SV Rot-Weiß Queckenberg
Am Pennenfeld 90 Minuten verpennt
Queckenberg.Wenn am Anfang einer Spielzeit die Ansetzungen feststehen, dann wackelt eigentlich rund um die Mallwitzstraße in Bonn-Godesberg die Erde bereits beachtlich. Und bis zum tatsächlichen Sturm dieser Bastion durch den SV Rot-Weiß Queckenberg entwickelt sich daraus in der Regel ein mächtiges Erdbeben. Am Spieltag öffnet die Erde dann regelmäßig ihren Schlund und verschlingt den Gastgeber mit Haut und Haaren. Seit 2011/12 gastierten die Kerle von der Madbach bereits sechs Mal am Pennenfeld und holten 15 von 18 möglichen Punkten. Damit avancierte diese Spielstätte zum zweiten Wohnzimmer der rot-weißen nach dem Mount Queck.
So fuhren denn auch die Döring-Bures-Buben mit reichlich stolz geschwellter Brust und großer Zuversicht in die Bundesstadt, um von hier einmal mehr Punkte auf die heimische Alm zu entführen. Doch bereits in den ersten 20 Minuten war kaum etwas von der puren Kampfeslust und dem energisch-forschen Tatendrang der letzten Spiele zu verspüren. Irgendwie kraft- und saftlos schlich man über den Kunstrasen, der übrigens aufgrund so mancher barbarisch anmutenden Fremdnutzung aus dem multikulturellen Wohnumfeld mit Brandflecken, herausgerissenen und erheblich zerstörten Platzabschnitten in den letzten Monaten wohl ein erbärmliches Dasein fristen musste. Nach der schnellen Führung des ISC AlHilal Bonn II (19.) berappelten sich die Queckies zwar und fanden über umständliche aber doch leidenschaftliche Fußballhausmannskost einigermaßen ins Spiel. Doch bis zum Ausgleich durch Klemms unnachahmlichen rechten Vollspannhammer aus 13 Metern (29.) waren die Gastgeber die gefährlichere Mannschaft und bereiteten durch ihre schnellen, schnörkellos über die Flanken vorgetragenen Angriffswellen der RWQ-Defensive gar heftige Kopfschmerzen. So war die abermalige Führung nach 38 Minuten nicht nur hoch verdient, sondern zudem auch noch per Hackentrick am Sechzehner sehenswert aufgelegt. Zwei Minuten später hielt der seit Wochen in bestechender Form aufspielende Claßen seine Mannen am Leben, indem er einen Foulelfmeter spektakulär entschärfen konnte. Als dann Schmitz in der zweiten Minute der Nachspielzeit mit Köpfchen gar den etwas glücklichen Ausgleich erzielte, glaubten nicht wenige, dass den Einheimischen nun doch der extrem gefährliche Giftzahn gezogen wäre.
Doch der zweite Durchgang belehrte alle kühnen Optimisten im rot-weißen Fanlager eines Besseren. Der RWQ schaffte es zu keinem Zeitpunkt, aktiv ins Spielgeschehen eingreifen zu können. Vergeblich wartete man darauf, dass endlich der Hallo-Wach-Effekt im Döringschen Lager einschlagen und alle Lähmungserscheinungen und Paralysesymptome wegpusten könne. Eher beschlich einen das Gefühl, dass sich der Truppe bereits im September auf den Winterschlaf vorbereiten wollte. Das 3:2 und 4:2 waren logische Konsequenz einer Leistung der Gäste, die vermehrt von Lethargie und Espritlosigkeit geprägt war (55./82.). Gelegentlich glaubte man zwar, nun könne sich doch noch alles zum Guten wenden. Im Grunde blieb es jedoch bei gut gemeinten Ansätzen, die nur dann aufflackerten, wenn der ISC einmal kurz die Zügel schleifen ließ. Ein Claßen, der sich in Bezirksligaform präsentierte, konnte das Ergebnis zwar noch erträglich gestalten. Aber schlussendlich kann ein guter Torhüter, auf sich allein gestellt, keine Spiele gewinnen. So quittierte man eine verdiente Niederlage, die gut und gerne um zwei oder drei Tore höher hätte ausfallen können.
Für die Freunde der Statistik seien aber einige interessante Fakten noch abschließend genannt: Becker und Klimaszewski feierten mit ihren Einwechslungen ihr Comeback in der Ersten Mannschaft nach jeweils 19 Monaten. Raphael Klemm durfte nach 29 torlosen Monaten wieder einnetzen, gleichbedeutend mit seinem 14 Punktspieltreffer im 151. Einsatz für den RWQ. Schmitz bejubelte in seinem achten Punktspiel bereits das neunte Tor und blieb zudem in jedem Spiel der laufenden Saison erfolgreich. Mit dieser Quote reiht er sich zweifellos ein in die Riege solcher Vereinslegenden wie Jochen Steidel, Uli Mack, Udo Klütsch, Peter Honert oder auch Martin Ring und Jean Mundorf. Mit Christoph Kolvenbach stand zum ersten Male seit sechs Jahren, zehn Monaten und drei Tagen wieder ein Vertreter dieser Queckenberger Torwart-Dynastie im Kader der ersten Mannschaft. Der kleine Hexer, seit Jahren fester Bestandteil der Zweiten Garde, wurde erstmals als Backup für Dennis Claßen berufen.
Erste Garde: Claßen – Wappenschmidt, Sommer, Cipera, Leifer – Erol, Declair, Klemm, Bures, Schmitz – Gümüs.
Verstärkung: A. Watty, Becker, Klimaszewski Eiserne Reserve: Kolvenbach.
Am nächsten Wochenende gibt es den RWQ endlich wieder im Doppelpack zu bestaunen. Zunächst empfängt die Zweite Garde am 26. September ab 12.30 Uhr den SV Swisttal. Und zur gewohnten Prime Time um 15 Uhr dürfen sich die Kreisligasüchtigen auf den emotionalen Schenkelklopfer SV Rot-Weiß Queckenberg I gegen den FC Pech II freuen.
Für den
SV Rot-Weiß Queckenberg
Daniel Kunze
