Echtzeit-Theater: Premiere bei der Jungen Bühne Lahnstein
Nur noch „60 Minuten“ – Was würdest du tun?
aus Koblenz
Lahnstein. Was passiert, wenn plötzlich nichts mehr sicher scheint? Wenn ein gewöhnlicher Schultag innerhalb weniger Minuten eskaliert – und junge Menschen gezwungen sind, Haltung zu zeigen? Mit ihrem neuen Echtzeit-Theaterstück „60 Minuten“ präsentiert die Junge Bühne Lahnstein ein hochaktuelles Projekt, das vor einem Weltuntergangs-Szenario gesellschaftliche Spannungen, politische Unsicherheiten und die Gedankenwelt einer jungen Generation spiegelt.
Breaking News im Klassenzimmer: Ein internationaler Konflikt zwischen den USA und China droht zu eskalieren. Ein globales Ultimatum läuft – 60 Minuten bleiben. Während draußen Panik ausbricht, Busse ausfallen und das Netz kollabiert, geraten auch die Jugendlichen im Klassenraum zunehmend an ihre emotionalen Grenzen.
Dabei geht es nicht nur um die Frage, ob die Welt untergeht – sondern darum, wie junge Menschen heute auf Krisen, politische Machtspiele, Angst, Überforderung und gesellschaftliche Spaltung reagieren. Zwischen Sarkasmus, Hilflosigkeit, Wut und Verdrängung entsteht ein intensiver Blick auf eine Generation, die täglich mit Unsicherheiten konfrontiert wird.
Das Besondere: Die Figuren und Charaktere des Stücks wurden von den Jugendlichen selbst entwickelt. Eigene Erfahrungen, Gedanken, Ängste und Sichtweisen flossen direkt in die Entstehung des Projekts ein. Dadurch entsteht eine außergewöhnliche Authentizität, die besonders junge Zuschauerinnen und Zuschauer unmittelbar erreichen soll.
Regisseurin und Intendantin Corinna Schmitz beschreibt, wie es zu dem Stoff kam: „Wir haben nach der Inszenierung der „Welle“ im vergangenen Jahr gemerkt, dass die Jugendlichen genau solchen Stoff zur Reflexion wollen – auf und vor der Bühne. Es ist wichtig, sich mit solchen Fragen auseinanderzusetzen, und Kunst und Theater bieten dabei einen geschützten Rahmen.“ Die Arbeit an dem Stück habe die Jugendgruppe selbst spürbar verändert: Sie sei, so Schmitz, „gewachsen in und an der Theaterarbeit“.
„60 Minuten“ versteht sich dabei nicht nur als Theaterstück, sondern auch als Einladung zur Reflexion und zum Dialog. Deshalb bietet die Junge Bühne Lahnstein eigens Schulvorstellungen sowie pädagogische Vor- und Nachgespräche an – entweder im Concept Room der JBL „Das Angenehm“ in Ehrenbreitstein oder direkt im Schulunterricht.
Corinna Schmitz erhofft sich dabei, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer sich ebenso wie die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler mit dem Thema auseinandersetzen und die wichtigen Fragen stellen – ohne dass man unbedingt die Antworten kennen muss.
Das Projekt richtet sich insbesondere an Schulen, Jugendgruppen und pädagogische Einrichtungen, die aktuelle gesellschaftliche Themen gemeinsam mit Jugendlichen künstlerisch und emotional bearbeiten möchten. Empfohlen wird „60 Minuten“ ab Jahrgangsstufe 8.
Premiere ist am Samstag, 19. September, um 19.30 Uhr in der Aula des Johannes-Gymnasiums Lahnstein. Weitere Spieltermine sind am Sonntag, 20. September, 19 Uhr, sowie am Freitag und Samstag, 25. und 26. September, jeweils um 19.30 Uhr. Tickets für 16,50 Euro (ermäßigt für 12,50 Euro) gibt es bei Ticket-Regional (Plattform ist über die Homepage der Jungen Bühne Lahnstein verlinkt: www.junge-buehne-lahnstein.de
Mit dem Echtzeitstück „60 Minuten“ stellt Regisseurin Corinna Schmitz den Figuren große Fragen - und die Darsteller vor große Herausforderungen. Denn das Timing muss auf die Sekunde passen. Die Uhr tickt. Foto: Michaela Cetto
Was würdest du tun, wenn du nur noch 60 Minuten hättest? Die Zeit läuft. Foto: Junge Bühne Lahnstein
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In der Aula des Johannes-Gymnasiums in Lahnstein laufen die letzten Proben vor der Premiere. Foto: Michaela Cetto