Club für Bildung und Freizeit e.V. Vallendar
Filmgeschichte und Fernsehen – Ein spannendes Paar
Vallendar. Eine erkenntnisreiche Tour des Clubs für Bildung und Freizeit: Besuch des Filmmuseums in Frankfurt und Führung mit Studio-Präsenz im ZDF in Mainz. Der Bus war bis auf den letzten Platz gefüllt – gibt es ein deutlicheres Zeichen für ein breites Interesse am Reiseprogramm? Die Besuchsabfolge passte auch wunderbar zur geschichtlichen Entwicklung des Fotografierens und Filmens bis hin zur Gegenwart. Die Anfänge des Filmens dokumentiert das Filmmuseum. Angefangen von der „Camera obscura“, die schon Leonardo da Vinci zu erklären wusste und auch nutze – ein eher simpler Kasten mit einem kleinen Loch, durch das ein Gegenstand sich auf der im Kasten befindlichen Mattscheibe abbildete und dann aber von dort abgemalt werden musste - bis zu den ersten echten Fotos Ende des 18. Jahrhunderts. Auf einer chem. präparierten Metallplatte, anfangs Kupfer, mit heute unvorstellbarer Belichtungszeit von 2 Stunden und dann allmählich rasch abnehmende Tendenz. 1854 schaffte man schon eine Belichtungszeit von nur noch 20 Sekunden! Den Grundstein für das Filmen legte der Engländer Muybridge 1872 mit einer Bildfolge „Horse in motion“, also ein Pferd in Bewegung. Zum Film gehört sodann zwingend eine Abspieltechnik: Thomas Edison erfand den Kinetograph, der dank der Löcher am Filmstreifenrand ein Abrollen des Films ermöglichte. Allerdings: Es waren zuerst echte Kurzfilme von weniger als 1 Minute Dauer... und ohne Ton, Stummfilme eben. 1897 erfand Ferdinand Braun die Kathodenstrahlröhre – der Urahn aller Fernsehbildröhren („Braunsche Röhre“). Standard bis in die nahe Gegenwart, in der jetzt die Flachbildschirme das Feld beherrschen – mit Chips also. Standen am Anfang des Fotografierens und Filmens eindeutig die Bewältigung technischer Probleme im Mittelpunkt, stehen wir heute stärker vor dem Problem der Filmgestaltung – Inhalte, Schauspieler und schauspielerische Leistung, Aktualität u.a.
Somit war es nur konsequent, den Schauplatz zu wechseln und in die gewaltige Dimension des ZDF einzutauchen. Ehe es jedoch ans „Eingemachte“ ging – Teilnahme an einer Livesendung in einem Studio – stand ein ausgedehnter Rundgang auf dem Programm. Unter einer Führungsperson, die voll in dieser Aufgabe aufging und nicht nur mit einem umfassenden Wissen zu glänzen vermochte, sondern zugleich beachtliche schauspielerische Qualitäten zu unser aller Erheiterung beweisen konnte. Start des ZDF – das zweite öffentlich-rechtliche Fernsehunternehmen nach ARD – war am 1. April 1963 nach intensiver Vorarbeit des damaligen Bundeskanzlers Konrad Adenauer. Nun, die Vorgeschichte ist recht kompliziert und natürlich stark politisch - wie auch heute noch etwa bei Besetzung von leitenden Stellen Parteizugehörigkeit oder zumindest -nähe eine wichtige Rolle spielen. Mit etwa 4000 Mitarbeitern und über 2 Milliarden Euro Haushalt ist das ZDF ein Gigant; und nicht bei allen bekannt, stehen auch einige Beteiligungen auf der Habenseite: so bei 3Sat zusammen mit ORF, SRF und ARD, dazu auch ein Anteil an ARTE.
Neben dem Standort Mainz existieren mehrere Büros in wichtigen Orten Deutschlands und der Welt, um halbwegs ortsnah und zeitnah über wesentliche Ereignisse berichten zu können. Doch zurück zum Detail: Betritt man ein Studio, so fasziniert die Strahlermacht, die sich von der Decke aus nach unten erstreckt. In Studio 3 waren es wohl deren 162, die alle zentral gesteuert einsatzbereit sind. Über die Bedeutung von Licht, Lichteinfall und Positionierung des Moderators in Verbindung damit wurden wir aufgeklärt – eine Wissenschaft für sich.
Dass ein Moderator, der etwa um 17 Uhr vor die Kamera tritt, schon ab dem Vormittag mit Auswahl, Inhalt und Schwerpunkt seiner Moderation beschäftigt ist, war sicher nur wenigen bekannt. Live erleben durften wir das Boulevardmagazin „hallo Deutschland“ - eine halbe Stunde Sendezeit (dafür aber etwa 9 Stunden Vorbereitungszeit). Moderatorin Lissy Ishag schon rund 20 Minuten vor ihrem eigentlichen Auftritt zu erleben, viele Dispute im Team direkt vor Ort mithören, immer wieder ein ganz kurzes Make-Up durch die Kosmetikerin – dann endlich der Start. Während wir vor dem Fernseher eine Einblendung irgendeines Redakteurs sehen und glauben, die Moderatorin steht angestrengt weiterhin vor der Kamera – weit gefehlt. Die Zeit reicht für knappe Dispute und Aktualisierungen mit dem Team – und auf die Sekunde rechtzeitig steht sie wieder optimal fotogen vor der Kamera – bereit für den nächsten Beitrag. Da muss man Nerven haben! Ab jetzt sehen wir sozusagen ein klein wenig „hinter die Kulissen“, gemütlich auf dem heimischen Sofa sitzend.
Informationsstellen: Unsere Informationsstellen sind wie folgt besetzt: jeden Mittwoch von 9 bis 12 Uhr im Clubheim Höhrer Straße 10 (Ecke Grönerstraße), Tel. (02 61) 67 16 76 und von 17 bis 18 Uhr, Mallendarer Berg, nur über Handy-Nr. (01 62) 3 96 01 92.
Im Aufnahmestudio bei der Sendung „ Hallo Deutschland“.
