Konzertreihe „Marzellinusmusik“ in der Pfarrkirche Vallendar
„Herbstliche Orgelklänge“
Konzert zum Erntedank am 04. Oktober
Vallendar. Im Mittelpunkt der nächsten Veranstaltung in der regelmäßigen Konzertreihe „Marzellinusmusik“, die am Erntedanksonntag, 04. Oktober, um 18 Uhr in der Pfarrkirche Vallendar stattfinden wird, stehen herbstliche Orgeltöne: Mal eher mystisch-gedämpfte, mal auch stürmisch-dramatische Farben, aber auch Klänge des Dankes bilden das Programm des Konzertabends, für den der Ausführende des Konzertes, der Kantor und Organist der Pfarreiengemeinschaft Vallendar Johann Schmelzer, Werke von Bach, Mozart, Mendelssohn und Rheinberger einstudiert hat und die er in gewohnt gekonnter Manier zu Gehör bringen wird. Organist Johann Schmelzer - 1969 in Koblenz geboren, seit April 2010 Kantor in Vallendar und seitdem auch künstlerischer Leiter der Marzellinusmusikreihe - wird ein abwechslungsreiches Programm darbieten, das einen Dreiklang aus Barock, Klassik und Romantik bildet, das aber dennoch meist im Moll-Klang verharrt. Der Konzertabend wird eröffnet mit dem „Concerto“ in g-moll von Johann Sebastian Bach (BWV 975). Bach schuf dieses dreisätzige Werk im Jahr 1713 als Bearbeitung des Violinkonzertes Op. 4, Nr.6 (RV 316) seines italienischen Zeitgenossen Antonio Vivaldi für ein nicht näher bezeichnetes Tasteninstrument; die Bearbeitung der Werke zeitgenössischer Komponisten für andere Instrumente war zu Zeiten Bachs eine gängige Praxis.
Ebenfalls aus der Feder Bachs stammt das Choralvorspiel „Nun danket alle Gott“ (BWV 657), mit dem die Klänge des Dankes für die eingebrachte Ernte in das herbstliche Konzert einfließen sollen. Es stammt aus den 18 Leipziger Chorälen und wurde 1708 komponiert. Mit dem „Andante“, dem 2. Satz aus dem Klarinettenkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart (KV 622), das in einer Bearbeitung für Orgel von Rainer Irslinger zu hören sein wird, steht ein Werk auf dem Spielplan, das in seiner feierlichen Andacht und in seinem betrachtenden und erhaben-weihevollen Duktus, das ehrfurchtsvolle Staunen vor Gottes Schöpfung thematisiert. „Praeludium und Fuge in d-moll“ Op. 37 von Felix Mendelssohn Bartholdy, mit dem das Konzertprogramm fortgesetzt wird, sind die Frucht der Beschäftigung Mendelssohns mit DEM Instrument Bachs, der Orgel. Mendelssohns Verehrung für Bach führte nicht zuletzt zu einer entsprechenden „Wiederentdeckung“ des bachschen Werkes, das nach dessen Tod relativ schnell in Vergessenheit geraten war.
Mendelssohn zeigt dabei dennoch das ihm eigene dramaturgische Temperament, indem er das Praeludium in mehreren Steigerungen des rhythmischen Flusses von einer anfänglich schlichten und ruhigen Gangart zu wahrer Dramatik führt; die Fuge ist dagegen sehr zurückhaltend gehalten. Das Hauptwerk des Abends ist - nicht nur wegen seiner Länge - zweifellos die „Sonate Nr. 19 in g-moll“ Op. 193 von Josef Rheinberger, ein 1899 entstandenes Spätwerk und gleichzeitig die vorletzte Sonate des Meisters. Die Musik kann gewisse dramaturgische Anklänge an das ebenfalls von ihm in der gleichen Tonart komponierte Konzert für Orgel und Orchester nicht verleugnen. Entsprechend ist der Satzstil durchaus orchestral und „sinfonisch“ gehalten, die Dynamik ist gegenüber früheren Sonaten viel differenzierter, auch sucht er bewusst stärkere Affekte und Gegensätze in seiner Musik.
An die Stelle der sonst in früheren Sonaten üblichen Schlussfugen sind eine Introduktion und Finale getreten, was ebenfalls auch ein insgesamt sinfonischeres Denken hindeutet. Insgesamt bietet dieses Werk einen Gegensatz aus herbstlich-vernebelten Tönen und lichteren lyrischen Aspekten. Der Eintritt zu den Konzerten der Marzellinusmusikreihe ist frei; um freiwillige Spenden bei der Türkollekte wird gebeten.
Johann Sebastian Bach. Fotos: privat
Josef Gabriel Rheinberger.
