SV Rot-Weiß Queckenberg
Der angebliche Fußballgott musste einen Pakt mit dem Teufel geschlossen haben
Rheinbach. Nach über vier Jahren verschlug es den SV Rot-Weiß Queckenberg wieder einmal an die Gerhard-Boeden-Straße in Merl zu einem Kräftemessen mit der dritten Mannschaft des gastgebenden Namensvetters. Von den jetzigen Aktiven auf dem kunstvoll angelegten Grün konnten sich nur noch die RWQ-Urgesteine Dominik Declair und Stefan Kurek bei den Gästen sowie der nimmermüde Defensiv-Haudegen der Einheimischen, Leif-Oliver Hense, an den damals nervenaufreibenden, fesselnden 3:3-Fußballkrimi erinnern.
Während die Zivilbevölkerung die sonnigen Morgenstunden nutzte und in diversen Wahllokalen ihr Kreuz an der hoffentlich richtigen Stelle machte, frönte das Fußballvolk einmal mehr der schönsten Nebensache der Welt. Doch die Queckenberger machten sich dabei in den ersten 20 Minuten unnötig das Leben schwer. So blieben vorn drei Hochkaräter ungenutzt, während hinten zweimal der rote Teppich zum Toreschießen ausgerollt wurde und Merl dankbar einnetzte (7., 20.). Doch mit fortschreitender Spieldauer übernahmen Bures und der an diesem Tag bärenstarke Klimaszewski die vollkommene Kontrolle zwischen beiden Strafräumen. Wie eine Spinne woben sie fleißig einen ganz feinen Spielfaden. Jentsch, von Sturm und Declair machten endlich hinten dicht. Und Wappenschmidt spulte fortan Kilometer um Kilometer herunter, als wollte er den Ruf von der Madbach um die komplette Welt tragen.
Immer wieder erfand das Gehirn in der Mittelfeldschaltzentrale neue Spielideen, kreierte wunderschöne Spielzüge und setzte Wirbelwind Münch oder den aufgerückten Kaya stets in Szene. Diese wiederum servierten Degirmen oder abermals Klimaszewski das Bällchen auf Kopf, Fuß, Knie oder andere einschussbereite Körperteile.
So war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, wann endlich der ersehnte Anschlusstreffer fallen sollte. In der 37. Minute schaltete Schlitzohr Degirmen im Strafraumgewühl am schnellsten und veredelte eine Klemm-Einwurfflanke zum verdienten 2:1.
Auch danach gab es für die Gäste kein Halten. Sie eroberten die Bälle weit vor dem eigenen Strafraum und überrannten vollkommen wehr- und hilflose Merler. Doch trotz eines Torschussverhältnisses von 9:3 stand zum Pausenpfiff der knappe Rückstand auf der nicht vorhandenen Anzeigetafel.
Auch nach Wiederanpfiff machte die Lohaus-Elf da weiter, wo sie aufgehört hatte. Als ob sie den Kunstrasen zurückverwandeln wollten in einen roten Ascheplatz, fegte der Sandsturm vom Mount Queck über Merl hinweg. Immer wieder schaltete sich auch von Sturm ein, doch weder seinem Schädel noch dem von Klemm und Klimaszewski noch der rechten Klebe von Bures, Münch oder dem eingewechselten Meixner war es vergönnt, die mitgereiste Anhängerschaft in Verzückung zu versetzen.
Doch dann, als der Minutenzeiger zum 65. Mal die Uhr umrundet hatte, schnalzte selbst der verwegenste Merl-Anhänger vergnügt mit der Zunge. Ein feines Bures-Zuspiel fand Wappenschmidt am Elfmeterpunkt. Der legte den Ball gar listig am Torhüter vorbei und vollendete mit dem linken Vollspann sehenswert in den rechten Gambel. Unnachahmlich, Tor-des-Monats-verdächtig zelebrierte der „kleene Rechtsaußen“ den Ausgleichstreffer. In den nächsten fünf Minuten gab es weitere Möglichkeiten, um den Einheimischen den Garaus zu machen.
Doch allmählich musste Queckenberg dem Höllentempo Tribut zollen. Die Kerle von der Madbach wollten jetzt zwar immer noch, konnten aber nicht mehr. So zogen sie sich mehr und mehr rund um den eigenen Strafraum zurück und blieben auf Sicherheit bedacht. Merl, das eigentlich schon gar nicht mehr stattgefunden hatte, wurde nun wieder der kleine Finger geboten, und die cleveren Gastgeber wollten tatsächlich auf einmal die ganze Hand.
So fing allmählich das Zittern an. Und in der 90. Minute zeigte sich, dass der angebliche Fußballgott doch einen Pakt mit dem Teufel geschlossen haben muss. Der RWQ bekam einfach das Spielgerät nicht aus dem eigenen Fünf-Meter-Raum bugsiert. Nachdem Watty zweimal entschärfen konnte, blieb er im dritten Nachschuss machtlos. Die Lohaus-Elf stand schlussendlich mit leeren Händen da.
Es war schwer, nein, es war unmöglich, die Queckenberger Fußballseele zu trösten und wieder aufzubauen. Sowohl die treue Fangemeinde als auch Spieler, Trainer und Betreuer fanden nicht die passenden Worte, um das Geschehene erklären zu können. Es muss konstatiert und nüchtern analysiert werden: Wer seine Chancen nicht nutzt, der wird bestraft. Die nächste Möglichkeit, es besser zu machen, bietet sich am Sonntag, 1. Oktober, wenn es ab 15 Uhr auf dem Mount Queck zum Nachbarschaftsduell mit dem TuS Odendorf 1919 II kommt.
Rot-Weiß Queckenberg: P. Watty, von Sturm, Jentsch, Declair, Kaya, Wappenschmidt, Bures, Klemm, Klimaszewski, Münch, O. Degirmen.
