Haus Wasserburg Vallendar
„Immer für eine Überraschung gut ...“
Vortrags- und Diskussionsveranstaltung von Haus Wasserburg, der kath. Erwachsenenbildung Koblenz und der Kolpingsfamilie Vallendar
Vallendar. „Dieser Papst ist immer für eine Überraschung gut ...“, so fasste ein Teilnehmer seinen Eindruck zu Papst Franziskus während der Vortrags- und Diskussionsveranstaltung von Haus Wasserburg, der kath. Erwachsenenbildung Koblenz und der Kolpingsfamilie Vallendar zusammen.
Wo kommt dieser Papst her? Was prägt ihn? Welche Erfahrungen bringt er in sein neues Amt ein? Wo steht er theologisch? Wohin führt er die Kirche? Mit solchen Fragen haben sich rund 90 Menschen im überfüllten Saal der Pallottikirche an Haus Wasserburg intensiv auseinander gesetzt. Sie wurden dabei unterstützt durch Impulse, Einordnungen und Hintergrundinformationen des Journalisten, Buchautors und Filmemachers Siegfried Pater und des Theologen Dr. Jürgen Kroth.
Pater kennt die Lebensumstände in Lateinamerika sehr gut und bot einen Einblick in die Realität, von der auch Papst Franziskus geprägt wurde. Er wies auch auf die wichtige Rolle der Kirche für alle an Gerechtigkeit orientierte Projekte hin. Ganz anders als in Deutschland, so Pater, fände man Kirchenvertreter, von ganz normalen Priestern bis hin zu Bischöfen und Kardinälen, immer wieder an der Spitze an Aktionen, die sich für umfassende Gerechtigkeit einsetzen, ob dies nun Demonstrationen, Besetzungen, Streiks usf. waren. Auch José Mario Bergoglio setzte sich immer für die Schwächsten und Ärmsten ein, und dieser Einsatz sei zu einer Haltung geworden, die sein Pontifikat bis jetzt jedenfalls kennzeichne.
Kroth wies in seinem Beitrag auf die hinter dieser Haltung steckende theologische und pastorale Grundüberzeugung des Papstes hin. Seine Parteilichkeit für die Armen gehöre zu den wichtigsten Traditionen der Kirche und werde von ihm wieder ganz neu in der Kirche wahrnehmbar. Er verdeutlichte die solide theologische Basis hinter den Gesten, Zeichen, Ansprachen des Papstes. Nicht an ihren Büchern, so der Referent, erkenne man die Qualität eines Theologen, sondern an seiner Praxis.
Beide Referenten, aber auch alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren sich einig, dass von diesem Papst noch viel zu erwarten sei; sie zeigten sich aber auch überzeugt, dass vor allem die neu wahrgenommenen Freiräume zu nutzen seien, dass eine Veränderung oder Weiterentwicklung der Kirche nicht allein von oben erwartet werden dürfe, sondern von unten, also hier vor Ort zu geschehen habe. Dann sei vielleicht nicht nur der Papst immer für eine Überraschung gut, sondern dann würde auch er überrascht.
Lichterfest in der Pallottikirche.
Dr. Jürgen Kroth mit Siegfried Pater.
