22-jähriger aus Mayen gewinnt bei den Internationale Body-Building-Meisterschaften
Wladislaw Argunejew ist deutscher Meister in der Klasse „Men Physique“
Mayen. Es sind zumeist die Geschichten über die Außenseiter, die den Favoriten ein Schnippchen schlagen, die beim sportbegeisterten Zuschauer hängen bleiben. Wer erinnert sich schon an die x-te Meisterschaft des FC Bayern im Vergleich zum Titelgewinn des 1. FC Kaiserslautern 1998 nach dessen Wiederaufstieg in die 1. Fußball-Bundesliga? Oder dem Sensationstitel von Leicester City 2016 in England im Vergleich zu 20 dieser Titel des Serienmeisters Manchester United? Eine ähnliche Geschichte schrieb nun auch der in Mayen lebende Wladislaw Argunejew. Der 22-jährige wurde in Pfungstadt internationaler deutscher Meister im Bodybuilding in der Klasse Men Physique.
Eine Klasse, in der nicht die bloße Präsentation von „Muskelbergen“, sondern eine ausgewogene Choreografie mit bewertet wird. Argunejew gewann dabei auf Anhieb bei seinem ersten Wettkampf um den DM-Titel. So, wie er schon vier Wochen zuvor bei den Rheinland-Pfalz Meisterschaften in Kaifenheim als sogenannter Newcomer den Titel erobern konnte. Der Azubi eines in Mayen ansässigen Studios einer Fitness-Kette hatte sich dabei erst spät entschlossen, jenen Sport wettkampfmäßig zu betreiben, den er mittlerweile seit acht Jahren frönt. Argunejews Begeisterung führte fast zwangsläufig zum Wunschausbildungsberuf Sport- und Fitnessökonom. „Ich hatte vorher einiges ausprobiert, aber meinen Wunschberuf wirklich erst in der Fitnessbranche gefunden“, so der frisch gebackene Champion. Sein Interesse an Themen, wie Trainingslehre, Ernährungswissenschaft und Physiologie kam ihm natürlich beim Titelgewinn zu Gute. „Hartes Training alleine genügt nicht. Du musst deine Lebensweise schon komplett nach den Wettkampfphasen ausrichten“. Doch all` dies hätte wohl keine Rolle gespielt, würde nicht dem Vernehmen nach hinter jedem erfolgreichen Mann eine starke Frau stecken. So kam der Anstoß zu Body-Building als Wettkampfsport erst von seiner Freundin Chantal. Die duale Studentin der Fitnessökonomie beim gleichen Arbeitgeber ermutigte ihn nicht nur, sondern erarbeitete mit ihm auch die Bewegungs-Choreografie für die beiden Wettkämpfe.
„Offen gestanden hatte ich zuvor keinen Bock auf Wettbewerbe. Aber als sie mich vier Monate vor der Meisterschaft in Kaifenheim dann anstachelte, dachte ich mir, warum eigentlich nicht?“ Ab da gab es laut Argunejew „keine Alibis mehr, wenn ich mal keine Lust auf Training hatte, oder Lust auf ungesundes Essen“.
Selbst wenn die Grundphysis stimmte, so war das, was folgte, harte Arbeit und schweißtreibendes Training, verbunden mit jeder Menge Entbehrungen. Am Tag des Wettkampfs beispielsweise muss der Körper „trocken“ sein, wie es in der Wettkampfsprache heißt. So trank Argunejew – wie viele seiner Leidensgenossen – einen Espresso und 100 ml Wasser. Nur so kommen die Muskelpakete, die durch eine mehrere Wochen anhaltende, am Wettkampftag aufgetragene Wettkampffarbe zusätzlich betont werden, richtig zur Geltung. Phasen, in denen die Sportler - überwiegend eiweißhaltig essend – mehr als 6000 kcal am Tag zu sich nehmen müssen, wechseln sich dabei mit echten Hungerkuren ab. Maximale Herausforderung für den Körper, die buchstäblich kräftezehrend ist und bei manchem Begehrlichkeiten weckt, die Argunejew nicht teilt. Mir ist es wichtig, dass alles natural zu schaffen. Da bietet dir schon mal jemand Entwässerungstabletten, oder Extremeres an, um den Körper trocken zu machen, oder beim Muskelaufbau nachzuhelfen. Aber das kommt für mich nicht in Frage“. Nach dem Triumph in Pfungstadt gab es erst einmal nur ein großes Bedürfnis. Essen!
So ging es mit der Familie auch schnell in ein peruanisches Restaurant, wo eine Grillplatte für zwei Personen fast im Alleingang verputzt wurde. „Ich bin froh, dass nun erst einmal Wettkampfpause ist. Der Körper muss sich genau so erholen, wie nach einem Marathon, oder Triathlon. Aber ich bin auf den Geschmack gekommen und werde sicher weiter an Wettkämpfen teilnehmen“, so Argunejew. Nicht, dass aus dem Underdog am Ende ein Seriensieger wird. Dann bleibe ihm aber später immer noch die Erinnerung an die Anfangszeiten und den ersten Sensationssieg.
