber die Mannschaft ist im Fluss. Wenn wir in dieser Saison in der Liga bleiben, haben wir gute Perspektiven.“
Statistik
SG Eintracht Mendig/Bell: Niklas Nett, Magomed Ibragimov, Florian Schlich, Jörg Jenke, Philipp Geisen, Matthias Strahl, Jeset Akwapay (46. Florian Wirths), John Rausch, Damir Mrkalj, Sebastian Mintgen (85. Tom Tiede), Malte Wedemeyer (64. Cem Celik).
VfB Linz: Yannik Diener, Samet Aslan, Ömer Özmen (46. Eric Becker), Yannick Dillmann, Yannik Becker, Mario Seitz, Michael Krupp, Michael Fiebiger, Dustin Friese, Benedikt Joch, Nicolas Kyrion.
Schiedsrichter: Fuat Yalcinkaya (Bendorf).
Zuschauer: 230.
Torfolge: 1:0 Damir Mrkalj (25.), 2:0 Matthias Strahl (39.), 2:1 Dustin Friese (49.), 3:1 Malte Wedemeyer (56.), 3:2 Michael Fiebiger (71.), 3:3 Dustin Friese (75.).
Nächste Aufgaben für die SG Eintracht Mendig/Bell: am Mittwoch, 6. September, um 19.30 Uhr in der zweiten Runde um den Rheinlandpokal bei der SG Müden/Treis-Karden/Moselkern (in Treis-Karden) und am Sonntag, 10. September, um 15 Uhr in der Rheinlandliga bei TuS Koblenz II.
Nächste Aufgabe für den VfB Linz: am Freitag, 8. September, um 20 Uhr gegen den SV Mehring.
Sturmlauf über die rechte Seite: Die Hereingabe von Magomed Ibragimov (links) wird Malte Wedemeyer (nicht im Bild) Sekundenbruchteile später zum zwischenzeitlichen 3:1 über die Linie drücken.Fotos: SK
Nach der Auswechslung von Jeset Akwapay (links) kam ein Bruch ins Spiel der SG Eintracht Mendig/Bell (in der Mitte Matthias Strahl). Der VfB Linz konnte nach der Pause schalten und walten, wie er wollte.
