Villa Weingärtner
Umgangsformen - brauchen wir die noch?
Wolfgang Schultheiß am 8. November zu Gast in der Villa Weingärtner
Unkel. Spätestens beim ersten Bewerbungsgespräch wird die Frage akut: Was ziehe ich an, wie trete ich auf, um einen möglichst günstigen Eindruck zu hinterlassen? Aber auch das normale Zusammenleben wird durch Umgangsformen angenehmer, glaubt Wolfgang Schultheiß, der als Diplomat 36 Berufsjahre lang täglich mit Fragen von Protokoll und Etikette zu tun hatte.
Sein Buch zum Thema erschien im Frühjahr. Die Resonanz, die es fand, überraschte ihn selbst. Häufig werde bezweifelt, dass sich heute noch jemand für das Thema Etikette interessiert. Das Wort stammt übrigens vom Hofe des „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV., an dem das Zeremoniell auf einem an der Kleidung befestigten Zettel, einem Etikett, genau beschrieben war. „Und dann reden genau diese Zweifler den ganzen Abend mit mir über nichts anderes“, vertraute er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ im Interview an.
Auf knapp 300 Seiten findet der Leser Antworten auf praktische, abwegige und auch kuriose Fragen. Krawatte im Büro? „Folgen Sie dem, was an Ihrem Arbeitsplatz üblich ist“, lautet der pragmatische Rat. „Und wenn Sie schon eine Krawatte tragen, lassen Sie den Knoten nicht auf Halbmast hängen. Die Spitze liegt in der Mitte der Gürtelschnalle.“ Auch andere Fragen der Kleiderordnung, etwa langes Abendkleid oder kleines Schwarzes werden ausführlich behandelt. Mit welchen Kleidungsstücken Verdienstorden zu kombinieren sind, dürfte nur eine Minderheit der Leser interessieren. Für die Herren gilt: Nur zum Frack und eigentlich auch nur dann, wenn es in der Einladung erwähnt wurde. „Als einziger in voller Ordenspracht aufzutreten, ist noch peinlicher, als inmitten ordensgeschmückter Gäste ohne Orden dazustehen“, rät Schultheiß, der Pragmatismus mehr schätzt als die reine Lehre. Damit dürfte sein Buch sogar für Panikrocker Udo Lindenberg lesenswert sein, der bekanntlich Anfang Oktober das Bundesverdienstkreuz verliehen bekam.
Wer sich für die Geschichte der Umgangsformen interessiert und erfahren möchte, dass der Herr links von der Dame geht, weil er dann den Degen ziehen kann ohne sich in ihren Röcken zu verfangen, wird bei Schultheiß ebenso fündig wie jemand, der ein Bewerbungsschreiben auf Englisch verfassen muss und mit der korrekten Anrede ringt. Ein Anhang mit Formulierungsvorschlägen und einem Benimmtest, sowie ein ausführliches Register machen das Buch zusätzlich zu einem nützlichen Nachschlagewerk. Am 8. November um 19.30 Uhr ist Wolfgang Schultheiß in der Villa Weingärtner zu Gast. Daniela Weingärtner war als Journalistin in Brüssel selbst zwanzig Jahre lang häufig mit Umgangsfragen konfrontiert. Während zum Beispiel unter Brüsselern ein einziger Wangenkuss üblich ist, legen Pariser Wert auf deren zwei. Deutsche hingegen ziehen je nach Bekanntheitsgrad ein Kopfnicken oder eine Umarmung vor. Für ein Gespräch mit dem Gast aus Berlin in der Villa Weingärtner, Scheurener Str. 25 in Unkel gibt es also mehr als genug Stoff. Außerdem wird Schultheiß aus seinem Buch lesen. In der Pause gibt es wie immer bei Wein und Fingerfood die Gelegenheit, sich mit dem Autor auszutauschen. Eine Reservierung ist erforderlich unter info@villa-weingärtner.de oder telefonisch unter 02224-9876714.
Pressemitteilung der
Villa Weingärtner
