Sportkreis tagte in Neuwied
Zäsur im Sportkreis: Alfred Hofmann geht nach 33 Jahren
Sportvereinen fehlen Mitglieder und Vorstände – dem Sportbund das Geld
Neuwied. Wenig Positives gibt es aus dem Sportkreis zu berichten. Vergangenen Freitag tagte der Sportkreistag im Veranstaltungssaal der Marktkirchengemeinde. Sportbund Rheinland Präsidentin Monika Sauer berichtete, dass das Investitionsbudget für Vereine schon im Mai erschöpft war. Landrat Achim Hallerbach hat beobachtet, dass die Sportvereine zunehmend Mitgliedssorgen plagen. „Wir verzeichnen einen flächendeckenden Rückgang in allen Sportarten“, bestätigte Alfred Hofmann. Der Sportkreisvorsitzende berichtete ebenfalls davon, dass die Vereine vermehrt Vorstandsposten nicht mehr besetzen können und nur noch kommissarisch geleitet werden. Gründe dafür sieht er viele, beispielsweise die Bürokratie. Statt Sport zu treiben, müssten Akten gewälzt, neue Bestimmungen und Gesetze gelernt sowie Statistiken erstellt werden. Alfred Hofmann hätte sich sicherlich andere Rahmenbedingungen gewünscht. Nach 33 Jahren verabschiedete sich der dienstälteste Sportkreisvorsitzende im Sportbund Rheinland in den Ruhestand. Von einer Zäsur im Sportkreis sprach Achim Hallerbach in seinem Grußwort im Namen der kommunalen Familie. Der Sport verliere einen engagierten Fürsprecher und die Verwaltung einen Ansprechpartner, dessen hohe Kompetenz geschätzt werde. Alfred Hofmann habe immer alle Sportarten im Auge behalten und bei der Sportstättenförderungen immer Neutralität bewiesen. Das ein oder andere Mal habe es ein zähes Ringen, insbesondere über die Standorte der Kunstrasenplätze, gegeben. Alfred Hofmann habe stets darauf geachtet, dass das Stadtgebiet nicht zu kurz kommt. Landrat Achim Hallerbach lobte ebenfalls Alfred Hofmanns Einsatz für den Schulsport. „Ihnen reichen wir unsere kooperative Hand“, wandte sich der Landrat an den Nachfolger Mike Leibauer. Der neue Sportkreisvorsitzende, mit einstimmigen Votum gewählt, ist für 42.000 Mitglieder in 230 Vereinen zuständig. Großvereine über tausend Mitglieder gibt es nur in Vettelschoß und Windhagen. Mit 956 Mitgliedern ist der TV Feldkirchen der mitgliederstärkste Verein im Stadtgebiet. Im Verhältnis zu den 181.000 Einwohnern im Landkreis Neuwied ergibt sich ein Organisationsgrad von 23 Prozent. Das ist der niedrigste Grad aller sechzehn Sportkreise. Die Zeit der lebenslangen Mitgliedschaften in Sportvereinen ist vorbei. Sportbund - Präsidentin Monika Sauer berichtete von dieser Entwicklung. Die Wichtigkeit besagten Schulsports unterstrich auch sie. Wo, wenn nicht über Ganztagsschulen solle man an die Jugend kommen. „Die Jugend ist nicht mehr ortsgebunden und die Angebote vielfältig geworden“, beobachtet Achim Hallerbach. Konkurrenz machen die Fitnessstudios. Doch gerade im Sportverein, im Team, werden die Seele und Psyche gestärkt. Vereinssport, da ist sich der Landrat sicher, stärkt die Persönlichkeitsentwicklung des Nachwuchses. Achim Hallerbach treibt um, dass immer mehr Kinder nicht mehr sozial eingebettet sind, weil familiäre Strukturen versagen. Die Folge: Über 80 Prozent seines Etats muss der Kreis Neuwied für Soziales und die Jugendhilfe ausgeben. Geldsorgen haben auch die Sportbünde. Monika Sauer kritisierte, dass die Förderung seitens der Landesregierung seit dreizehn Jahren nicht mehr gestiegen ist. Im Jahr davor hatte es eine Kürzung gegeben.
Selbstheilung durch höhere Beiträge
Als Mittel zur „Selbstheilung“ informierte sie die anwesenden Vereinsvertreter über die Erhöhung des Mitgliedsbeitrags ab 2020 auf sechs Euro bei Erwachsenen und vier Euro bei Kindern. Dass dadurch nennenswert Mitglieder verloren gehen, glaubt die Präsidentin nicht. In seiner letzten Rede unterstützte Alfred Hofmann die Beitragserhöhung. In den letzten vier Jahren seien allein 212.955 Euro an die Vereine im Kreis Neuwied geflossen. Kleinstbeträge für die Anschaffung von Vereinsbedarf und Sportgeräte ebenso, wie große Summen als Förderung für Sportstätten. Mit rund 10.000 Euro wurden Wettkampfkosten bezuschusst. In diesem Zusammenhang lobte Alfred Hofmann das unschätzbare Engagement der Eltern, die ihre Kinder zu Trainings und Wettkämpfen chauffieren. Wenngleich beim Sportkreistag viele Molltöne angeschlagen wurden, so gab es auch einige positive Töne. „Unsere Übungsleiter haben ein universitäres Ausbildungsniveau“, stellte Alfred Hofmann begeistert fest. Als positive Entwicklung im Sportkreis stellte er den Bau der Leichtathletikhalle und die Einrichtung eines Leichtathletikzentrums in Neuwied heraus. Monika Sauer berichtete, dass die Zahl der Vereinsmitglieder Ü60 im Sportbund Rheinland zuletzt gesteigert werden konnte. Derzeit läuft eine Vereinsbefragung zwecks Mitgliedergewinnung junger Leute. Das wird die nächste große Initiative des Sportbunds Rheinland. Bleibt zu wünschen, dass diese ebenfalls Früchte trägt. FF
Nach 33 Jahre trat der dienstälteste Sportkreisvorsitzende im Rheinland, Alfred Hofmann, nicht mehr an.
Sportbund Präsidentin Monika Sauer kündigte den Vereinen höhere Beiträge an.
