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Mit Corona begann die weltweite Krise – auch im Motorsport

Motorsport an der Wende

Klaus Ridder reflektiert die Entwicklungen im Rennsport und appelliert, Fans statt High-Tech zu fördern

25.06.2020 - 15:10

Während der Corona-Krise geht es mit dem Motorsport bergab. Höhepunkt der ganzen Misere war die Meldung, dass auch der private Sender RTL, der drei Jahrzehnte gut an der Übertragung der Formel 1-Rennen verdient hat, aussteigt. Formel 1-Rennen künftig nur noch bei Bezahlsendern?

Auch die DTM hat große Probleme: Audi steigt aus. Ist eine DTM mit nur einer Marke überhaupt attraktiv?

Auch die anderen Rennserien sind betroffen: Ohne Rennen keine Sponsoren und ohne Sponsoren ist heute kaum noch Motorsport möglich.


Formel 1 am Ende?


70 Jahre Formel 1-Rennen, grundsätzlich eine Erfolgsgeschichte. Denken wir an die 50er Jahre mit 300.000 Zuschauern beim Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring. Auch die Ära Michael Schumacher in den 90er Jahren brachte den Veranstaltern volle Kassen, immerhin waren es am Nürburgring 1995 noch 135.000 Zuschauer – und die Eintrittspreise waren da schon „astronomisch“ hoch.

Nach der Schumi-Ära ging die Begeisterung zurück, es fehlte ein Star. Immerhin fuhren zeitweise sechs deutsche Rennfahrer in der Formel 1, aber es waren „nur“ Normalfahrer – keine Stars. Dann kam Sebastian Vettel, mit vier Weltmeisterschaften sehr erfolgreich. Doch auch die Vettel-Ära geht zu Ende, kein Vertrag mehr für das Jahr 2021. Auch der zweite deutsche F1-Fahrer, Nico Hülkenberg – auch kein Siegfahrer, bekam für das Jahr 2020 keinen Vertrag. 2021 ohne deutsche Fahrer – ein Desaster!

Während ich diese Zeilen schreibe kommt eine Meldung, dass Sebastian Vettel mit dem Mercedes-Team in Verbindung gebracht wird. Ein Gerücht? Wäre schön, wenn er doch ein Cockpit dort bekommen sollte.

Auch kommt in Deutschland wohl kaum eine Begeisterung auf, wenn der deutsch-englische Mercedes-Rennstall als Dauersieger die derzeitige Formel 1 beherrscht.

Und noch ein Problem hat die Formel 1: mit nur drei siegfähigen Teams (Mercedes, Ferrari und Red Bull) und horrenden Eintrittspreisen kann man den Formel 1-Zirkus nicht retten. Die Formel 1 muss vollkommen neu aufgebaut werden: Begrenzung der Teamausgaben einschließlich Fahrergagen, Vereinfachung der Technik (die Zuschauer wollen spannende Rennen mit Siegmöglichkeiten für alle Fahrer/Teams und keine unbezahlbare high-tech) – und vor allem Rennen in Europa, wo die Formel 1 ihren Ursprung hatte und nicht Rennen vor leeren Rängen in Asien.


DTM vor dem Aus?


In der DTM gab es spannende Rennen, selbst Newcomern gelang im ersten DTM-Jahr ein Sieg (Joel Eriksson 2018 in Misano (I)). Das Problem: Nur wenige interessierten sich für die DTM, selten gab es Berichte in Tageszeitungen – das lag aber auch an der restriktiven Zulassung von Pressevertretern (obwohl ich 60 Jahre als Motorsportfotograf aktiv bin, bekam ich keine Pressekarte, auch nicht für meine Heimrennstrecke Nürburgring).

Man gibt sich viel Mühe, die Zuschauer zu begeistern (z.B. Einblick durch ein Schaufenster in die Boxen, Autogramm-Events, Interviews im Fahrerlager, usw.), aber das reichte nicht. Zuerst stieg Mercedes 2018 aus und nunmehr hat auch Audi für 2021 den Rückzug angekündigt. Audi will verstärkt in der Formel E fahren, dem Trend der Zeit folgen – alles soll „umweltfreundlich“ und „elektrisch“ sein. Ich habe da meine Zweifel, weil die Formel E-Rennwagen zwar mit Strom fahren – doch dieser kommt aus dieselbetriebenen Generatoren im Fahrerlager. Sicher nicht unbedingt „öko“.

Doch zurück zur DTM, hier hat Corona den anfangs ehrgeizigen Terminplan mit fünf Rennen im Ausland vollkommen durcheinandergebracht, sogar das „Highlight“ jeder DTM-Saison, das Rennen auf dem ehemaligen Reichs-Parteitaggelände, dem Norisring in Nürnberg, musste gestrichen werden.

Am Nürburgring wurde vier Tage getestet. Medial war davon wenig zu vernehmen. Nun ist die Motorsportszene gespannt, wann das erste DTM-Rennen tatsächlich stattfindet. Im neuesten Terminkalender ist ein Rennen am 1. August auf dem Traditionskurs in Spa (B) geplant.

Am Nürburgring sind vom 11. bis 13. September und vom 18. bis 20. September sogar insgesamt vier Rennen geplant, zwei auf der Sprintstrecke (Kurzanbindung) und zwei auf dem Grand-Prix-Kurs. Wow! Ein doppeltes Rennwochenende ist auch für Zolder vorgesehen..


GT Masters statt DTM?


Die ADAC GT Masters Rennserie ist spannend, für den Sieg kommen alle Marken, Teams und Fahrer in Frage. Hinter der Serie steht der ADAC – das ist auch so eine Art Garantie für die Zukunft.

Am Start sind um die 40 Rennwagen, bei den vielen Startern kommt Freude bei den Zuschauern auf. Die Rennserie ist sehr beliebt und könnte die DTM in der Beliebtheit ablösen. Neu für 2020 ist, dass die englische Nobelmarke Bentley einsteigt. Das erste Rennen soll Ende Juli am Lausitzring stattfinden.


Nürburgring-Langstrecken-meisterschaft und 24h-Rennen


Die Rennen auf der Nordschleife des legendären Nürburgrings sind beliebt, zum 24h-Rennen kommen jährlich über 200.000 Besucher. Man spricht sogar von der weltweit größten Motorsportveranstaltung.

Und die Nürburgring-Langstreckenmeisterschaft, das ist eine Art „motorsportliches Volksrennen“. Ohne Eintritt zu zahlen (nur 8 Euro Parkgebühren) kommen an neun Samstagen im Jahr etwa 40.000 Rennfans an die Nordschleife und für 15 Euro kann man sogar ins Fahrerlager und in die Startaufstellung kommen. Tests haben schon ohne Zuschauer stattgefunden. Das erste Rennen, auch wieder ohne Zuschauer, findet am 27. Juni statt – mit nur 27 akkreditierten Journalisten. Die ‚Boxengasse‘ wird in das Fahrerlager hinter den Boxen verlegt. Die Helfer pro Team sind begrenzt.

Das 24h-Rennen wurde verschoben und soll nunmehr vom 24. bis 27. September starten. Bleibt zu hoffen, dass sich die Corona-Krise beruhigt und wieder Motorsport mit Zuschauern stattfinden kann.


Die Teams haben Sorgen


Die Rennteams leiden am meisten unter der Corona-Krise! Das Hauptproblem: Keine Rennen, keine Sponsoren und somit kein Geld.

Stellvertretend für viele Teamchefs möchte ich Ernst Moser zu Wort kommen lassen. Ernst Moser ist geschäftsführender Gesellschafter des direkt am Nürburgring beheimateten Phoenix-Rennteams. Das Team gewann mit Frank Stippler, Pierre Kaffer, Frederic Vervisch und Dries Vanthoor 2019 das legendäre 24h-Rennen mit einem Audi R8 LMS.

Und mit Audi ist der Phoenix-Rennstall eng verbunden und setzt auch zwei Rennwagen in der DTM ein. Und hier liegt das große Problem, wenn Audi sich im kommenden Jahr aus der DTM zurückzieht. Ernst Moser in einem Interview, veröffentlicht in Motorsport aktuell: „Das war sehr hart für uns! Ich und Dirk Theimann (VdM-Mitglied und zweiter Mann bei Phoenix) machen seit fast 30 Jahren DTM, seit 20 Jahren ist das Team Phoenix Racing in der DTM. Wenn man das so lange gemacht hat, ist das mehr als nur ein Schock. Da bricht etwas weg, was man sein ganzes Berufsleben lang gemacht hat, das tut schon weh. Allerdings hatten wir damit durchaus gerechnet: Hinter der Saison 2021 stand bei Audi immer ein Fragezeichen, auch wenn wir natürlich gehofft hatten, dass es weitergehen würde.“

Zu künftigen Bedeutung des Phoenix-Rennstalls sagt Moser ebendort: „Wenn ich mir das realistisch anschaue, dann sehe ich im Moment kein Programm, wo Phoenix Racing dabei sein könnte. Unabhängig davon, welche Fahrzeugkonzepte da für die Zukunft erörtert werden, sehe ich nicht, dass man ein professionelles DTM-Produkt im Highend-Bereich mit Herstellern und Profifahrern für 2021 finanzieren kann.“

Übrigens will Phoenix Racing im nächsten Jahr in Le Mans mit Sportwagen-Prototypen starten (LMP2?).


Resümee des Motorsport-journalisten Klaus Ridder


Corona wird die Welt verändern – und auch die Motorsportszene. Hoffen wir, dass der Motorsport weitergeht, aber mit geänderten Spielregeln. Klaus Ridder

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Kommentare
S. Schmidt:
Was macht ihr denn wenn sich die AfD eurem Antrag anschließt?
Andrea Müller:
Die Probleme der "Party Szene" in Frankfurt, Stuttgart und anderen Städten wie Koblenz sind Hausgemacht. Die Polizeiberichte sprechen eine deutliche Sprache. Auch nach Corona werden unsere Städte leider nicht friedlicher werden. Ganz im Gegenteil. Diese wirklichen Hintergründe will Altmaier und Co. nicht benennen.
Herbert Kaufmann:
Diese Haltung der Stadtspitze in dieser Frage ist ignorant und in der Sache fehlerhaft. Nachdem der OB Langner ja bereits bei der Frage des Tragens von AntiFa Symbolen im Stadtrat Führungsschwäche gezeigt hat und seine Haltung durch den Brief von Bundestgasvizepräsident Kubicki ad absurdum geführt wurde kann man dieses neueerliche Versagen auch als Opportunismus gegenüber der "Partyszene" bezeichnen. Es geht ja nicht nur um Corona sondern auch seit Jahren schon um das Einhalten von Immissionsvorgaben. Der möglichen Handlungsweisen gibt es viele, von der Veränderung der seit der BuGa verkürzten Sperrzeiten ( diese wurden nicht mehr zurückgenommen! ) aufgrund des Immissionsgesetzes bis hin zum Verbot von Mitbringen von Alkohol, denn das ist ganz bestimmt kein Grundrecht.
Jürgen Müller:
Der Bitte/Forderung von Anwohnern/Herrn Altmaier ist seitens der STADT zu folgen, die bisher KEINE Weitsicht und Kompetenz gezeigt hat - im Gegenteil.Die Reaktion von Herrn Langner ist mehr als bedenklich und kindergartenmässig.Die Auswüchse von alkohol- und feierwütigen Unbelehrbaren in Coronazeiten hat er NICHT im Griff - auch NICHT seine offensichtliche Eitelkeit und Reaktion auf berechtigte Kritik.

Lkw vollkommen ausgebrannt

Gabriele Friedrich:
Woher kam das Fahrzeug? Es sieht jedenfalls aus wie eine alte Schüssel aus Rumänien oder sonst etwas. Ein paar mehr Informationen hätte man als Leser schon gerne.
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