SV Rot Weiß Queckenberg
Der „Weltenbummler“ von Queckenberg
Winfried Wieland blieb nach seinem unfreiwilligen Karriere-Aus 2001 auch weiterhin dem SV Rot Weiß verbunden
Queckenberg. Der gebürtige Locher Winfried Wieland nutzte das erste Heimspiel der Rückrunde, um seinem Heimatverein SV Rot Weiß Queckenberg auf ganz spezielle Art und Weise „Danke“ sagen zu wollen. Und so durfte die Abeling-Truppe in nagelneuen bordeauxroten Trikots gegen den Spitzenreiter Dünstekoven auflaufen. Es war ein Dankeschön u.a. für die erfahrene Geborgenheit und glückliche Zeiten seit Mitte der 1970er Jahre, für die hervorragende Jugendarbeit und Förderung unter den damals verantwortlichen Trainern Wolfgang Preuhs und Hans Josef Schnitzler sowie für eine einmalige Kameradschaft und erlebte Verbundenheit. Wenn er in seinen Erinnerungen schwelgt, kommt „Beaker“, wie er von seinen Freunden heute noch genannt wird, ins Schwärmen. In jeder freien Minute und an wirklich allen Ecken wurde damals gebolzt, berichtet er mit leuchtenden Augen, und fügt stolz an: danach ging es zum Training hoch auf den Monte Queck - zu Fuß natürlich oder mit dem Rad aber niemals im Auto von Papa. So erzählt er von Zeiten, in denen man Facebook, Internet, E-Mail, Sky oder Twitter höchstens für Bezeichnungen außerterrestrischer Lebensformen gehalten hätte.
1987 erfuhr Wieland seine Feuertaufe für die erste Mannschaft
Unter Trainer „Mieze“ Schneider feierte er an der Seite der heutigen RWQ-Legenden Jochen Steidel, Udo Wassong und Peter Sommer sein Debüt gegen Rot Weiß Merl und erzielte gar einen Treffer zum 2:1-Heimsieg. 1990 wanderte er für fünf Jahre ab zum 1. FC Rheinbach. Doch sein Herz blieb am Eichener Weg. Nach fünf Jahren in der nahen Fremde trieb es ihn zurück zu seiner eigentlichen (Fußball)Familie. Sofort spürte er die gewohnte Nestwärme, und es fühlte sich an, als wäre er lediglich gestern auf ein Bier in die Stadt gegangen. Nun kickte er für die Alten Herren und ballerte sich am 21. September 1996 ganz tief in die Vereinschronik: beim 6:0-Heimsieg gegen die Spielvereinigung Antweiler/Lessenich gelang dem ehemaligen defensiven Zerstörer in jeder Halbzeit ein Hattrick! Und abermals glänzen die Augen des Zurückblickenden. Doch nur eine Sekunde später erschlaffen seine Gesichtszüge, der Mund wird spitz, und „Beaker“ erinnert sich an seine schwärzeste Stunde. Ein Kreuzbandriss, erlitten am 9. Juni 2001, beendete die nicht unbedingt ganz große, dafür jedoch umso glücklichere Laufbahn viel zu abrupt. Danach vermied er es mehr als zehn Jahre, auch nur in die Nähe der Queckenberger Alm zu gelangen. Zu groß war die Enttäuschung über das erzwungene, unfreiwillige Karriereende. Zu schmerzhaft wäre es gewesen, hilflos zum Zuschauen an den Spielfeldrand verbannt zu sein.
Doch aus dieser Not machte Wieland eine Tugend:
nur wenige Monate nach der schweren Verletzung entschied er sich für eine berufliche Veränderung, nutzte die nun ungewohnte Freiheit und verlagerte kurzum den Schwerpunkt seiner Tätigkeit auf die ganze Welt. Seit 2004 als Selbstständiger bietet er seine Leistungen als Interim-Manager, kurz Interimer, an, um vorübergehend für Unternehmen Führungsverantwortung vor allem in den Bereichen Geschäftsführung, Finanzen/Controlling und kaufmännische Leitung zu übernehmen. Bis 2008 lebte der Unternehmensberater fast ausschließlich in Hotelzimmern, quasi auf gepackten Koffern. Seine Tätigkeit führte ihn aus der ruhigen und beschaulichen Voreifel bis nach China, Singapur oder in die USA. Doch egal wo auch immer er gerade ein Engagement übernommen hat, ein Ritual wird er beibehalten:
Jeden Montagmorgen ist für zehn Minuten RWQ-Time
Dann werden auf der vereinseigenen Homepage, auf Fußball.de oder auf FUPA.net die Ergebnisse des Vereins studiert. Zu wissen, dass die Mannschaft nun mit seinem Firmenlogo interimer.com auf der Brust im Fußballkreis Bonn unterwegs ist, erfüllt den Voreifeler Jung mit ungeheurem Stolz. Denn seinem Jugend- und Heimatverein auf diesem Wege zumindest einen kleinen Teil für die ihm über 30 Jahre lang gebotene Unterstützung zurückgeben zu können, war dem heimatverbundenen Weltenbummler eine große Herzensangelegenheit gewesen.
