Lokalsport | 23.07.2025

"Ein gutes Pferd springt nicht höher, als es muss"

FV Engers: Der Weg zum Titel – und in den DFB-Pokal

Bis Kapitän Chris Meinert und Trainer Sascha Watzlawik am 24. Mai den Rheinlandpokal in die Höhe recken durften, war es das ein oder andere Mal doch ziemlich knapp. Foto: Ulf Steffenfauseweh

Engers. Ein gutes Pferd springt nicht höher, als es muss. Dieses Sprichwort passt zum Weg des FV Engers in den DFB-Pokal. Oder anders ausgedrückt: Bis Kapitän Chris Meinert und Trainer Sascha Watzlawik am 24. Mai den Rheinlandpokal in die Höhe recken durften, war es das ein oder andere Mal doch ziemlich knapp. Im Viertelfinale brauchte es gar einen Altmeister fürs Weiterkommen.

Doch der Reihe nach: Einem Freilos in der 1. Runde folgend, traten die Jungs vom Wasserturm in der 2. Runde beim TuS Burgschwalbach an. Standesgemäß brachte Stürmer Louis Klapperich den Oberligisten beim Bezirksligisten schon in der sechsten Minute in Führung. Dann jedoch sollte es bis zur 74. Minute dauern, ehe ein Eigentor der Gastgeber vermeintlich für mehr Sicherheit sorgte. Als in der 81. Minute der Anschlusstreffer fiel, wurde es noch einmal knapp – aber es reichte.

Ähnlich in der 3. Runde: Dieses Mal ging es zum ebenfalls in der Bezirksliga spielenden TuS Asbach, und wieder taten sich die Grün-Weißen schwer. Die Führung durch Kevin Lahn glichen die Asbacher aus, und es dauerte bis zur 76. Minute, ehe Mike Borger den spielentscheidenden Treffer erzielte.

Drama dann im Achtelfinale. Es ging zum Rheinlandligisten TuS Mosella Schweich, der frech und mutig aufspielte und die jeweiligen Führungstreffer durch Manuel Simmons und Louis Klapperich egalisierte. Das 2:2 fiel dabei in der 87. Minute nach einem zweifelhaften Handelfmeter. In der Verlängerung passierte nichts mehr – bis Coach Sascha Watzlawik in der 124. Minute tief in die Trickkiste griff: Zum Elfmeterschießen wechselte er den zweitligaerfahrenen Dieter Paucken (41) ein, der eigentlich als Torwarttrainer aktiv ist. Doch zunächst schien der Schachzug nicht aufzugehen, denn beide Teams versenkten ihre ersten fünf Elfmeter souverän. Für Engers trafen Kevin Lahn, Enrico Rößler, Chris Meinert, Mike Borger und Justin Wilma.

Bei Schuss Nummer sechs tauchte der Altmeister dann jedoch ins richtige Eck ab und kratzte den Ball von der Linie. Da dem jungen Matthis Thewalt beim „Matchball“ die Nerven einen Streich spielten, musste Paucken noch einmal ins Tor. Sein Gegenüber zog jedoch über die Latte – und Justin Klein machte den Deckel drauf.

Im Viertelfinale gab es dann das erste Heimspiel und die souveränste Vorstellung. Im Duell gegen Ligakonkurrent Sportfreunde Eisbachtal setzten sich die „Jungs vom Wasserturm“ mit 4:1 durch, obwohl sie nach neun Minuten zunächst in Rückstand gerieten. Doch David Eberhard glich in der 22. Minute aus, und kurz nach der Pause sorgte Louis Klapperich für die Führung. Gabriel Müller und Jonas von Haacke machten in den Schlussminuten das Halbfinale perfekt.

Dort kam dann mit Eintracht Trier der Topfavorit auf den Pokalsieg. Doch wie schon 2020 und 2022 erwies sich der Regionalligist auch dieses Mal wieder als Lieblingsgegner des FVE im Pokal. Unter Flutlicht machten die Grün-Weißen von Beginn an deutlich, dass sie auf Augenhöhe dagegenhalten wollten. Und so erspielten sie sich vor 1300 Zuschauern schon in der Anfangsphase starke Möglichkeiten. Fast folgerichtig die Führung in der 14. Minute, als Kevin Lahn den schnellen Manuel Simmons schickte und dieser überlegt einnetzte. Die Führung sollte jedoch nur bis zur 22. Minute halten. In einer intensiven Partie hatten dann die Trierer vielleicht etwas mehr Ballbesitz, die Engerser jedoch die besseren Chancen – und den einen großen Moment in der 87. Minute: Hasan Kesikci spielte den Ball rechts raus zu Max Schmitten, der ihn scharf in die Mitte brachte, wo ihn Jonas von Haacke „irgendwie“ über die Linie bugsierte. Der Regionalligist war geschlagen – und das, wie Trainer Thomas Klasen zugeben musste, nicht einmal unverdient.

Das Endspiel gegen Ligakonkurrent Rot-Weiß Koblenz war schließlich ein typisches Finale, bei dem beide Teams vor allem darauf bedacht waren, keine entscheidenden Fehler zu machen. Statt ein Kabinettstückchen zu probieren, wurde der Ball so auch schonmal beherzt auf die Tribüne gedroschen. Trotzdem hatten die Engerser, die Koblenz die Kugel gern dem Heimteam überließen und auf Gegenstöße setzten, vor allem in der ersten Halbzeit die klar besseren Chancen. Die vermeintliche Führung durch Jeremy Mekoma wurde jedoch (zu Recht) wegen Abseits zurückgepfiffen. Auch parierte RW-Keeper Maxi Grothe mehrere Male stark.

Als dann die Rot-Weißen im zweiten Durchgang eigentlich ihre stärkste Phase hatten, schlugen die Engerser zu. Einen langen Einwurf von Max Schmitten wehrten die Koblenzer zu Vadim Semchuck ab, der das Leder aus rund 20 Metern beherzt ins Eck knallte. In der Folge warfen die Koblenzer zwar noch einmal alles nach vorn, kamen jedoch nur zu einer echten Torchance, die Franjo Serdarusic stark parierte. Die Entscheidung fiel dann in der 94. Minute, als Mathis Thewalt den tollen tiefen Pass spielte, den Goran Naric vor dem herauslaufenden Grothe ersprintete und aus 30 Metern ins leere Tor schoss- Der Rest war Jubel!

Die Spielergebnisse zusammengefasst:

1. Runde: Freilos

2. Runde: TuS Burgschwalbach – FV Engers: 1:2

3. Runde: TuS Asbach – FV Engers: 1:2

Achtelfinale: TuS Mosella Schweich – FV Engers: 7:8 (n. E.)

Viertelfinale: FV Engers – Sportfreunde Eisbachtal: 4:1

Halbfinale: FV Engers – Eintracht Trier: 2:1

Finale: RW Koblenz – FV Engers: 0:2

Bis Kapitän Chris Meinert und Trainer Sascha Watzlawik am 24. Mai den Rheinlandpokal in die Höhe recken durften, war es das ein oder andere Mal doch ziemlich knapp. Foto: Ulf Steffenfauseweh

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