Fußball-Rheinlandligist SG Eintracht Mendig/Bell hat vier neue Spieler verpflichtet
Damir Mrkalj und John Rausch sind die prominentesten Rückkehrer
Auch Max Schlich und Tom Tiede wurden mit einem Amateurvertrag ausgestattet
Mendig. Am Montag der vergangenen Woche gehörte er noch zum Kader des Fußball-Rheinlandligisten TuS Koblenz II, auch 24 Stunden später durfte er sich noch als Spieler der Regionalliga-Reserve fühlen. Am Mittwoch setzte er aber seine Unterschrift unter einen Amateurvertrag und war ab Donnerstag wieder Spieler seines ehemaligen Vereins, den er erst nach der vergangenen Saison verlassen hatte. Die Rede ist von Damir Mrkalj, der am Sonntag beim 3:3 (2:0) gegen den VfB Linz erstmals wieder das Eintracht-Trikot überstreifte.
Damit nicht genug: Neben Mrkalj, der am 17. September 27 Jahre alt wird, zog es auch John Rausch kurz vor Ende der Wechselfrist vom FC Alemannia Plaidt zurück an seine alte Wirkungsstätte. Der 32-jährige Rausch, Mitglied der Futsal-Nationalmannschaft, hatte die Brauerstraße nach der Saison 2015/2016 in Richtung Pommerhof verlassen und sich nun aber mit Trainer Thomas Esch überworfen. Neben Mrkalj und Rausch haben die Verantwortlichen aus der Vulkanstadt auch die beiden Perspektivspieler Max Schlich (ebenfalls vom FC Plaidt) und Tom Tiede (von der SG 99 Andernach) mit einem Amateurvertrag ausgestattet.
„Wir haben die Situation ausnutzen können, dass sich die Spieler bei ihren Vereinen nicht mehr so wohl gefühlt haben“, verdeutlichte der Sportliche Leiter Frank Schmitz. „Es hat alles richtig gut gepasst. Es zeigt auch, dass sich die Spieler immer noch mit dem Verein SG Eintracht Mendig/Bell identifizieren. Gerade Mrkalj und Rausch helfen uns direkt weiter.“
Die Vulkanstädter haben mit den Verpflichtungen auch auf ihre prekäre personelle Lage reagiert: Viele Akteure sind verletzt oder zumindest angeschlagen. Milan Rawert hat sich zudem in Morbach eine komplizierte Daumenverletzung zugezogen und muss möglicherweise operiert werden. Ihm droht eine lange Pause. Pascal Gimnig hat die Eintracht wieder verlassen und läuft ab sofort für den Bezirksligisten SG Gönnersdorf-Brohl auf.
Fünf Minuten dabei
Im Spiel gegen Linz fehlte Max Schlich noch im Aufgebot von Trainer Cornel Hirt. Tiede durfte zumindest für fünf Minuten Rheinlandliga-Luft schnappen. Mrkalj und Rausch mussten (natürlich) 90 Minuten lang - plus die 120 Sekunden Nachspielzeit - ihren Mann stehen. „Für mich war es so, als wäre ich nie weg gewesen. Der Verein Mendig weiß, was er an mir hat, ich weiß, was ich an Mendig habe.
In der Kabine kenne ich mich bestens aus“, so Mrkalj. Gegen Linz traf er nicht nur zum 1:0, sondern war fast an jeder gefährlichen Aktion beteiligt. „Mir wäre es lieber gewesen, wir hätten dieses Spiel gewonnen. Wenn du vorn nicht triffst, bekommst du hinten die Dinger rein: Selten hatte diese Floskel eine solche Aussagekraft wie heute.“
Für den Lehramtsstudenten, der mittlerweile in Niederzissen wohnt und der an der Förderschule in Burgbrohl die Nachmittagsbetreuung übernimmt, war es im Vorfeld natürlich eine turbulente Woche gewesen. „Ich wollte nicht unbedingt aus Koblenz weg, aber eine vertrauensvolle Basis für eine weitere gute Zusammenarbeit war nicht mehr vorhanden“, räumte Mrkalj ein.
Turbulente Situationen
Mit turbulenten Situationen kennt sich der junge Mann, 1990 im bosnischen Prijedor geboren, allerdings aus. 1992 flüchtete Mutter Mirveta mit ihren beiden Kindern Azra und Damir, damals gerade mal zwei Jahre alt, nach Deutschland.
Der Vater hatte im schrecklichen Bürgerkrieg in Jugoslawien bereits sein Leben verloren. In Wehr fand die kleine Familie damals eine neue Heimat.
Zurück in seine „alte Heimat“ geht es für Mrkalj bereits am nächsten Sonntag.
Der siebte Spieltag der Fußball-Rheinlandliga sieht ausgerechnet die Partie zwischen der TuS Koblenz II und der SG Eintracht Mendig/Bell vor. In der Kabine kennt er sich bestens aus, auch wenn er am Sonntag die Umkleideräume der gegnerischen Mannschaft betreten wird. Nach den ganzen Irrungen und Wirrungen in seinem Leben dürfte das aber das geringste Problem darstellen.
Auch in der Abwehr ein Turm in der Schlacht: Damir Mrkalj beim Kopfball.
Tom Tiede (Mitte), Neuzugang der SG Eintracht Mendig/Bell, wurde gegen den VfB Linz fünf Minuten vor Schluss eingewechselt.
