Der Kammerchor Bad Neuenahr-Ahrweiler begeisterte mit Vivaldi, Fauré und Mozart
Hörgenuss auf höchstem Niveau
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Ein herrlicher Sommerabend, Johannistag, und die ehemalige Klosterkirche Calvarienberg war so voll besetzt, dass spontan noch Stühle gestellt werden mussten. Zu einem besonderen Konzerterlebnis hatte der Kammerchor Bad Neuenahr-Ahrweiler geladen. Unter der Leitung von Ulrike Ludewig präsentierte der Chor gemeinsam mit dem Musikensemble Amici musici und den Solistinnen Isabel Dürr (Sopran) und Cordula Hörsch (Alt) vier Werke für Chor, Solisten und kleines Orchester. Mit der „Cantique de Jean Racine“ von Gabriel Fauré gelang dem Chor, gefühlvoll begleitet von den Streichern, ein anrührender Einstieg ins Konzert. War die Kirche schon sommerlich warm, so wurde einem bei dem vom Chor zum Dahinschmelzen schön gesungenen „Cantique de Jean Racine“ zusätzlich warm ums Herz.
Die folgende Arie „Laudate Dominum“ von Mozart, die weltweite Berühmtheit erlangt hat und nach einem sehr virtuosen Solosopran verlangt, hatte Ulrike Ludewig mit der jungen Sopranistin Isabel Dürr ideal besetzt. Sie überzeugte mit ihrem flexibel geführten Sopran, der zu wundervoller Fülle aufblühte und selbst in der Höhe noch angenehm ist. Die darauffolgende „Messe basse“, wiederum von Gabriel Fauré, sangen die beiden Solistinnen und der Chor von der Empore mit der großen Orgel, einfühlsam gespielt von der Pianistin Anna Sigalova. Die brillant klare Stimme der Sopranistin Isabell Dürr wechselte sich mit der warmen, tragenden Stimme der Altistin Cordula Hörsch ab und endete in einem „Agnus Dei“, das im Zusammenklang mit Solistinnen und Frauenchor unter die Haut ging.
Das dann folgende „Gloria in D-Dur“ für Soli, Chor und Orchester ist Vivaldis populärstes Werk der geistlichen Musik. Vivaldi vertonte in zwölf Abschnitten den lateinischen Text des „Glorias“ mit ganz unterschiedlichen Affekten. Eingangs- und Schlusschor sprühen vor Vitalität und Freude im Wechsel mit schmerzlichen Dissonanzen, wie in „Et in terra pax“. Dazwischen Arien von entrückter Schönheit, wie „Domine Deus“, gesungen von der Sopranistin Isabel Dürr, begleitet von der Oboistin Brigitta Kragh und immer wieder kann der Chor seine ganze Klangkraft entfalten. Das ist Musik in ihrer berührendsten Form.
Die Vielschichtigkeit, die sich in den vielen dynamischen und unverwechselbaren Teilen des „Gloria“ widerspiegelte, musikalisch darzustellen, gelang dem Chor sehr gut. Ulrike Ludewig setzte bei Chor und Orchester auf lebhafte Tempi und gliederte klar, vernachlässigte aber keineswegs die Arbeit am Detail. Die Stimmen klangen sauber und effektvoll, mal dramatisch, mal gefühlvoll leise. Die Resonanz aus dem Publikum, das dem Chor einen wunderbaren, warmen Klang bescheinigten, war sehr gut. Das Orchester präsentierte einen runden, differenzierten Klang und war „Begleitung“ auf hohem Niveau. Angesichts der vollen Bänke und „standing ovations“ der Besucher können die Sängerinnen und Sänger des Kammerchors auf einen beeindruckenden Abend mit facettenreicher Musik zurückblicken.
Glücklich nach langer Pandemiepause endlich wieder miteinander und füreinander musizieren zu können, ließ der Chor den stimmigen und erfolgreichen Abend mit seinem Publikum, kalten Getränken und Häppchen im lauschigen Hofgarten des Calvarienbergs ausklingen.
