Club für Bildung und Freizeit reiste durch das Baltikum
Im Zeichen der „Perle des Barock“
Vallendar. Litauen, Lettland und Estland, drei kleine Länder, ethnisch und historisch verschieden, zugleich durch ein gemeinsames Schicksal geprägt, waren das Ziel unserer diesjährigen Rundreise. Litauen mit seiner Hauptstadt Vilnius, genannt die „Perle des Barock“, war die erste Station unserer Reise. Am Flughafen begrüßte uns Ingrid, unsere Reiseleiterin für die nächsten acht Tage, eine Estin, die uns durch alle drei Länder mit einem großen Sach- und Allgemeinwissen begleitete.
Bevor wir im Hotel einscheckten, machten wir mit dem Bus eine kleine Stadtrundfahrt, da am nächsten Tag die Innenstadt wegen eines Stadt-Marathons gesperrt war, so erhielten wir schon einen ersten Eindruck, was uns am nächsten Tag bei einem Altstadtrundgang erwartete. Nach dem Abendessen ging es dann in kleineren Gruppen zu ersten Erkundigungen.
Ein reichhaltiges Frühstück, unsere Koffer wieder zum Bus und los ging es mit Ingrid zum Altstadtrundgang mit seinen barocken Türmen und Kirchen. Über den Kathedralenplatz mit schönem Blick auf die „Obere Burg“ ging es zu dem Gotischen Ensemble der Anna- und Bernhardiner-Kirche. Nach der Besichtigung mehrerer Kirchen, unter anderem auch der russisch-orthodoxen „Heiliggeistkirche“, ging es vorbei am einzigen noch erhaltenen alten Stadttor - „Tor der Morgenröte“ -, wo durch das offene Fenster der Kapelle das Bildnis der „Goldenen Madonna“ zu sehen ist.
Über schöne Plätze gelangten wir zum Jüdischen Viertel. Eine Gedenktafel erinnert daran, dass hier eines der Tore stand, durch das über 30.000 Juden aus dem Großen Getto in den Tod gingen.
Nach einer kurzen Mittagspause schlenderten wir durch das Universitätsviertel, vorbei am Regierungsgebäude, wo wir noch einen Wachwechsel aller Waffengattungen erleben konnten, wieder über den Kathedralenplatz zurück zum Hotel, wo unser Bus uns schon zur Weiterfahrt zur malerischen Inselburg „Trakai“ erwartete.
Die gotische Wasserburg aus Backstein mit ihren massiven Wachtürmen liegt romantisch in einem See, welche man über einen langen Holzsteg erreichen kann. Nach einer Führung durch die Burg hatten wir noch etwas Zeit, die Ruhe auf dem See und die herrliche Landschaft zu genießen. Gerne hätten wir hier noch etwas mehr Zeit verbracht. Doch wir hatten noch eine weite Strecke nach Klaipeda, dem ehemaligen deutschen Memel, vor uns. Dort erwartete uns unser Hotel zum Abendessen.
Am nächsten Morgen fuhren wir nach einer kurzen Fährüberfahrt zur „Kurischen Nehrung“. Eine Hälfte gehört zu Litauen, die andere zu Russland. Die Nehrung steht unter strengem Naturschutz. Um die Besucherzahl zu beschränken, können Autofahrer die Straße nach Nida nur gegen eine Gebühr passieren. Nach einem kurzen Stopp am Todeswald, dessen Bäume durch den Kot einer großen Kolonie von Kormoranen abgestorben sind, führte uns die Fahrt durch den ehemaligen Kur- und Badeort Juodkrante, mit einem Halt an einer mit Bohlenwegen durchzogenen Dünenlandschaft und Blick auf die letzte Wanderdüne, fuhren wir bis Nida. Nida ist der letzte Ort des litauischen Teils der Nehrung.
Nach einem kurzen Rundgang durch den Ort mit seinen reetgedeckten, bunten Häusern, einem kleinen Strandlauf, vorbei an den überall aufgestellten bunten, geschnitzten Wimpeln der Kurenfischer trafen wir uns nach der Mittagspause zu einem kleinen Spaziergang zum Sommerhaus von Thomas Mann. Drei Jahre lang, von 1930 bis 1932, verbrachte die Familie Mann hier den Sommer, bevor sie aus Deutschland emigrierte. Nach einer Besichtigung des restaurierten Gebäudes mit Fotografien und Büchern des Nobelpreisträgers machten wir uns auf die Rückfahrt durch diese wunderschöne Landschaft und erreichten wieder nach einer kurzen Fährfahrt unser Hotel.
Am nächsten Morgen heißt es wieder Koffer packen. Ingrid zeigte uns bei einer kleinen Stadtführung die interessantesten Sehenswürdigkeiten von Klaipeda. Klaipeda besitzt einen großen internationalen Hafen. Jedoch das Herz der Altstadt ist der Theaterplatz, der dominiert wird vom Simon-Dach-Brunnen mit der bronzenen Figur des Ännchen von Tharau. Gleich stimmten einige von uns das Lied an. Vorbei ging es an der „Alten Post“, dem Kunsthof, an alten Fachwerk- und Speicherhäusern. Am alten klassizistischen Rathaus vorbei, trafen wir wieder auf unseren Bus und weiter ging es zum Badeort „Palanga“. In Palanga spazierten wir durch einen schön angelegten Botanischen Garten zum Bernsteinmuseum im Schloss von Palanga. Während einer Führung durch die Ausstellung konnten wir einige Stücke aus der aus circa 25.000 Exponaten bestehenden Sammlung besichtigen.
Am späten Nachmittag fuhren wir zum „Berg der Kreuze“, einem der wichtigsten nationalen Denkmäler Litauens. Der „Berg der Kreuze“ ist mit tausenden von Kreuzen aller Größen und Arten bedeckt. Dicht an dicht stehen sie. Aus Platzmangel wurden kleine Kreuze an den großen befestigt. Seit den litauischen Aufständen und den Deportationen nach Sibirien wurden immer mehr Kreuze aufgestellt, die dann durch die Sowjets niedergewalzt und verbrannt wurden. Doch die Litauer stellten wieder neue Kreuze auf. An diesem mystischen Ort wären wir gerne etwas länger geblieben, aber das Programm dieses Tages war noch nicht zu Ende.
Nächste Station war Schloss Rundale, welches schon in Lettland liegt. Es ist das schönste und prächtigste Barockschloss des Baltikums. In einer Führung konnten wir einige der schönsten Räume mit ihren prunkvollen Ausstattungen besichtigen. Durch die Fenster blickten wir auf die wunderschönen Park- und Gartenanlagen, für dessen Besichtigung uns jedoch die Zeit fehlte, denn nun ging es auf schnellstem Wege nach Riga.
Teil zwei folgt nächste Woche.
Informationsstellen
Unsere Informationsstellen sind wie folgt besetzt: Jeden Mittwoch von 9 bis 12 Uhr im Clubheim Höhrer Straße 10 (Ecke Grönerstraße), Tel. (02 61) 67 16 76 und von 17 bis 18 Uhr Mallendarer Berg, nur über Handy-Nr. Tel. (0174) 8 27 54 53.
Gruppenfoto vor der Kathedrale von Vilnius. Fotos: privat
Aufstieg zum Thomas Mann- Haus.
Mittagspause in Nida mit Nationalgericht „Zeppeline“.
Blick aus dem Park auf Schloss Palanga.
