Lokalsport | 02.07.2018

Team EuroRepar Autohaus Nett Motorsport

Bradley, der Brite

Ein Interview mit Fahrer Bradley Philpot

Bradley Philpot.Andreas Krein

Mayen. Seit anderthalb Jahren fährt der Brite Bradley Philpot in der VLN Langstreckenmeisterschaft für das Team EuroRepar Autohaus Nett Motorsport. In einem Interview geben wir dem 32-jährigen die Möglichkeit, sich den Lesern von Blick aktuell näher vorzustellen.

Blick aktuell: Bradley, seit achtzehn Monaten sind Sie nun fester Bestandteil von Nett Motorsport. Wie kam diese Kooperation zustande?

Bradley Philpot: Das war im Jahr 2016. Ich war auf dem Weg zum 6-Stunden-Rennen der VLN am Nürburgring, als ich ein Problem mit meinem privaten Wagen hatte. Christian Erben, der Team Manager von Nett Motorsport, bot mir über Facebook Hilfe an. Also brachte ich mein Auto zur Reparatur nach Mayen ins Autohaus Nett, und so kamen wir ins Gespräch.

Blick aktuell: Erzählen Sie uns von Ihrer Karriere! Gab es einen bestimmten Zeitpunkt, an dem Sie beschlossen hatten: „Ich werde Rennfahrer!“?

Bradley Philpot: In meiner Familie war Motorsport schon immer von Interesse. Schon als ich ein Kind war, lief im Fernsehen immer Formel 1. Wir haben dann mit Kartfahren angefangen und bevor ich mich versah, hatte ich einige Meisterschaften gewonnen und wechselte in die Einstiegsklassen im Automobilsport. Später wurde ich Renninstrukteur, erhielt mehrere Stipendien und fuhr schließlich als Werksfahrer bei Peugeot 2013 auf dem Nürburgring.

Blick aktuell: Was waren Ihre bisherigen Höhepunkte mit dem Team? Was waren die größten Enttäuschungen? Die aktuelle Saison hat nicht gerade gut begonnen…

Bradley Philpot: Die Highlights waren zweifelsohne die Podestplätze, die wir in der letzten Saison herausgefahren haben - besonders der zweite Platz beim 6-Stunden-Rennen. Die größte Enttäuschung war mein Unfall im Qualifying zum diesjährigen dritten Lauf. Trotz größter Vorsicht ein beschädigtes Auto und ein ruiniertes Wochenende hinterlassen zu haben, war ein schreckliches Gefühl.

Blick aktuell: Sie haben beim Race Of Champions 2015 in London den viermaligen Formel 1 - Weltmeister geschlagen. Wie fühlte sich das an?

Bradley Philpot: Das fühlte sich natürlich gut an. Auf der anderen Seite kam es aber auch nicht unerwartet. Zu meiner Zeit als Renninstrukteur hatte ich die Gelegenheit, mich mit gleich mehreren aktuellen Formel 1 - Fahrern und deren Rundenzeiten zu messen, und auf diesem Weg unter anderem schon Fahrer wie Nico Rosberg, Daniil Kvyat und Daniel Ricciardo geschlagen. Also war der Sieg beim Race Of Champions sehr befriedigend für mich, aber eben auch nicht ganz überraschend.

Blick aktuell: Spielt das Geld eine zu große Rolle im Rennsport? In der Formel 1 sind sogenannte Paydriver aktiv, während auf der anderen Seite einige sicher talentiertere Fahrer in weniger bekannten Rennserien enden.

Bradley Philpot: Leider ist es so, wie es ist und ich sehe auch keinen Weg es zu ändern. Rennautos sind komplizierte und teure Maschinen, und es ist schwer, an die Sponsorengelder großer Firmen zu kommen. Das Einzige, was du also tun kannst, ist die Gelegenheiten, die sich dir ergeben auch zu ergreifen, hart an dir zu arbeiten und so viele Sponsoren wie möglich zu finden.

Blick aktuell: Ihre Teamkollegen, Jürgen und Achim Nett, betreiben ein Autohaus und mehrere Werkstätten in Mayen. Wie sieht Ihr alltägliches Berufsleben aus?

Bradley Philpot: Ich arbeite als Testfahrer für einen großen internationalen Reifenhersteller, für den ich alle Arten von Reifen entwickele, darunter auch Ultrahochleistungsreifen für Supersportwagen. Also bin ich fast jeden Tag auf der Strecke und gebe Gas.

Blick aktuell: Sie sind auch im „Sim-Racing“ unterwegs, haben sich zuhause einen ziemlich professionellen Simulator. Die Meinungen, ob eine PlayStation ein adäquates Trainingsmittel für echten Rennsport sein kann, gehen weit auseinander. Wie stehen Sie dazu?

Bradley Philpot: Man muss hier auch nochmal unterscheiden: Spielekonsolen haben sich über die Jahre sicherlich weiterentwickelt, aber ein leistungsfähiger Rechner ist meiner Meinung nach weit voraus. Die Latenzzeit zwischen meinem Input (also Gas geben, Bremsen, Lenken etc.) und der Reaktion des Simulators ist viel kleiner und das gibt mir ein realistischeres Gefühl beim Fahren und Trainieren. Nach vielen Stunden am Simulator im Winter, fühle ich mich mehr bereit als je zuvor, auch auf der realen Nordschleife ein paar gute Rundenzeiten zu fahren. Ich kann es kaum erwarten, wieder hinter dem Steuer unseres Rennwagens zu sitzen.

Blick aktuell: Sie sind sehr aktiv in den sozialen Netzwerken. Als wie wichtig sehen Sie diese in heutigen Zeiten an?

Bradley Philpot: Ich denke, das hängt ganz von dem Ziel ab, das man verfolgt. Ich will die Menschen, die mir in den Netzwerken folgen, in das Team bringen und meinen Weg mit ihnen teilen. Mir gefällt es, meine Erfahrungen über die sozialen Medien zu kommunizieren, und von daher nutze ich das auch aus. Vor allem erhalte ich aber natürlich auch tausendfaches Feedback von den Followern, die sich dafür interessieren, wie wir uns als Team machen. Das Ganze kann natürlich auch bei der Sponsorensuche helfen. Und wenn ich den aktuellen Sponsoren des Teams über diese Kanäle mehr Aufmerksamkeit verschaffen kann, dann sollte ich dies auch definitiv tun. Und ja: ich genieße es einfach auch.

Blick aktuell: Eines Ihrer Videos auf YouTube zeigt, wie Sie Ihre Freundin Rebecca über die Nordschleife chauffieren. Wie unterstützt sie, aber auch generell Ihre Familie und Freunde, Sie bei Ihrer Tätigkeit als Rennfahrer?

Bradley Philpot: Rebecca ist großartig! Von uns beiden ist sie die weitaus talentiertere und intelligentere Person. Sie arbeitet als Spitzenanwältin im Zentrum von London. Ihre und meine Familie unterstützen mich sehr. - leider können sie mich nicht immer zum Nürburgring begleiten, da es für uns ein recht weiter Weg ist. Aber ich hatte über die Jahre durchweg immer viel Unterstützung von Allen.

Blick aktuell: Wenn man Nett Motorsport in Box 5 am Nürburgring beobachtet, gewinnt man den Eindruck, dass auch das Team eine Art Familie ist, richtig?

Bradley Philpot: Absolut! Nett Motorsport hat mich von tiefstem Herzen willkommen geheißen - unvergleichlich zu Allem, was ich bisher im Motorsport erlebt habe. Selbst wenn ich nicht für sie Rennen fahren würde, würde ich immer in der Box besuchen - auf einen Kaffee, ein lockeres Gespräch und eine Umarmung.

Blick aktuell: Sie haben es bereits angedeutet: Dadurch, dass Sie in Großbritannien leben, bedeutet jedes VLN-Rennen für Sie eine große Reise. Wie sieht der typische Trip von der Insel zum Ring aus?

Bradley Philpot: Das Ganze dauert circa elf Stunden. Wir kriegen von Peugeot UK stets einen Neuwagen zur Verfügung gestellt, holen diesen dort ab und fahren dann zum Hafen von Dover, um mit der Fähre nach Calais überzusetzen. Von dort aus fahren wir dann geradewegs nach Mayen zum Autohaus, wo wir uns donnerstags abends mit dem Rest des Teams treffen. Ich genieße die Fahrt jedes Mal, also ist es nie eine Belastung, sondern immer ein Vergnügen.

Blick aktuell: Wie ist Ihr Deutsch? Wie klappt es mit der Kommunikation im Team?

Bradley Philpot: (lacht) Durchschnittlich bis schlecht! Das „Problem“ ist, dass jeder im Team hervorragend Englisch spricht, sodass ich gar nicht zum Üben komme. Aber ich komme zurecht und kann eine Pizza bestellen, was für mich das Allerwichtigste ist. Ich lerne also.

Blick aktuell: Um die folgende Frage kommen wir in diesen Zeiten nicht herum: Wer wird Fußball-Weltmeister? Im Gegensatz zu der Behauptung Ihres Landsmanns Gary Lineker („Fußball ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball nach, und am Ende gewinnen immer die Deutschen“), sind eben diese Deutschen ausgeschieden. Schlägt jetzt die Stunde der „Three Lions“ aus England?

Bradley Philpot: Ich tippe auf Brasilien. Ich bin kein großer Fußball-Fan, dennoch sehe ich mir unsere restlichen Spiele an. Leider versäumt es das englische Team nur selten, uns zu enttäuschen. Von daher wäre ich doch sehr überrascht, wenn wir es bis ins Finale schaffen würden!

Blick aktuell: Bradley, zu Ende unseres Gespräches würden wir Ihnen gerne einige „Entweder-Oder-Fragen“ stellen. Bereit?

Bradley Philpot: Klar!

Blick aktuell: Ale oder Bitburger Pils?

Bradley Philpot: Was auch immer das Bier in der Box zum Feiern eines erfolgreichen Rennens ist.

Blick aktuell: Silverstone oder Nürburgring?

Bradley Philpot: (lacht) Sie stellen mir wirklich diese Frage?!

Blick aktuell: Peugeot oder Porsche?

Bradley Philpot: Gebt mir den Löwen!

Blick aktuell: Sprint- oder Langstreckenrennen?

Bradley Philpot: Je länger desto besser!

Blick aktuell: Katze oder Hund?

Bradley Philpot: Ich habe drei Katzen und keinen Hund, also würde ich sagen: „3:0 für die Katze“.

Blick aktuell: Beatles oder Stones?

Bradley Philpot: Das wird für Zündstoff sorgen, aber… keinen von beiden.

Blick aktuell: Und dann noch eine letzte Frage für einen Rennfahrer. Wer wird Formel 1 - Weltmeister 2018? Lewis Hamilton oder Sebastian Vettel?

Bradley Philpot: Es wird Hamilton werden. Vettel ist momentan nicht konstant genug. Aber ich hoffe, dass es ein spannender Kampf bis zum letzten Rennen werden wird.

Blick aktuell: Bradley, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für uns genommen haben und viel Erfolg für den Rest der Saison!

Bradley Philpot: Danke!

Andreas Krein

Bradley Philpot.Foto: Andreas Krein Foto: Andreas Krein

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