Allgemeine Berichte | 28.02.2015

Gedenkveranstaltungen für „Märtyrer der Nächstenliebe“

300 Gläubige gedenken P. Richard Henkes

Im Fokus stand seine Beziehung zu den Tschechen

Pontifikalamt mit Bischof František Lobkowicz von Ostrava-Opava.

Vallendar. Vor 70 Jahren starb der Westerwälder Pallottinerpater Richard Henkes im KZ Dachau. An seinem Todestag gedachten die pallottinischen Gemeinschaften in Vallendar und Limburg des an Typhus verstorbenen Mitbruders. Henkes, der wegen seiner offenen Worte gegen das Nazi-Regime ins KZ verbracht worden war, hatte sich Ende 1944 freiwillig zur Pflege erkrankter Mithäftlinge gemeldet und sich nach etwa acht Wochen mit der tödlichen Krankheit angesteckt. Überlebende KZ-Priester hatten sich seit Beginn der achtziger Jahre für eine Seligsprechung von P. Richard Henkes stark gemacht. Im April 2003 wurde der Seligsprechungsprozess für den „Märtyrer der Nächstenliebe“ offiziell eröffnet.

Pontifikalamt in der Pallottikirche

Mit einem Pontifikalamt in der Pallottikirche in Vallendar wurde der Gedenktag anlässlich des 70. Todestages von P. Richard Henkes begonnen. Rund 300 Gläubige aus dem Kreis Mayen-Koblenz, dem Westerwaldkreis und aus Tschechien nahmen an dem Gottesdienst unter der Leitung des tschechischen Bischofs František Lobkowicz von Ostrava-Opava teil. Unter den Konzelebranten waren der Limburger Weihbischof Gerhard Pieschel, der Trierer Weihbischof Jörg Peters, der Pallottinerprovinzial Helmut Scharler sowie zwei tschechische Pfarrer. Bischof Lobkowicz legte in seiner Predigt den Ruf Jesu zur Umkehr angesichts des vielen Bösen in der heutigen Welt und auch in uns selber aus. Jesus habe das Böse bei der Versuchung in der Wüste besiegt und auch wir könnten mit der Hilfe der Gnade Gottes das Böse überwinden.

Musikalisch umrahmt wurde das Pontifikalamt von den Sängern des „ad hoc“ Chores unter der engagierten Leitung von P. Alexander Diensberg SAC und der musikalischen Begleitung von P. Jörg Gattwinkel SAC. Höhepunkte waren Eigenkompositionen der beiden Leiter, wie zum Beispiel der stark rhythmisierte Eingangsgesang: „Hilf doch! Die Frommen schwinden dahin.“

Festakt in der Philosophisch- Theologischen Hochschule Vallendar

Die Beziehung von Josef Beran, dem späteren Kardinal von Prag, mit P. Richard Henkes im KZ Dachau stand im Fokus des anschließenden Festaktes im Richard-Henkes-Saal der Philosophisch-Theologischen Hochschule, an dem rund 100 Gäste teilnahmen. P. Richard Henkes war von 1941-1943 Pfarrer in Strandorf, dem heutigen Strahovice in Tschechien seelsorgerisch tätig und fand dort eine zweite Heimat. Im KZ begegnete er Josef Beran, eine Tatsache, die im heutigen Tschechien kaum bekannt ist. Das enge Verhältnis der beiden Geistlichen beleuchtete der Vizepostulator des Seligsprechungsprozesses für P. Richard Henkes, Prof. P. Dr. Manfred Probst in seinem Vortrag.

Neue Erkenntnisse zum Aufenthalt Berans im KZ Dachau lieferten Forschungsergebnisse der tschechischen Wissenschaftlerin Stanislava Vodicková aus Prag. Demnach soll der spätere Kardinal unter anderem in einem Zeitraum von eineinhalb Jahren heimlich dafür gesorgt haben, dass seine Mithäftlinge besser mit Lebensmitteln versorgt wurden. Der österreichische Zeuge, der Priester P. Johannes Lenz, hat in seinem Buch „Christus in Dachau“ berichtet, dass Beran täglich 250 Zettel für Brotzeiten mehr herausgegeben hat, als es ihm erlaubt war.

Die Tschechische Bischofskonferenz sprach sich im Jahr 2000 einstimmig für die Seligsprechung der Naziopfer P. Richard Henkes und Kardinal Josef Beran aus, die als Vorbilder deutsch-tschechischer Versöhnung gesehen werden können.

Andacht in der Marienkirche und Gedenken am Grab

Das Gedenken an P. Richard Henkes wurde am Nachmittag mit einer Andacht in Limburg fortgesetzt. Rund 70 Gäste gedachten in der Marienkirche gemeinsam mit dem Rektor P. Leo Wiszniewsky des „Märtyrers der Nächstenliebe“. In seiner Predigt ging er auf die sechs Jahre ein, die Richard Henkes in Limburg verbracht hat. Er wies darauf hin, dass dies für Henkes eine Zeit der Krise und schwieriger Entscheidungen war. Der Chor „St. Cäcilia“ aus Henkes Heimatort Ruppach-Goldhausen rundete mit seinen mehrstimmigen Gesängen die festliche Andacht ab.

Zum Abschluss versammelten sich Pallottiner und Gäste aus der Region und aus Tschechien am Grab von P. Richard Henkes, um Kränze niederzulegen und im stillen Gebet für seine baldige Seligsprechung zu bitten. Die Bürgermeisterin von Strahovice, Elen Malcharková, bekräftigte in ihrer kurzen Ansprache die enge Verbindung ihres Ortes mit dem ehemaligen Seelsorger, die bis heute Zeugnis von dem völkerversöhnenden Handeln des Pallottinerpaters Richard Henkes gibt.

Zur Person:

Der im Jahre 1900 in Ruppach-Goldhausen/WW. geborene Pallottinerpater Richard Henkes strebte schon als Schüler im Studienheim Schönstatt (1912-1919) nach Wahrheit und Freiheit. Im Jahr 1925 wurde er zum Priester geweiht und ab 1926 war er als begeisterter und begeisternder Lehrer tätig. Ab dem Jahr 1931 wirkte er in Katscher, Frankenstein und in Branitz im östlichen Teil des damaligen Deutschen Reiches. Nach einer Predigt am 7. März 1937 in Ruppach gegen die Nazis wurde er bei der Gestapo angezeigt und man leitete eine Untersuchung gegen ihn ein. Sie endete mit einer Verwarnung. Ebenfalls 1937 wurde er wegen einer Äußerung gegen Adolf Hitler in Katscher/Oberschlesien angezeigt. Der drohenden Verurteilung vor einem Sondergericht in Breslau entging er durch die Amnestie beim Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich. Am 8. April 1943 wurde er wegen einer Predigt in Branitz/Oberschlesien verhaftet, in Ratibor gefangen gehalten und am 10. Juli 1943 ins KZ Dachau eingeliefert. Dort ließ er sich Ende November/Anfang Dezember 1944 freiwillig in der Zugangsbaracke 17 zur Pflege und Seelsorge Typhuskranker einschließen, steckte sich dabei an und starb am 22. Februar 1945 im KZ Dachau.

Seligsprechungsprozess

Dachauer KZ-Priester und der Richard-Henkes-Kreis haben sich seit 1982 für die Seligsprechung des Pallottiners eingesetzt. Nach der Einigung zwischen der Bistumsleitung und den Pallottinern fand die feierliche Eröffnung des Bischöflichen Erhebungsverfahrens am 25. April 2003 in der Marienkirche der Pallottiner in Limburg statt. Am 23. Januar 2007 konnte der damalige Limburger Bischof Franz Kamphaus mit einem Pontifikalamt in der St. Marienkirche den Abschluss des Bischöflichen Erhebungsverfahrens feiern. Inzwischen ist die sogenannte „Positio“, das Grundsatzdokument für eine Seligsprechung, in italienischer Sprache bei der Kongregation für die Heiligsprechungen eingereicht. Sie hat bei den Historikern die erste Prüfungsrunde bestanden. Zurzeit wartet sie auf die Begutachtung durch die zuständige Theologen-Kommission.

Pontifikalamt mit Bischof František Lobkowicz von Ostrava-Opava.
Deutsche und Tschechen gemeinsam am Grab von P. Richard Henkes in Limburg.Timo Michael Kessler

Deutsche und Tschechen gemeinsam am Grab von P. Richard Henkes in Limburg.Fotos: Timo Michael Kessler

Pontifikalamt mit Bischof František Lobkowicz von Ostrava-Opava.

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Fabian F: Nichts Neues gefühlt ein Bus pro Woche
  • Sandra Sattler: Der Zustand der L330 zwischen. Nassau und Zimmerschied ist eine absolute Katastrophe- und das nicht erst seit gestern! Wir sind wohnhaft in Hömberg und werden seit vielen Jahren mit diversen Ausreden vom LBM vertröstet.
  • Janek: Wer die Strecke kennt, kann sich den Grund bereits denken … Der Straßenzustand ist dort so schlecht, dass er besonders für Motorradfahrer ein ernstzunehmendes Sicherheitsrisiko darstellt. Dem verunglückten...
  • Siegfried Kowallek: Verwunderlich ist weiterhin, dass die SPD der Neuwieder CDU vorhält, gegen den Unvereinbarkeitsbeschluss der Christdemokraten in Bund und Land im Hinblick auf die Partei Die Linke zu verstoßen. In insgesamt...
  • Siegfried Kowallek: Die Nennung von BSW und der Partei Die Linke im selben Kontext ist sachlich nicht gerechtfertigt und damit unredlich. Prominentester linker Befürworter deutscher Waffenlieferungen an die Ukraine ist Bodo...
Werbeplan 2026
Jörg Schweiss
Mitarbeiter IT-Administrator
Werksverkauf Anhausen
Koblenzer Kneipengeschichten
Titelanzeige KW 15
Anzeige Tag der offenen Tür am Zeiberberg
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0220#
Anzeige Beratertage Schlafexperte
130 Jahre freiwillige Feuerwehr Bad Neuenahr und Tag der offenen Tür
Empfohlene Artikel
Die inframeta eG lädt zum Regionaltreffen nach Andernach. Foto: privat
17

Andernach. Unter dem Leitgedanken „Gemeinsam geht einfach mehr“ bringt die inframeta eG mit Sitz in Bad Neuenahr-Ahrweiler Kommunen, Versorgungsunternehmen, Ingenieurbüros sowie Bauunternehmen zusammen, um sich praxisnah über aktuelle Herausforderungen und Lösungen rund um die unterirdische Infrastruktur auszutauschen. Im Fokus stehen insbesondere die Themen Digitalisierung, Zusammenarbeit und effiziente Planungs- und Bauprozesse.

Weiterlesen

Symbolbild.  Foto: pixabay.com
56

Region. Auch in unserer Region gibt es sie: die stillen Stars des Alltags. Menschen, die anpacken, helfen, Verantwortung übernehmen oder einfach für andere da sind. Ob Feuerwehrmann, engagierte Ortsbürgermeisterin, unermüdliche Nachbarschaftshelfer oder die gute Seele im Sportverein – sie alle sind Heimathelden! BLICK aktuell möchte diesen Menschen eine Bühne geben und der Öffentlichkeit vorstellen – in einer neuen Serie in unserer Zeitung.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild. Foto: ROB
71

Jugendliche um drei Uhr nachts von Polizei angehalten

11.04.: Bad Ems: 15- und 13-Jähriger unternehmen nächtliche Spritztour mit Auto

Bad Ems. In den frühen Morgenstunden des 11.04.2026, gegen 03:00 Uhr, wurde durch eine Streifenwagenbesatzung nach einem Hinweis von Zeugen ein Pkw im Stadtgebiet Bad Ems, im Bereich der Straße Am Weißen Stein, kontrolliert. Hierbei wurde festgestellt, dass der Fahrzeugführer erst 15 Jahre alt und demnach nicht im Besitz der erforderlichen Fahrerlaubnis war. Sein Beifahrer war nochmals zwei Jahre jünger.

Weiterlesen

Dauerauftrag 2026
Dauerauftrag Imageanzeige
Wir helfen im Trauerfall
Wir helfen im Trauerfall
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0220#
Wohnträume - Wohnen & Garten im Blick
Wohnträume - Wohnen & Garten im Blick
Wohnträume
Wohnträume
Staplerfahrer (m/w/d)
Leiter/in (w/m/d)
Titelanzeige
Rückseite
Stellenausschreibung: Betriebshof
130 Jahre freiwillige Feuerwehr Bad Neuenahr und Tag der offenen Tür, 19.04.26