Stiftung Filippas Engel
Elf junge Europäer mit 20250 Euro geehrt
Fürst Alexander überreichte im Schloss Sayn feierlich die Preise der Stiftung
Bendorf-Sayn. Fürstlich ging es zu im Schloss Sayn, vor allem was die Preise betraf. Denn die reichten von 250 bis zu 5000 Euro, als in einer Feier die elf Preisträger der Stiftung Filippas Engel mit insgesamt 20 250 Euro geehrt wurden.
Filippa war die Tochter von Gabriela Fürstin zu Sayn-Wittgenstein
und Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein, die beim Studium in Florenz den Mode- und Werbefotografen Roberto Sisini traf, der ihr fotografisches Talent förderte und sie für einige seiner Projekte engagierte. Filippas erster Auslandsauftrag war ein Fotoshooting in Cornwall. Auf der Rückfahrt nach London fuhr der Campervan des Teams bei Bristol aus ungeklärter Ursache ungebremst auf ein Baustellenfahrzeug. Roberto Sisini und die 21jährige Filippa zu Sayn-Wittgenstein waren sofort tot.
Schon mit acht Jahren hatte Filippa mit ihrem Tagebuch begonnen, aus dem ihre Eltern 2003 Auszüge veröffentlichten. Das Buch wurde ein Bestseller und mit dem Erlös und den Tantiemen gründete das Fürstenehepaar die Stiftung Felippas Engel. So werden seit 2004 Geldpreise an junge Menschen überreicht, die Herausragendes im sozialen, kulturellen oder ökologischen Bereich geleistet haben. Der Preis Filippas Engel zählt zu den bedeutendsten Auszeichnungen für die Jugend Europas und wird jährlich an junge Europäer vergeben, die sich auf außergewöhnliche Weise, meist langfristig, für andere eingesetzt haben.
Fürst Alexander zu Sayn-Wittgenstein betonte jetzt bei der 12. Preisverleihung: „So erfüllt sich der Wunsch der jung verstorbenen Prinzessin Filippa zu Sayn-Wittgenstein: Ich will mit meinem Leben anderen nutzen.“
Zuvor hatte Fürstin Gabriela als Stiftungsvorstand im Festsaal des Schlosses etwa 100 Gäste begrüßt, unter denen neben den Preisträgern und Sponsoren auch Landrat Dr. Alexander Saftig war. Seit Gründung der Stiftung gab es rund 200 000 Euro für 126 junge Menschen (bis 30 Jahre) aus ganz Europa, die sich in ihrer Heimat oder weltweit darum bemühen die Lebensbedingungen für andere Menschen zu verbessern. Jens Gilles und Laura Tsereas (Neuwied) lockerten mit Gesang und Gitarre die Preisverleihung musikalisch auf. Diesmal waren elf junge Europäer (20 waren vorgeschlagen worden), die die 17köpfige Jury der Stiftung als Preisträger ausgewählt hatte. Unter der Moderation von Kuratoriumsmitglied Heike Boomgaarden überreichte Fürst Alexander die Preise. Der mit 5000 Euro dotierte Haupt- und Förderpreis ging an Ismar Poric, der nach den schrecklichen Massaker (1995) im bosnisch-herzegowinischen Srebrenica mit 120 Kindern seiner ethnisch gemischten Musikschule „Superar“ die Basis zu einem multikulturellen Miteinander schuf.
Die Preisträger
Die Hauptpreise, dotiert mit je 2500 Euro, gingen an vier junge Europäer. Kosovare Selimi aus Duisburg kümmert sich aufopfernd wie ein „Engel“ um Frauen in Not bei Schwester Lea Ackermanns SOLWODI. Dieser Verein hilft Frauen, die als Opfer von Menschenhändlern nach Deutschland gekommen sind.
Mit dem Verein Govinda kämpft Marisa Schroth für bessere Lebensbedingungen von Waisenkindern in Nepal vor Ort und in Stuttgart. Eine Vertreterin nahm den Hauptpreis entgegen. Der junge Anwalt José Otoala aus Madrid ist Präsident der Asociación Bokatas. Die Vereinsmitglieder kümmern sich um eine würdige Wiedereingliederung von Obdachlosen in Spanien. Medium für die Annäherung ist das Symbol “bokata“ (Snacks) und Kaffee. Die von WHU-Studenten in Vallendar gegründete SensAbility e.V. organisiert mit Sebastian Block auch 2015 wieder eine zweitägige Social Enterprise-Konferenz mit dem Ziel, gesellschaftliche
Verantwortung im Berufsleben zu verankern. Der allein von den Studierenden der WHU organisierte Kongress beschäftigt sich mit dem Thema soziales Engagement und profitables Wirtschaften. Anna Weinrich, die Nachfolgerin von Sebastian Block, nahm den Preis entgegen und erklärte, dass „Sozialunternehmer Probleme nicht nur durch Spenden angehen sollen, sondern durch unternehmerische Lösungen.“ Einen der fünf Ehren- und Förderpreise, dotiert mit je 1000 Euro, ging an Verena Walther (München), die mit dem Verein AIAS bereits 3500 Studenten als potenzielle Stammzellenspender, darunter 12 passende Spender, zur Bekämpfung von Blutkrebs fand. Die Mainzer Studentinnen Sofia Valente, Natalie Eimertenbrink und Katharina Schepelmann helfen Flüchtlingen und Asylsuchenden mit ihrer Initiative Cross Borders bei der Eingliederung und dem Erlernen der deutschen Sprache.
Peter Wilhelm hat mit anderen Studenten aus Freiburg Be Japy e.V. gegründet, um sozialen Netzwerken (u.a. Facebook, Instagram, Twitter) durch verschiedene Projekte stärkere soziale Komponenten zu verleihen.
Mit Patenschaften von Studenten hilft Laura Gorriahn und die Initiative Schlüsselmensch in Freiburg Flüchtlingskindern auf dem Weg zur Integration.Durch gemeinsames Kochen gelingt es Ninon Demuth und ihrem Berliner Verein „Über den Tellerrand kochen“ Barrieren zwischen Flüchtlingen und der Gesellschaft zu senken.
250 Euro als Sonderpreis für Kinder bekamen die Klassen 4a und 4b der Margarethenschule im Neuwieder Stadtteil Heimbach-Weis.
Durch Spendenaktionen hatten die Schüler einem verarmten Dorf in Südafrika geholfen, dass die Kinder wieder in die Schule gehen konnten. Der nicht dotierte Sonderpreis erhielt Bernd Rasehorn aus Altenhof (Schleswig-Holstein), der sich für die Stiftung „Filippas Engel“ einsetzt. Abschließend wies der Fürst darauf hin, dass das Geld für die Preisträger persönlich ist und diese damit machten können was sie wollen. Doch viele erklärten spontan, dass sie das Preisgeld in ihre Projekte stecken und so dem Namen „Filippas Engel“ Gestalt geben.
Jens Gilles und Laura Tsereas aus Neuwied lockerten die Preisverleihung musikalisch auf