Fußball-Rheinlandliga, sechster Spieltag
Tobias Loosen bleibt ganz cool
SG Eintracht Mendig/Bell verspielt im Derby gegen den TuS Mayen eine Zwei-Tore-Führung und unterliegt mit 2:3 (1:0)
Mendig. Für den Gastgeber war es ein (weiterer) herber Rückschlag, für die Gäste nach vier Niederlagen hintereinander eine Art Befreiungsschlag: Die SG Eintracht Mendig/Bell unterlag im Derby dem TuS Mayen nach einer 2:0-Führung noch mit 2:3 (1:0). Die 303 Zuschauer auf dem Kunstrasenplatz an der Brauerstraße sahen eine gutklassige, intensive Partie, die nach einer Stunde entschieden schien und die in der Schlussphase eine dramatische Wende nahm. Mit dem besseren Ende für den vermeintlichen Außenseiter.
„Wir sind natürlich alle bitter enttäuscht. Wenn du zu Hause 2:0 führst und dann noch verlierst, kommt auch noch Frust hinzu“, gab SG-Spielertrainer Kodai Stalph einen kurzen Einblick in das Seelenleben seiner Mannschaft. „Wir hatten das Heft in der Hand und konnten sogar mit 3:0 führen, aber Mayen hat hinten raus einfach mehr investiert. Wir waren uns zu sicher.“ Schon in der ersten Halbzeit besaß die Eintracht ein klares Chancenplus. André Marx scheiterte früh nach einer abgewehrten Ecke an TuS-Schlussmann Kevin Michel (6.), ebenso wie Niklas Heinemann, der nicht genug Druck hinter seinen Schuss bekam (12.). Einen Heber von Brice Braquin schlug der Ex-Mendiger Tim Schneider in allerhöchster Not von der Linie (18.). Die Möglichkeit für TuS-Kapitän Michael Daub, der mit einem Außenrist-Versuch das Tor um wenige Zentimeter verfehlte, war 60 Sekunden später allerdings ebenfalls hochkarätiger Natur.
Kurz vor der Pause nahm die Begegnung so richtig Fahrt auf. Ein Kopfball des französischen Neuzugangs Brice Braquin flog um Millimeter am linken Pfosten vorbei (33.). Für die 1:0-Führung musste schließlich eine Standardsituation herhalten: Linksfuß Niklas Heinemann schlenzte einen Freistoß, den Brice Braquin herausgeholt hatte, gefühlvoll über die Mauer hinweg in den rechten Winkel. Auf der Gegenseite musste Niklas Weis das 1:1 machen: Nachdem er Kodai Stalph im Laufduell abgehängt hatte, scheiterte er mit seinem Linksschuss an SG-Torwart Robin Rohr, der mit einer großartigen Fußabwehr den Ausgleich verhinderte (44.).
Kurz nach Wiederanpfiff entschied der umsichtige Schiedsrichter Alexander Mroß aus Niederfell erneut auf Freistoß, nachdem Tim Gilles den Bulgaren Antonio Donkov gelegt hatte. Niklas Heinemann nahm sich diesmal auf der linken Seite der Sache an, brachte den Ball in den Fünf-Meter-Raum, wo ihn Braquin am kurzen Pfosten per Kopf über die Linie wuchtete (47.). Die Partie hatte den erwarteten Verlauf genommen. Anschließend stürzten die Gastgeber die TuS-Defensive von einer Verlegenheit in die andere, die größte Möglichkeit vereitelte Torhüter Michel gegen Braquin, der eine Fußspitze vor Tim Schneider am Spielgerät gewesen war (58.).
Zu diesem Zeitpunkt, nach exakt einer Stunde, gab wohl keiner mehr einen Pfifferling auf den TuS Mayen, außer vielleicht dessen Spielertrainer. „Viele haben nicht mehr mit uns gerechnet. Wir konnten enorm viel Druck auf die letzte Kette ausüben und haben selbst auch immer an uns geglaubt“, urteilte Tobias Uhrmacher. Youngster Tobias Loosen schaffte mit einem Schuss ins lange Eck den Anschlusstreffer (66.), neun Minuten später stellte Niklas Weis den Gleichstand her, indem er Torhüter Robin Rohr umkurvte und den Ball ins verwaiste Tor schoss.
Anschließend spielten beide Mannschaften auf Sieg, niemand wollte im Derby mit einem Unentschieden zufrieden sein. Das bessere Ende hatten schließlich, und das nicht einmal unverdient, die Gäste. Loosen blieb allein vor Rohr ganz cool, guckte ihn aus und schob den Ball aus kurzer Distanz ins rechte Eck (89.). „Ein Gegentreffer kann immer mal fallen, aber wir haben es auch nach dem 2:1 nicht clever heruntergespielt“, urteilte Stalph in der obligatorischen Pressekonferenz. „Wir waren hinten zu offen, es fehlte jegliche Ordnung, es war teilweise Harakiri. Von mannschaftlicher Geschlossenheit war in der Schlussphase nichts zu spüren.“
Volle Zufriedenheit hingegen bei seinem Gegenüber. „Ich bin kein Freund davon, von Geschenken oder keinen Geschenken zu sprechen. Wir haben nach zwei Standardsituationen zwei Gegentreffer kassiert, aber mit drei klugen Angriffen drei Tore erzielt“, so Uhrmacher. „Wir haben den Sieg erzwungen und hatten am Ende auch das nötige Glück. Es hätte auch in die andere Richtung gehen können. Wir haben den Negativlauf endlich gestoppt, es war ein ganz wichtiger Sieg für uns.“
SG Eintracht Mendig/Bell: Robin Rohr, Milan Rawert, André Marx, Kodai Stalph, Tim Montermann, Angelo Heid, Manuel Oster, Niklas Heinemann, Petar Shopov (68. Ali Mirzaie), Antonio Donkov (68. Florian Birnstock), Brice Braquin.
TuS Mayen: Kevin Michel, Steffen Schmitt, Michael Daub, Tim Gilles (72. Nico Marx), Tim Schneider, Tim Krechel, Leon Kohlhaas, Uwe Unterbörsch (89. Tobias Uhrmacher), Tobias Loosen, Julian Schäfer (62. Sanih Nasic), Niklas Weis.
Schiedsrichter: Alexander Mroß (Niederfell).
Zuschauer: 303.
Torfolge: 1:0 Niklas Heinemann (38.), 2:0 Brice Braquin (47.), 2:1 Tobias Loosen (66.), 2:2 Niklas Weis (75.), 2:3 Tobias Loosen (89.).
Nächste Aufgabe für die SG Eintracht Mendig/Bell: am Sonntag, 3. Oktober, um 14.30 Uhr gegen den Ahrweiler BC.
Nächste Aufgabe für den TuS Mayen: am Samstag, 25. September, um 17.30 Uhr gegen die SG Malberg.
Antonio Donkov (re.) entwischt in dieser Szene Tim Krechel, doch am Ende hatte der TuS Mayen auch dank der beiden Tore von Tobias Loosen (hinten) das bessere Ende für sich.
Ex-Kollegen unter sich: Milan Rawert (li.) verfolgt seinen früheren Teamkollegen Julian Schäfer.
Kapitäne unter sich: Der Mendiger André Marx (re.) konnte Michael Daub nicht am Schuss hindern.
