LG Kreis Ahrweiler
Majtie Kolberg mit Superleistung Vierte bei den „Deutschen“
Aber gemischte Gefühle
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Bei den Deutschen Meisterschaften der Männer und Frauen in Braunschweig, die unter strengen Corona-Auflagen ohne Zuschauer stattfanden, wurde Majtie Kolberg (LG Kreis Ahrweiler) Vierte in 2:02,77 min. Am Samstag deutete sie im Vorlauf durch einen Start-Ziel-Sieg in 2:06,24 min bereits ihre gute Form an.
Das sind die nüchternen Fakten, die aber die Dramatik der Ereignisse nicht annähernd abbilden können. Im Finale galten die Münchnerinnen Christina Hering und Katherina Trost, die die 800-m-Szene in den letzten Jahren dominierten, als klare Favoritinnen. Dahinter sollte es für die 20-jährige Majtie, als jüngste Läuferinnen der Spitzengruppe, nach den Vorleistungen zusammen mit Tanja Spill (Uerdingen) und Alina Ammann (Esingen) um den dritten Ehrenplatz auf dem Siegertreppchen gehen.
Es entwickelte sich dann ein ganz spannendes Rennen. Christina Hering suchte ihr Heil in der Flucht. 59,3 Sekunden zeigten die Uhren nach 400 m für die Titelverteidigerin, dicht dahinter Trost, Kolberg, Ammann und Spill. Bei 500 m startete Katharina Trost den Angriff auf ihre Vereins- und Trainingskameradin. Die zwei Köpfe größere Hering konterte. Am Ende der Gegengeraden, bei 590 m, erspähte Majtie Kolberg plötzlich eine kleine Lücke und ging innen mutig an Hering vorbei. Die Favoritin war wohl davon sehr überrascht und griff mit einer ausladenden Bewegung des linken Arms in den rechten Ellenbogen von Majtie, hielt sie dabei auch kurz fest.
Majtie Kolberg kam dadurch aus ihrem Rhythmus und Christina Hering konnte sich zu Beginn der letzten Kurve wieder die Innenbahn sichern. Auf der Zielgeraden erwies sich dann Christina Hering als stärkste Läuferin (2:01,62 min) vor der aus dem Hintergrund anstürmenden Tanja Spill (2:02,07 min). Dritte wurde Katharina Trost (2:02,27 min) vor Majtie Kolberg (2:02,77 min).
Christina Hering entschuldigte sich direkt nach dem Rennen sofort bei Majtie Kolberg und sagte auch beim Siegerinterview vor laufender Kamera, dass „sie der Majtie in den Arm gefasst habe“.
Majtie Kolberg war wie im letzten Jahr in Berlin wieder DM-Vierte geworden. Damals allerdings in 2:05,42 min mit vier Sekunden Rückstand, jetzt war es nur noch eine Sekunde.
Im Winter in der Halle gewann Majtie zwar Bronze, hatte aber 3,5 Sekunden Rückstand. Das allein belegt schon die Fortschritte, die die Sport- und Biologiestudentin in dieser Saison erzielt hat. Sie bestätigte unter schwierigen Bedingungen (Hitze, Rempelei, Meisterschaftscharakter) ihre vor drei Wochen in Sonsbeck in einem gemischten Rennen (Männer und Frauen) erzielte Bestmarke von 2:02,58 min.
Nach dem Zieleinlauf wurde im Gespräch mit ihrem Trainer Leo Monz-Dietz die Sinnhaftigkeit eins Protestes kurz diskutiert.
Der unsichere Ausgang dieses Verfahrens sowie der Tatsache, dass Hering allenfalls disqualifiziert werden konnte und damit Spill vor Trost und Kolberg Deutsche Meisterin geworden wäre, hätte nicht das Ergebnis gebracht, das bei einem unbeeinträchtigten Rennverlauf möglich gewesen wäre …
