TC Blau-Weiß St. Katharinen richtete ein Tanzturnier der Extraklasse aus
Diamonds, Flames und Magics glänzen
St. Katharinen. Es war wieder einmal angerichtet in St. Katharinen: Der TC Blau-Weiß richtete ein Tanzsportturnier der Extraklasse aus - und die Tanzsportvereine kamen in Scharen. Mehr als 1000 Sportlerinnen und Sportler füllten die beiden Sportstätten, denn neben der Sporthalle in St. Katharinen hatte der TC Blau-Weiß parallel im Bürgerhaus eine weitere Bühne hergerichtet. Während in der größeren Sporthalle ausschließlich Gruppentänze über die Bühne gingen, kämpften im Bürgerhaus rund 200 Solisten aus ganz Deutschland um die letzten Punkte einer langen Saison.
Nur zweimal im Jahr vergibt der Deutsche Verband für Garde- und Schautanzsport (DVG) ein Doppelturnier - also ein Turnier mit 400 Startplätzen an einem Wochenende. Nachdem sich der TC Blau-Weiß nach der deutschen Meisterschaft 2014 eine kleine Verschnaufpause gegönnt hatte, war er nun bereit für eine neue Herausforderung. Die günstige Lage der beiden Hallen und die für die jeweilige Turnierform perfekte Größe der Zuschauerräume und Bühnen war ausschlaggebend für den Zuschlag des Verbands an den Verein.
Wieder einmal hatte die TC-Mannschaft die Sportstätten in kleine Schmuckkästchen verwandelt, und die Aktiven dankten es ihnen mit großartigem Sport. Viele herausragende Tanzgruppen aus der Ersten Bundesliga waren in den jeweiligen Altersklassen und Disziplinen am Start und hielten für die Zuschauer nicht nur einen wahren Augenschmaus bereit, sondern sie lieferten sich teilweise spannende, enge und emotionale Wettkämpfe.
Erfolgreich schnitten auch die Aktiven des gastgebenden TC Blau-Weiß ab. Am frühen Samstagvormittag machten die Blue Diamonds in der Schülerklasse (bis elf Jahre) den Anfang mit ihrem Garde-Marsch. In der Zweiten Bundesliga belegten sie mit einer couragierten, wenn auch nicht ganz fehlerfreien Leistung Platz drei mit guten 250 Punkten. Damit verfehlten sie ihre eigene Saisonbestleistung um nur einen Punkt, konnten jedoch einige unmittelbare Konkurrenten um das Ticket zum finalen DVG-Pokal am Saisonende auf Distanz halten. Mit dieser Wertung ist der Weg zwar noch nicht ganz frei, aber die Mädchen haben einen großen Schritt in Richtung Qualifikation getan.
Wenige Stunden später konnten die Diamonds mitsamt ihren Eltern und Fans gleich noch einmal jubeln. Mit ihrem Charakter-Schautanz zum Thema „Wunder werden wahr“ erreichten sie 222 Punkte und sicherten sich damit neben Platz eins in der Tageswertung auch noch den Aufstieg in die Zweite Bundesliga. Das Trainerteam um Luisa Schumacher konnte damit nicht nur das selbst gesteckte Saisonziel als erreicht verbuchen, sondern die Diamonds öffneten mit diesem Ergebnis sogar noch die Tür für eine Qualifikation zum DVG-Pokal im April im bayrischen Landshut.
Blue Flames auf Platz vier
Zur besten Kaffeezeit hieß es „Bühne frei“ für die Blue Flames. Die Jugendformation des TC Blau-Weiß tanzt mit ihrem Garde-Marsch in der Ersten Bundesliga. Von den besten sechs Teams der Liga waren fünf am Start - für Hochspannung war also gesorgt, zumal in dieser Liga praktisch jeder jeden in dieser Saison bereits einmal geschlagen hat. Mit 276 Punkten egalisierten die Mädels ihre zweitbeste Saisonleistung, aber an diesem Tag reichte das nicht aus, um aufs Treppchen zu kommen. In einem engen und spannenden Wettkampf gewannen die Little Tigers aus Frankfurt vor dem Speyerer TSC und der Tanzgemeinschaft Hofheim/Liederbach. Die Blue Flames mussten sich am Ende mit Platz vier zufriedengeben.
Ob es die Enttäuschung war oder ob die zehn Mädels um Trainerin Denise Kurfels einfach nur einen gebrauchten Tag hatten, bleibt ungewiss. In jedem Fall hatte das Team in der kurz danach zu tanzenden Polka den Hebel nicht umlegen können. Mit 238 Punkten reichte es am Ende nur zu Platz acht in der Zweiten Bundesliga. Jedoch muss berücksichtigt werden, dass die Flames in diesem Jahr erstmals in dieser Disziplin antreten und dieser Tanz im Training weniger intensiv geübt wird - anders als der Marsch, bei dem die Flames zur deutschen Spitzenklasse gehören.
Die Tageshöchstwertung setzte am frühen Abend die aus dem baden-württembergischen Altlussheim stammende Formation „Estrellas“. In der Disziplin „Schautanz Freestyle“ erzielte sie mit einer gefühlvollen und ausdrucksstarken Performance tolle 293 Punkte. Damit übernahm das Team von Trainer Christian Karamanis vorerst die Führung in dieser Sonderwertung um den vom Ausrichter ausgelobten „Anita-Holzkamp-Wanderpokal“.
Parallel hatte es auch in der Solo-Halle spannende Wettkämpfe gegeben. Vor allem der Kampf in den einzelnen Regionalligen der Solisten um die begehrten Relegationsplätze für den Aufstiegswettkampf in die Zweite Bundesliga war spannend und nervenaufreibend. Besonders ans Herz ging jedoch das Schicksal einer kleinen Solistin, deren Trainerin versehentlich die falsche Musik eingepackt hatte und die nun nicht tanzen konnte.
Nach einer kurzen Nacht für alle Helfer des TC standen am Sonntagmorgen um 6 Uhr die ersten Teams wieder vor der Halle. Es ist der Tag der Hauptklasse, also der Tänzerinnen und Tänzer ab 16 Jahre. Wenig später ging es in der großen Umkleide schon wieder routiniert zur Sache: Frisuren wurden gemacht, die Wettkampfschminke aufgelegt und Kostüme gerichtet. Die ersten Teams stehen bereits auf der Bühne, um noch mal schnell die Formationen durchzugehen und ein Gefühl für den Raum und die Bühne zu bekommen.
Blue Magics trotz Patzer zweiter
Und auch die Gruppe Blue Magics, Hauptklasse-Formation des gastgebenden TC Blau-Weiß, bereitet sich auf ihren Auftritt vor. Nach einem ordentlichen Saisoneinstand im Dezember in Speyer hatte die Gruppe von Trainer Martin Hausen in den folgenden Wochen die Saisonziele nicht erreichen können. Vor allem beim Finale des DVG-Masters-Cups Ende Februar im fränkischen Kürnach hatte das Team eine herbe Niederlage einstecken müssen. Nun sollte auf der heimischen Bühne endlich der Knoten platzen. Bis auf zwei Gruppen war in St. Katharinen die gesamte Erste Bundesliga am Start - der Wettkampf sollte also eine echte Standortbestimmung für die 15 Mädels und den einzigen männlichen Mittänzer werden.
Der aktuelle Spitzenreiter, die Tigers vom TSC Schwarz-Gold Frankfurt, ging mit Startnummer zwei auf die Bühne. Mit 292 Punkten legten die Tigers die Messlatte, an die erst einmal keine der Gruppen herankommen sollte., sehr hoch. Blue Magics war als sechstes Team an der Reihe. Die Gruppe startete mit toller Power und präsentierte ihren spanischen Marschtanz mit beeindruckender Präzision. Vor allem die heimischen Schlachtenbummler sorgten für eine maximale Geräuschkulisse und trugen die Tänzer durch ihren Tanz.
Auch die kraftraubende Angriffsreihe zu Beginn des letzten Tanzdrittels war bereits gut absolviert, da passierte es: In der Rückwärtsbewegung stimmte der Laufweg einer Tänzerin nicht. Sie stolpert rückwärts über den Fuß einer Mittänzerin und landet auf dem Bühnenboden. Natürlich kommt sie sofort wieder hoch und gibt zum Finale noch mal alles, aber die Wertungsrichter dürfen einen solchen Fehler nicht außer Acht lassen. Nach dem Ausmarsch banges Warten auf die Wertung und bereits erste Tränen bei der betroffenen Tänzerin, die aber von ihren Teamkolleginnen getröstet und aufgefangen wird.
Dann kommt die Wertung: 278 Punkte sind zwar weniger als das erklärte Ziel, aber in Anbetracht des großen Patzers immer noch gut. Zunächst reicht diese Wertung für den zweiten Platz. Auch den beiden nachfolgenden Startern gelingt es nicht, diese Wertung nochmals zu toppen, so dass am Ende nicht nur Platz zwei steht, sondern auch die Erkenntnis, dass die Gesamtleistung der Gruppe so gut war, dass sie die nachstrebende Konkurrenz trotz des Patzers auf Distanz halten konnte. Trotzdem - die Abstände in der Bundesrangliste sind weiter eng. So wird sich die Qualifikation zur DM in Landshut erst am 10. April beim Ranglistenturnier in Oedheim entscheiden.
In der Disziplin Schautanz-Duo starteten gleich zwei Tänze aus St. Katharinen. Corinna Hess und Franziska Thenert belegten in der Zweiten Bundesliga Platz drei, Maren Schneider und Hanna Salm belegten am Ende einen guten fünften Platz. Am frühen Nachmittag startete nochmals eine „halbe“ Heimmannschaft. Die Peppers vom SV Buchholz sind in der Disziplin „Schautanz mit Hebefiguren“ in ihrer ersten Saison beim DVG am Start und haben sich auf Anhieb in der Ersten Bundesliga etabliert. Zwar ist keiner der Konkurrenten an diesem Tag am Start, doch die Peppers ertanzten sich mit einer blitzsauberen Leistung tolle 270 Punkte und damit Saisonbestleistung. Damit dürften sie sich gleich in ihrem ersten Jahr für die deutsche Meisterschaft qualifiziert haben - eine tolle Leistung.
Vor dem Beginn der letzten Disziplin führen noch immer die Estrellas vom Vortag in der Sonderwertung um den Wanderpokal. Im Schautanz Charakter sind auch die gastgebenden Tänzerinnen und Tänzer des TC Blau-Weiß nochmals am Start. Mit ihrem Tanz „Flucht ins Ungewisse“ stellen sie die Geschichte eines syrischen Mädchens dar, das bei der Flucht übers Mittelmehr die Familie verliert und in einem Deutschland landet, in dem die einen integrieren wollen, während andere Asylbewerber anfeinden und aus dem Land jagen wollen.
Mit Startnummer eins tanzt die je zur Hälfte aus Flames und Magics bestehende Showformation 274 Punkte und gleichzeitig Saisonbestleistung. Damit rücken sie in der Bundesliga-Tabelle auf den achten Platz nach vorn, und das, obwohl sie erst vor wenigen Wochen in die Erste Bundesliga aufgestiegen sind.
Der letzte Tanz des Tages ist dem TSC Schwarz-Gold Frankfurt vorbehalten. Mit ihrem Tanz www.final-breakdown stellen sie eine Welt vor, die von Hackern und Computerviren beherrscht wird. Die Wertungsrichter belohnen diesen beeindruckenden Tanz, der voller Effekte ist, mit der Traumwertung von 300 Punkten. Damit sichert sich das Team von Trainerin Verena Keller neben dem Tagessieg in der Disziplin auch noch den großen „Anita-Holzkamp-Wanderpokal“. Und so kommt ein spannendes und hochklassiges Wochenende zu einem großartigen Schlusspunkt.
Nun gilt es für die Gruppen des TC Blau-Weiß, an den letzten zwei Turnierwochenenden die guten Ausgangspositionen zu sichern und die Qualifikationen zu DVG-Pokal und deutscher Meisterschaft zu sichern.
Für die 15 Mädels und den einzigen männlichen Mittänzer sollte der Wettkampf zu einer echten Standortbestimmung werden.
