Allgemeine Berichte | 14.01.2019

Philosophisch-Theologische Hochschule Vallendar

Erster Akademietag: Heimat neu denken

Zu Gast beim ersten Akademietag (vorn von links): Thomas Berenz (Trier), Albert Alhanda (Vallendar), Prof. Dr. Paul Rheinbay SAC (PTHV), Prof. Dr. Thomas Elßner (PTHV) und Prof. Dr. Dr. Holger Zaborowski (PTHV) sowie (hinten von links) Kathrin Wehse, Paul Christian Heck (beide Mainz) und Daniel Steiger (Koblenz).Fein/PTHV

Vallendar. Heimat ist für viele Menschen heute ein wichtiges Thema: Zusammen mit der Katholischen Erwachsenenbildung des Bistums Trier und ihren Verantwortlichen Thomas Berenz (Trier) sowie Daniel Steiger (Koblenz) startete die Philosophisch-Theologische Hochschule Vallendar (PTHV) die alljährlichen Akademietage damit, diesem vielfältigen Begriff nachzugehen. „Ein Buch mit vielen Erzählungen umherirrender Menschen“ nannte der Vallendarer Exeget Prof. Dr. Thomas Elßner das Alte Testament, beginnend mit der Vertreibung aus dem Paradies, dem Ruf Gottes an Abraham weg aus seiner Heimat, dem Auszug aus Ägypten bis hin zum sogenannten Babylonischen Exil. Kein Wort gebe es in der hebräischen Bibel für Heimat, in einem biblischen Glaubensbekenntnis drücke sich vielmehr das Selbstverständnis von Heimatlosigkeit aus.

Dass dem gegenüber heute viele Menschen nach Heimat suchen bis hin zur Errichtung einer neuen Abteilung des Innenministeriums – diesem Phänomen ging in einem zweiten Impuls der Philosoph und Hochschulrektor Prof. Dr. Dr. Holger Zaborowski nach. Es scheine auch in einer globalisierten Gesellschaft ein menschliches Grundbedürfnis zu sein, sich zu beheimaten. Die Vorstellung davon, wie dies gelingen könne, sei jedoch nicht einheitlich.

Oft spielten verkitschte, idealisierte, emotional romantische Inhalte mit hinein.

Was vor 20 Jahren als Heimat galt, habe sich unter modernen Bedingungen gewandelt. Prof. Zaborowski schloss mit dem Appell, doch auch in der „Heimat Europa“ nicht nur das Verkehrte und Schlechte, sondern die gemeinsame Geschichte und die damit verbundenen Orte als eine Chance zu sehen, Zukunft zu gestalten. Für viele Migranten sei jedenfalls Europa eine Perspektive der Hoffnung.

Daniel Steiger konnte danach auf dem Podium noch drei weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer begrüßen. Kathrin Wehse und Paul Christian Heck, Studenten aus Mainz, waren gerade von einem kirchlich getragenen mehrmonatigen Auslandsaufenthalt in Bolivien beziehungsweise Malawi zurückgekommen. Albert Ahanda verließ seine Kameruner Heimat in den achtziger Jahren und ist seitdem Bürger von Vallendar. In ihren lebendigen Erzählungen wurde deutlich, was wichtig ist, um sich an anderen Orten heimisch zu fühlen: das Erlernen der Sprache (bis hin zu Akzenten und Dialekten), das Interesse für andere, oft nicht gleich verständliche Werte und für die Tradition eines Landes sowie das Sich-Einlassen auf Beziehungen. Der eigentliche „Kulturschock“ geschehe dann nicht so sehr in der Fremde, sondern bei der Rückkehr in die „alte Heimat“, wo vieles mit neuen Augen gesehen werde.

Oft sei es gar nicht so einfach, die gemachten Erfahrungen denen mitzuteilen, die nicht dabei waren. Diese Erfahrungen bildeten jedoch einen nicht mehr weg zu denkenden Reichtum, der das ganze Leben präge und prägen werde. Der nächste Akademietag am Samstag, 19. Januar, 14. Uhr, widmet sich dem Thema „Pflege, Familie, Beruf“. Referenten sind Prof. Dr. Frank Weidner, Lehrstuhl für Pflegewissenschaft an der PTHV, sowie Joachim Speicher, Abteilungsleiter im Mainzer Sozialministerium. Infos unter www.pthv.de beziehungsweise unter Telefon (02 61) 6 40 22 55.

Zu Gast beim ersten Akademietag (vorn von links): Thomas Berenz (Trier), Albert Alhanda (Vallendar), Prof. Dr. Paul Rheinbay SAC (PTHV), Prof. Dr. Thomas Elßner (PTHV) und Prof. Dr. Dr. Holger Zaborowski (PTHV) sowie (hinten von links) Kathrin Wehse, Paul Christian Heck (beide Mainz) und Daniel Steiger (Koblenz).Foto: Fein/PTHV

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