Termine | 04.12.2023

Nachfrage nach „Kleine Fluchten für flutbetroffene Senioren“ ist ungebrochen

„Es war ein richtig schöner Tag“

„Kleine Fluchten für flutbetroffene Senioren“ organisiert der Hospiz-Verein Rhein-Ahr seit nunmehr zwei Jahren, damit diese Zielgruppe für ein paar Stunden die gerade für sie oft so folgenschwere Flut vergessen kann.  Foto: privat

Kreis Ahrweiler. Die Notiz in der Zeitung hat eine Sehnsucht geweckt: „Kleine Fluchten für flutbetroffene Senioren“. Gisela Müller empfindet die Fahrt nach Bonn, die sie dank des Angebots des Hospiz-Vereins Rhein-Ahr unternehmen konnte, als eine willkommene Abwechslung. Im Kreis Ahrweiler sind die Folgen der Flutkatastrophe noch immer sichtbar, die Ortskerne sind noch nicht vollständig wieder aufgebaut, und vertraute Anlaufstellen fehlen. Die 75-Jährige fühlt sich immer noch eingeschränkt und sagt: „Wir sind immer noch in vielerlei Hinsicht eingeschränkt, man kommt nicht überall hin, nicht alle Geschäfte sind geöffnet, und wenn ich in die Poststraße schaue, wird mir immer noch schwer ums Herz.“

Das Angebot des Hospiz-Vereins Rhein-Ahr, Ausflugsfahrten für flutbetroffene Seniorinnen und Senioren zu organisieren, kam für Gisela Müller genau richtig. Sie war auch neugierig, wie es im Bonner Regierungsviertel, dem Ziel der Tagestour, aussieht, da sie früher zehn Jahre lang mit ihrem Mann in Bonn gewohnt hatte.

Ihre Freundin Anita Zimmermann, die noch stärker von der Flut betroffen war als Gisela Müller, wurde ebenfalls von der Idee der Ausflugsfahrten angezogen. Zimmermann hatte nach der Flut fast alles verloren, da sie im Erdgeschoss wohnte und das Wasser bis fast in den zweiten Stock stieg. Sie bedauerte den Verlust ihrer Fotoalben, erklärte jedoch, dass die Kinder nun nicht mehr den Keller räumen müssten. Man müsse die Situation anders betrachten, so Zimmermann.

Positive Erinnerungen in schwierigen Zeiten

Seit zwei Jahren bietet der Hospiz-Verein Rhein-Ahr Ausflugsfahrten für Flutbetroffene an, um ihnen positive Erinnerungen in schwierigen Zeiten zu ermöglichen. Unter der Leitung von Uschi Klapp-Dittmann wurden im Jahr 2022 13 Fahrten und im Jahr 2023 fast doppelt so viele durchgeführt, jeweils mit etwa 40 Teilnehmern. Die Ausflüge werden größtenteils aus zweckgebundenen Spenden finanziert und bieten den Senioren einen Tapetenwechsel, der ohne eine zu lange Busfahrt erreichbar ist. Die Fahrten beinhalten oft die Besichtigung von Sehenswürdigkeiten mit Führungen und enden in geselliger Runde bei Kaffee, Kuchen oder einem Snack.

Die Nachfrage nach den Fahrten ist seit der ersten Fahrt nach Koblenz mit Schiffstour gestiegen. Das Konzept hat sich bewährt: eine kostengünstige Busfahrt von 5 Euro pro Teilnehmer führt Senioren aus der Ahr-Region zu Zielen, die für einen Tagesausflug gut erreichbar sind. Die Ausflüge werden immer von einer Führung begleitet und bieten den Teilnehmern die Möglichkeit zum Austausch in geselliger Atmosphäre.

Uschi Klapp-Dittmann, die die Ausflugsfahrten ehrenamtlich organisiert und auch selbst mitfährt, freut sich über die Spenden, die diese Touren ermöglichen, und über die positiven Reaktionen der Teilnehmer. Besonders Senioren, die ihre Lebenspartner durch die Flut verloren haben, finden im Alltag oft wenig Anschluss. Ein Teilnehmer sagte einmal: „Das Angebot des Hospiz-Vereins hat mir neuen Lebensmut gegeben.“

Aufgrund des Erfolgs der Ausflugsfahrten haben sich bereits eigenständige Gruppen gebildet, die sich regelmäßig zu Aktivitäten treffen. Uschi Klapp-Dittmann hat auch für 2024 bereits zahlreiche Ideen und Ziele im Kopf. Zunächst steht jedoch die Heiligabendfeier für flutbetroffene Senioren im Bad Neuenahrer Kurpark am 24. Dezember an. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, daher ist eine telefonische Anmeldung unbedingt erforderlichh. Weitere Informationen und Anmeldung sind von montags bis donnerstags von 9 bis 11 Uhr bei Uschi Klapp-Dittmann unter 0160/1508002 möglich. BA

„Kleine Fluchten für flutbetroffene Senioren“ organisiert der Hospiz-Verein Rhein-Ahr seit nunmehr zwei Jahren, damit diese Zielgruppe für ein paar Stunden die gerade für sie oft so folgenschwere Flut vergessen kann. Foto: privat

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