Tafel Vallendar besteht seit einem Jahr
27 ehrenamtliche Helfer sind im Einsatz
Vallendar. „Unser tägliches Brot gib uns heute.“ Diese Bitte aus dem „Vater unser“, dem Grundgebet eines jeden Christen, dürfte auch dem säkularen Teil der Gesellschaft noch durchaus geläufig sein. Diese Bitte weist darauf hin, dass das tägliche Brot, ein eindrückliches Synonym für die Grundversorgung eines Menschen, nicht immer vorhanden war und ist. Lebensmittel, mit Schweiß und Mühe erzeugt, werden in unserer Noch-Überflussgesellschaft tonnenweise weggeworfen. Schon beim Erzeuger, beispielsweise einem Pfälzer Gemüsebauern, weil die Frucht nach Aussehen oder Maßen nicht normgerecht ist und dem Kunden im Supermarkt daher nicht zugemutet werden kann. Supermärkte wiederum sind gehalten, Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, aus dem Regal zu nehmen und in die Mülltonnen zu werfen. Mittlerweile hat es sich herumgesprochen, dass dieses Datum nicht heißt, Lebensmittel sind schlagartig nach diesem Datum verdorben, sie können aber in Geschmack und Konsistenz verändert sein.
Wahr ist aber auch: Das tägliche Brot ist für Teile unserer Gesellschaft nicht selbstverständlich, nur ist diese Not nicht überall sichtbar. Die Diskrepanz zwischen Überfluss einerseits und Not andererseits wenigstens zum Teil zu schließen, hat sich die „Tafel“ zur Aufgabe gegeben, aus Wertschätzung gegenüber dem Lebensmittel, aus der christlichen Gesinnung der Hilfsbereitschaft und Barmherzigkeit.
Die Tafel holt Lebensmittel bei den Märkten ab und gibt sie an Bedürftige weiter. Eine Situation, in der beide gewinnen, die Geber sparen die Entsorgungskosten, die Not der Empfänger wird gelindert.
Viele Ausgabestellen
Die Bundesorganisation „Tafel“ gibt es seit 1995 und ist mittlerweile mit mehreren 100 Ausgabestellen in der Republik tätig. Im Januar 2016, viele Flüchtlinge hatte dieses Land aufgenommen, waren die vorhandenen Ausgabestellen überaus belastet. Da sah die Koblenzer Tafel, besonders Peter Bäsch, der Zweite Vorsitzende und Lions-Mitglied, die Notwendigkeit, auch in Vallendar eine Ausgabestelle einzurichten.
Im Gespräch mit dem Stadtbürgermeister Gerd Jung war auch recht schnell eine passende Lokalität gefunden: die alte Stadthalle in Vallendar, mit einem Lieferwagen gut anzufahren, mit Parkplätzen für die ehrenamtlichen Helfer.
Einen Organisator hatte die Koblenzer Tafel auch zur Hand, Alfred Waurig mit seiner Ehefrau Petra, langjährig erfahren in der Weißenthurmer und Mülheimer Tafel.
In den bekannten Publikationen standen Artikel, Mitglieder des Lions Club Vallendar betrieben Personalakquisition, die Lions in Vallendar spendeten 500 Euro für die Ausstattung. Am 15. Januar 2016 wurde die Ausgabestelle Vallendar der Tafel Koblenz eröffnet. Zur Verfügung stehen in der Stadthalle Vallendar die Kneipe „Zum Vallerer Plattpopo“, die Kegelbahn, das Foyer, die Garderobe und Lagerräume, insgesamt etwa 250 Quadratmeter.
Während zu Beginn meistens Flüchtlinge versorgt wurden, sind es mittlerweile in der Mehrzahl Einheimische. Der Schwerpunkt hat sich deutlich verschoben. Die Berechtigung zum Empfang von Waren hängt von den Einkommensverhältnissen ab, die von Petra Waurig anhand der Unterlagen, die der potenzielle Kunde mitbringt, überprüft werden. Zurzeit sind etwa 50 Karten ausgegeben, über die ungefähr 140 Personen, davon 45 Kinder, versorgt werden. Sprachprobleme werden mit eigenen Leuten, die des Englischen und des Französischen mächtig sind, und einem Dolmetscher aus dem arabischen Raum gelöst. Für die Tätigkeit in der Ausgabestelle stehen zurzeit 27 ehrenamtliche Helfer zur Verfügung, 20 Frauen, sieben Männer, in der Alterspanne von 32 bis 83 Jahren. Regelmäßig vor Ort sind 17 bis 18 Helferinnen und Helfer über den Tag verteilt. Die Ausgabe ist jeden Freitag von 12.45 bis 14.30 Uhr geöffnet.
22 Geschäfte
Umgesetzt werden an einem Ausgabetag etwa 1,5 Tonnen Lebensmittel, die in 22 Geschäften links und rechts des Rheins ab morgens um 7 Uhr von zwei, gelegentlich auch drei Mitarbeitern eingesammelt werden. Die Ausgabestelle Vallendar der Koblenzer Tafel hat sich in diesem einen Jahr zu einer wichtigen, reibungslos funktionierenden Versorgungseinrichtung für viele entwickelt, damit auch sie am Überfluss teilhaben können. Spannend ist die Frage, welche Räumlichkeiten der Tafel nach Abriss der alten Stadthalle zur Verfügung stehen.
