Der Plaidter Sandro Kowalski überzeugt als Fahrer seines Formel 1-Gespanns
Wer „Mr. Sidecar“ als Lehrmeister hat, steht schnell auf dem Treppchen
Plaidt. „Ich höre erst auf, wenn mein Sohn Sandro schneller fährt als ich!“, hatte „Mr. Sidecar“ Horst Maria Kowalski noch vor wenigen Wochen angekündigt. Jetzt merkt der 76-jährige Motorradsport-Promi, dass der Countdown läuft. Sozusagen als „rasender“ Senior mit vier Jahrzehnten Wettkampf-Erfahrung hatte er schon vor Monaten die Leitung seines Motorsport-Teams auf seinen Sohn Sandro übertragen. Der 25-jährige Mechatroniker, der vom Vater von Kindesbeinen an in die Motorradsport-Szene eingeführt wurde, verfügt seit 2018 über eine eigene Rennlizenz und das rot-weiß-blaue Sidecar mit der Nr. 55 trägt jetzt seinen Namen. Mit diesem Formel 1-Motorradgespann, geht Sandro bei den Rennen der „Moto Trophy“ an den Start. „Mit Rücksicht auf den Gesundheitszustand meiner Frau halte ich mich zurück und werde jeweils kurzfristig entscheiden, ob ich am Steuer sitze“, sagt Vater Horst.
Wenn der Vater enttäuscht und der Sohn überrascht
In den vergangenen Wochen hatte das Racing-Team entschieden, bei den diesjährigen Rennen am Schleizer Dreieck und auf dem Hockenheimring auf jeden Fall mit von der Partie zu sein. Horst Kowalskis thüringische Fan-Gemeinde im Schleizer Ortsteil Oberböhmsdorf freute sich im Mai, „ihren“ Horst wiederzusehen. Über 30 Jahre ist die 500-Einwohner-Gemeinde dem Star der nahegelegenen Motorsport-Rennstrecke „Schleizer Dreieck“ verbunden. Verständlich enttäuscht waren sie zunächst als es hieß, Nachwuchsfahrer Sandro würde an den Start gehen. Der langjährige Beifahrer des Seniors, Marcel Reimann, der aus der Region stammt, stand trotz einer noch nicht ausgeheilten Verletzung als Beifahrer bereit, musste allerdings auf die Zähne beißen. Er begleitete Sandro Kowalski auf dem, auf Grund seiner Höhenunterschiede als sehr anspruchsvoll bekannten, Straßenrundkurs, den der Junior zum ersten Mal absolvierte. Mit Tränen in den Augen gratulierte Mr. Sidecar seinem Filius zur Schleizer Premiere, bei der dieser in den beiden Rennen den 9. und 11. Platz belegte: „Das war super! Du warst Weltklasse!“. Ebenso begeistert stellte der Renn-Kommentator am Mikrofon fest, dass es wohl keinen besseren Lehrmeister als den Vater gäbe.
Für andere wären es Probleme, für die Kowalskis Herausforderungen
Ende Mai sollte es für das Team dann zum Mai-Pokal-Revival an den Hockenheimring gehen. Mit dieser Renn-Veranstaltung erinnert die Traditionsrennstrecke an die ruhmreichen Zeiten der Motorrad-Weltmeisterschaftsläufe im vergangenen Jahrhundert. Noch am Mittwoch gab es keinen Beifahrer, der mit Sandro hätte starten können. Ein Freund, der motorsport-begeisterte Marcel Kaiser aus Kretz stand bereit, hatte jedoch keine Rennlizenz. Mr. Sidecars herausragenden Rennsportkontakten war es zuzurechnen, dass der Neuling innerhalb von vier Stunden zumindest mit einer Tageslizenz ausgestattet werden konnte. Die Motorsportkleidung stellte dem Neuling natürlich der Rennstall Kowalski. Nachdem das Rennstall-Team dann am Donnerstag in Hockenheim sein großes Zelt aufgebaut hatte, gingen Horst, Sandro und Marcel den 4,5 km langen Parcours ab. Die freien Trainings am Freitag liefen für Sandro und Marcel problemlos. Doch im zweiten Qualifikationsrennen am Folgetag, aus dem Kowalski/Kaiser, wie auch in der ersten „Quali“ in der 5. Runde als Schnellste hervorgingen, erlebte der leistungsstarke Rennmotor (1000 cm³ Hubraum / 200 PS) und somit auch das Team nicht den Zieleinlauf: die Maschine verabschiedete sich mit einem lauten Knall. Kowalskis wären nicht Kowalskis, wenn sie deswegen zu den Rennen am Sonntag nicht angetreten wären. Der Ersatzmotor des Rennstalls, eine neue Kupplung und verstärkte Federn wurden von Sandro und Marcel in drei schweißtreibenden Stunden eingesetzt. Wie gut, dass sich ein jahrzehntelanger Freund des Vaters, der dreifache Super-Sidecar-Weltmeister Adolf Hänni (Schweiz) zum zweiten Mal als Sponsor eines gut erhaltenen Motors für den Plaidter Rennstall geneigt zeigte.
Am Sonntag ging es wieder an den Start. Dieser, so der erfahrene Vater, wurde in beiden Rennen „verschlafen“. Im ersten Rennen als Letzter weggekommen gelang es dem Team Kowalski/Kaiser in der fünften Runde, sich von Position 24 ausgehend, schließlich den dritten Platz zu erkämpfen. In der vierten Runde des zweiten Rennens (Streckenrekord!) drang das Duo aus der Pellenz in die Dreier-Spitze vor und konnte am Ende einen weiteren 3. Platz erzielen.
Bei diesen Erfolgen der Motorsport-„Greenhorns“ darf man gespannt sein, wann Sandro Kowalski einmal an die Erfolge der Motorsport-Legende „Mr. Sidecar“ anknüpfen wird. Auf dem Flugplatz in Walldürn hat er Mitte Juni erneut Gelegenheit seinen Erfahrungsschatz weiter auszubauen.
Diesmal stand erstmals die junge Generation des Racing-Teams Kowalski (Sandro Kowalski und Marcel Kaiser, rechts im Bild) auf dem „Treppchen“.
