Die besondere Geschichte rund um den ersten DFB-Pokalauftritt der Engerser Vereinsgeschichte 2020 in Bochum
Wenn durch Fußballspiele Freundschaften entstehen
Engers. Zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte hat sich der FV Engers für den DFB-Pokal qualifiziert – und schon jetzt steht fest: Dieses Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt ist ein absoluter Meilenstein. Ein Spiel der Superlative. Ein echtes Highlight für den Verein, die Mannschaft, die Fans. Ein Spiel, von dem man sich später erzählen wird – ganz gleich, wie es sportlich ausgeht.
Doch wenn über „große Spiele“ gesprochen wird, lohnt sich auch ein Blick zurück auf ein besonderes Kapitel der Pokalgeschichte – das Jahr 2020. Eigentlich sollte es damals das erste DFB-Pokalspiel im heimischen Stadion am Wasserturm geben. Doch es war Corona. Die Stadien waren leer, Zuschauer nicht erlaubt. Für einen Amateurverein ist ein solches Spiel mit immensen organisatorischen und finanziellen Herausforderungen verbunden. Ohne Ticket-Einnahmen wäre es ein Minusgeschäft geworden. Also traf der FV Engers eine schwere Entscheidung: Das Heimrecht wurde an den Bundesligisten VfL Bochum abgegeben.
Ein Heimrechttausch mit Folgen – im besten Sinne
Was sich damals abspielte, war mehr als nur ein Spiel. Es wurde ein Erlebnis, das noch heute nachwirkt. Die Spieler fühlten sich wie Profis: Anreise am Vortag, Übernachtung im Hotel, Training im Ruhrstadion – alles auf Einladung des VfL Bochum. Und nicht nur die Bedingungen waren außergewöhnlich – auch die Gastgeber.
Mannschaftsbetreuer Udo Prangenberg erinnert sich bis heute an die offene, sympathische und respektvolle Art der Bochumer. „Kein bisschen Arroganz, stattdessen echtes Interesse und sportliche Fairness. Auf dem Platz trennten uns zwar drei Ligen, doch drumherum begegneten wir uns auf Augenhöhe“, erzählt er.
Der Beginn einer Fanfreundschaft
Was sich an diesem Wochenende entwickelte, hält bis heute: Viele Bochum-Fans verfolgen seitdem den Weg des FV Engers, kommentieren Beiträge auf Social Media, feuern aus der Ferne an – und tauchen auch mal als Zuschauer bei Heimspielen auf. Die Alten Herren sind inzwischen Stammgäste beim Fanturnier in Bochum-Riemke, wo sie unter anderem gegen den VfL und den Fanclub Bochumer „Herzschlag“ antreten. Die Bande zwischen Ruhrpott und Wasserturm sind gewachsen – und darauf ist der FV Engers stolz.
Die Geschichte mit der Sackkarre
Und dann gibt es noch jene Geschichte, die viral ging. Die, die n-tv als „irre Fußballgeschichte“ beschrieb. Damals, beim Ausladen der Spieltaschen am Ruhrstadion, half VfL-Sicherheitsbeauftragter Andreas Rösner – und zwar mit einer praktischen Sackkarre. Udo Prangenberg war begeistert, scherzte mit Marcel Lucas augenzwinkernd und so, dass Rösner es hören konnte, dass man so ein Teil in Engers gut gebrauchen könne.
Einige Tage später, kurz vor der Abfahrt zum Oberliga-Auswärtsspiel in Gonsenheim, fuhr auf dem Parkplatz am Vereinsheim dann ein Auto vor. Am Steuer: Andreas Rösner. Im Kofferraum: die Sackkarre – ein Geschenk des VfL an den FV Engers. Einfach so. Weil es nicht immer nur ums Geschäft gehen muss. Weil Fußball mehr ist als Tore und Tabellen.
Fußball schreibt Geschichten: Diese gehört dem FV Engers
Wenn der FV Engers nun also erneut im DFB-Pokal steht, dann ist es nicht nur sportlich ein Höhepunkt. Es ist auch ein Anlass, sich daran zu erinnern, was diesen Wettbewerb so besonders macht: Er bringt Menschen zusammen. Vereine. Fans. Geschichten, die man nicht planen kann – aber die das Herz des Fußballs ausmachen.
Der FV Engers freut sich auf Eintracht Frankfurt und auf ein volles Haus. Und egal, wie es ausgeht – der FV Engers ist wieder dabei, die eigene Pokalgeschichte zu schreiben.
