Auch Zweitliga-Schiedsrichter Benedikt Kempkes war beim zweiten Fußball-Straßenturnier vor Ort
„Ich will ja in Thür wohnen bleiben“
Der 33-jährige Unparteiische hat auch schon die Kehrseite der Medaille kennengelernt
Thür. Die Hoffnungen von Benedikt Kempkes auf eine Finalteilnahme beim zweiten Fußball-Straßenturnier in Thür zerschlugen sich schnell. Im ersten Spiel mit „seiner“ Keltenstraße knickte er nach gerade einmal fünf Minuten um und musste sich das weitere Geschehen von draußen ansehen. Eine Art Vorsichtsmaßnahme, schließlich steht für den Zweitliga-Schiedsrichter in der nächsten Woche ein weiterer DFB-Lehrgang auf dem Programm. „Dabei habe ich im Vorfeld gegenüber meinen Kumpels gefrotzelt, dass ich auf jeden Fall im Endspiel stehe. Entweder als Spieler oder als Unparteiischer“, so Kempkes, der am 3. August 34 Jahre alt wird. Der zweifache Familienvater, von Beruf Zahnarzt, wohnt seit vier Jahren in Thür und hat bislang 25 Zweitliga-Spiele geleitet. Acht in der Saison 2016/2017, neun in der Spielzeit 2017/2018 und wiederum acht im vergangenen Jahr. Kempkes, der weiterhin für seinen Heimatverein DJK Kruft/Kretz pfeift, begann 2001 im Alter von 16 Jahren als Schiedsrichter und hat seitdem eine steile Karriere hinter sich. Nach seinem verletzungsbedingten Ausscheiden als Spieler ließ er auch an der Pfeife seinen jüngeren Kollegen Christopher Schäfer und Yannis Bernhard in Thür den Vortritt und beantwortete im Interview bereitwillig einige Fragen.
Als Schiedsrichter haben Sie einen kometenhaften Aufstieg hinter sich. Träumen Sie manchmal davon, auch Spiele in der Bundesliga zu leiten?
Kempkes: Das macht natürlich fast jeder, der diesen Weg wählt. An der Linie habe ich Dr. Robert Kampka aus Mainz in der Bundesliga schon ungefähr 30 Mal assistiert. In der Spielzeit 2019/2020 belässt es der DFB bei 26 Bundesliga-Schiedsrichtern. Neue Unparteiische für die höchste Liga Deutschlands werden immer im Rahmen des DFB-Pokalendspiels in Berlin bekannt gegeben. Wenn jemand aufgestiegen wäre, dann wäre ich es nicht gewesen. Ich stand noch nicht auf dem Zettel, so realistisch muss ich sein.
Mit der Einführung des Videobeweises in der Zweiten Liga wartet eine große Aufgabe. Wie stehen Sie zu solchen technischen Hilfsmitteln und dem Video Assistant Referee (VAR)?
Kempkes: Natürlich müssen wir uns zu Saisonbeginn im Livebetrieb der Zweiten Bundesliga auch erst daran gewöhnen und dabei versuchen, das technische Hilfsmittel gleich bestmöglich umzusetzen. Schließlich geht es auch in der Zweiten Bundesliga um sehr viel. Für mich ist es auf jeden Fall eine spannende Herausforderung. Wenn der Video-Assistent transparent ist, er richtig angewendet wird und das Spiel dadurch seinen Fluss behält, dann ist er eine große Bereicherung und eine echte Hilfe für uns Schiedsrichter. Wenn es mal länger dauert, bis eine Entscheidung gefallen ist, dann ist es vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, aber am Ende steht die Richtigkeit einer Entscheidung über der Schnelligkeit.
Hätte es des VAR unbedingt bedurft?
Kempkes: Wir sind 30, 40 oder 50 Jahre ohne Video-Assistent ausgekommen, nun kommt er auf Wunsch der Klubs in der Bundesliga und der Zweiten Bundesliga zum Einsatz. Eine 100-prozentige Gewissheit, dass alle Entscheidungen richtig sind, wird es auch in Zukunft nicht geben. In Deutschland konnten in der vergangenen Bundesligasaison 82 Fehlentscheidungen mithilfe des Video-Assistenten verhindert werden. Trotzdem fragen fast alle: Was ist mit den restlichen wenigen Situationen, die nicht korrigiert werden konnten? Portugal hat ähnlich gute Werte, aber dort freuen sich die Leute, dass es im Fußball nun wesentlich gerechter zugeht.
Haben Sie als Schiedsrichter auch negative Erfahrungen gemacht?
Kempkes: Beim Drittliga-Spiel zwischen den Sportfreunden Lotte und dem Chemnitzer FC am 24. März 2018 habe ich zwei, drei unglückliche Entscheidungen getroffen und bin medial schnell in den Fokus geraten. Grundsätzlich macht mir der Job als Schiedsrichter große Freude, aber da habe ich die Kehrseite der Medaille kennengelernt. Ich stand im Kreuzfeuer der Kritik. Ob berechtigt oder unberechtigt, das sei mal dahingestellt. Wenn es aber bis ins Private und Persönliche hineinreicht, dann hört es mit dem Spaß auf.
Und was machen Sie hier beim Straßenturnier?
Kempkes: Ich bin ein bodenständiger Typ und fühle mich wohl in Thür. Solche Veranstaltungen fördern die Dorfgemeinschaft. Meine Karriere als Schiedsrichter ist ja nun mal vergänglich. Und in Thür will ich ja wohnen bleiben.
Hat denn der Unparteiische Benedikt Kempkes einen Lieblingsverein in der Bundesliga?
Kempkes: Ja, das hat er. Er hat auch als Kind in der Bettwäsche dieses Klubs geschlafen. Mehr verrät er aber nicht, sonst kommt er in Teufels Küche.
