SV Rot Weiß Queckenberg
Fußball wie von einem anderen Stern
Queckenberg. Um es vorweg zu nehmen und damit auch jegliche Euphorie auszubremsen, die eventuell bei dem einen oder anderen wissbegierigen Fußballästheten beim Lesen der Überschrift aufkommen könnte: auf dem Planeten, von dem die elf Vertreter des SV Rot Weiß Queckenberg am letzten Sonntag auf die Erde gesandt wurden, um die frohe Botschaft des Kampfes um die Lederpille zu verkünden, ist Volkssport Nummer eins wahrscheinlich Unterwassermikado oder Schach über die Schnur.
Dabei gefiel der RWQ im ersten Durchgang beim Gastspiel in Odendorf gegen TuS III bis zur 25. Minute durchaus durch recht gefällige, ansehnliche Übungen mit der Kirsche. Wer erinnert sich da nicht an das Schweißgerät im rechten Fuß von Dennis Mebei, als dieser aus 30 Metern Torentfernung die Kugel unter die Querlatte zementierte und damit das zu diesem Zeitpunkt hochverdiente 3:1 quasi in Stein meißelte. Bereits nach 192 Spielsekunden wurde Degirmen über rechts von Geimer fein angespielt, doch seine Volleyabnahme im 5-Meter-Raum bugsierte der gedankenschnelle Schlussmann der Gastgeber über den Querbalken. Mit einem eher zufälligen als gewollten Entlastungskonter ging dann die TuS in Führung (5.). Davon unbeeindruckt war weiterhin Rot-Weiß der Taktgeber und gab unerbittlich die Schlagzahl vor. Als nur fünf Minuten nach dem Rückstand Geimer in den gegnerischen Sechzehner einbrach und von vier Abwehrspielern doch noch zu Fall gebracht wurde, legte sich Klemm die Kirsche auf dem ominösen Punkt zurecht. Der Hammer, mit dem das Runde vom Innenpfosten noch ins Eckige klatschte, grollte böse und drohend vom naheliegenden Waldstück zurück über die wunderschöne Kunstrasenanlage. Nun schaltete die Queckenberger Angriffsmaschine vom Zweiten direkt hoch in der sechsten Gang und überzog die gegnerische Hälfte mit einem beispiellosen, unnachgiebigen dreispurigen Angriffsspiel. Lohn dieses konsequenten, temperamentvollen Anrennens war die Gästeführung durch Degirmens Köpfchen nach einer Viertelstunde Spielzeit und das bereits erwähnte unnachahmliche, bis ins Mark erschauernde Geschoss zum 3:1 in der 25. Minute. Doch danach wurde jegliche taktische Disziplin über den Haufen geworfen. Zu jenem Zeitpunkt, als sich die Queckies wahrscheinlich nur noch Gedanken über die Höhe des Auswärtssieges machten und wer die nächste Bude markieren durfte, wurde jegliche Trainervorgabe ignoriert. Defensivverhalten und die schwere, unattraktive Rückwärtsbewegung wurden beinahe vollständig eingestellt. So war es nur eine logische Konsequenz, dass die Imsande-Truppe mit einem mustergültigen Konter in der 42. Spielminute das Fünkchen Hoffnung mit dem Anschlusstreffer noch einmal ganz kräftig schürte.
Im zweiten Durchgang schaltete die Lohaus-Truppe komplett auf Leerlauf. Im Mittelfeld wurde keine Zuordnung getroffen. Man schob sich gegenseitig die Verantwortung gegenüber dem Gegenspieler zu, schnauzte den eigenen Mitspieler für Fehler an, anstatt diese durch Mannschaftsgeist und Kameradschaft als Team auszubügeln. Zu guter Letzt war man fast vollständig immun gegen jegliche taktische Vorgaben. Während man Braun, von Sturm, Jentsch und den zur Halbzeit ausgewechselten Arlt zumindest ansatzweise von Schelte befreien darf, müssen sich alle anderen Mannschaftsteile extrem kritisch hinterfragen. Denn wie sich aus einem bis zur 25. Minute absolut souveränen 3:1 ein am Ende hochverdientes 3:5 Debakel gestalten kann, bleibt nach Abpfiff ein ernüchterndes und schier unlösbares Rätsel. Vor allem vermeintliche Führungsspieler müssen eigene Fehler kritisch hinterfragen und dürfen sich nicht auf vermeintlichen Lorbeeren aus der Vergangenheit ausruhen. Nur wenn alle gemeinsam als Mannschaft auf den Platz zurückkehren, wenn alle kritikfähig sind und Anweisungen annehmen, nur dann kann der SV Rot Weiß Queckenberg wieder als ein Team, als eine Mannschaft, als das eine unbezwingbare gallische Dorf im Fußballkreis Bonn wahrgenommen werden. Mit der Hoffnung auf Abkehr von persönlichen Eitelkeiten und sensiblen Befindlichkeiten kann man zu den sehnlich herbei gewünschten Erfolgen zurückfinden; frühestens am 30. Oktober, wenn ab 15 Uhr der letztjährige C-Liga-Absteiger Hertha Bonn auf dem Mount Queck gastiert.
Aufstellung: Braun – Czernik, Declair, von Sturm, Rau – Geimer, Arlt, Klemm, Mebei, Commer – Degirmen
Verstärkung: Sommer, Jentsch, Mücklich
Eiserne Reserve: Kappe, Steinberger, Jakobs
