Bürgerversammlung mit außerordentlich hoher Beteiligung
Investor stellte Pläne für neues Hotel vor
Vallendar. In der vergangenen Woche hatten Fred Pretz, Bürgermeister der Verbandsgemeinde, und Stadtbürgermeister Gerd Jung zu einer Einwohnerversammlung in den großen Sitzungssaal des Rathauses eingeladen. Das Bürgerinteresse war außerordentlich hoch, der Sitzungssaal war bis in den letzten Winkel besetzt, die Sitzplätze reichten nicht aus. Mehr als 200 Bürgerinnen und Bürger wollten sich aus erster Hand informieren lassen. Auf der Tagesordnung stand die Vorstellung des Investorenkonzepts bezüglich eines Hotelneubaus.
Nikolaus Schär will zehn Millionen Euro in einen Hotelneubau investieren. Der Bendorfer Unternehmer erwarb in der Vergangenheit eine ganze Reihe von alten Vallendarer Häusern, sanierte diese und richtete dort unter anderem Studentenwohnungen ein. Schär stellte den Anwesenden sein Konzept vor.
Der Hotelneubau soll in direkter Nachbarschaft zur neuen Kongresshalle entstehen und mit ihr durch eine gläserne Brücke verbunden sein. Neben dem Hotel möchte er ein Restaurant errichten. Ein gemeinsames Hotel- und Kongresshallenmanagement in Zusammenarbeit mit dem Restaurant schaffe Synergieeffekte. Aus wirtschaftlichen Gründen müsse das Hotel mit 120 bis 140 Zimmern/240 bis 280 Betten ausgerichtet sein.
Da nicht so viel Grundfläche zur Verfügung steht, müsse in die Höhe gebaut werden. So soll ein etwa 50 Meter hohes Gebäude an der B42 entstehen. Zum Vergleich: Das höchste Vallendarer Gebäude, die Humboldthöhe, ist knapp 71 Meter hoch. Durch die Höhe des Gebäudes könne der Hotelgast ab der vierten Etage einen schönen Ausblick auf die Insel Niederwerth und das Rheintal haben, ebenso in den Westerwald, das gleiche den Standortnachteil, die Bahnstrecke und die viel befahrene B42 aus und böte somit einen Marketingeffekt.
Mit in die Bürgerversammlung war Architekt Thomas Steinhardt gekommen. Er habe eine ganze Reihe von Überlegungen und Entwürfen angestellt und sich dann für einen Hotelkomplex in der vorgestellten Form entschieden. Das Gebäude sei geprägt von Leichtigkeit und Schlichtheit. Mit dem Hotel entsteht eine Tiefgarage mit 50 Stellplätzen.
Er wolle, so Schär, eines der besten, wenn nicht sogar das beste Hotel in der Region bauen. In Zusammenhang mit der Kongresshalle schließt das Konzept eine Lücke im gesamten hiesigen Raum. Ohne Zweifel besteht ein großer Bedarf an einem solchen Angebot.
Das Haus soll auf ein Tagungshotel ausgerichtet sein. Er rechne mit 70 Prozent Belegung und 30.000 bis 40.000 Gästen pro Jahr. 50 bis 60 Vollzeitarbeitsplätze und 20 bis 30 Teilzeitarbeitsplätze sollen entstehen. Der Investor ist sich sicher, dass Vallendar von dem Hotelneubau profitiert.
Im Anschluss stellte sich Schär den Fragen der Bürger. Diese waren in der Bürgerversammlung überwiegend besorgt. Die Höhe des Gebäudes passe ganz und gar nicht ins bestehende Stadtbild, so die fast einhellige Meinung. Bekanntlich soll die Kongresshalle auch von zahlreichen Vallendarer Vereinen genutzt werden. Wie passe das, so eine Bürgerin, mit dem Konzept eines Tagungshotels zusammen. Sie sorge sich darum, dass das Hotel aus wirtschaftlichen Gründen mangels Belegung irgendwann nicht mehr rentabel ist. Dann stünde ein 50 Meter hohes Gebäude mitten in der Stadt leer und sei ohne Nutzen. Die Diskussion war sehr emotional. Der Investor stand Rede und Antwort. Er sei sicher, dass sein Konzept aufgehe und erfolgreich wird. Natürlich hieße es bei Bauvorhaben immer, Vorteile und Nachteiliges abzuwägen.
Stadtbürgermeister Gerd Jung sprach sich zu Beginn der Bürgerversammlung ganz klar für den Hotelneubau aus. Es sei aber noch nichts entschieden. Der Verbandsgemeindebürgermeister Fred Pretz meinte, dass für Vallendar ohne Zweifel ein modernes Hotel und eine Verbindung mit der Kongresshalle sinnvoll und wünschenswert sei. Das Konzept sei wohl wirtschaftlich voll nachvollziehbar und überzeugend, aus städteplanerischer Sicht passe so ein hohes Gebäude nicht an diese Stelle. Der Flächennutzungsplan sieht für den möglichen Hotelneubau drei- bis vierstöckige Gebäude vor. Dieser müsse durch Stadtratsbeschluss nun erst einmal geändert werden. Flächennutzungsänderungen werden offengelegt und somit Bürger daran beteiligt. Letzten Endes ist die Annahme des Investorenkonzepts in der geplanten Ausführung eine Stadtratsentscheidung.
Ihre Meinung ist gefragt
In einer späteren Ausgabe von Blick aktuell möchten wir die Meinungen der Fraktionen der im Stadtrat vertretenen Parteien zu diesem Thema zu Wort kommen lassen. Außerdem interessiert uns ihre Meinung, liebe Leser. Wie sehen sie den Bau des geplanten Hotels. Schreiben Sie uns an: redaktion-vallendar@kruppverlag.de.
So könnte es einmal aussehen: der neue Vallendarer Süden mit Kongresshalle, Hotel und Restaurant. Aber noch ist vom Stadtrat nichts entschieden.Foto: Heinrich + Steinhardt
Architekt Thomas Steinhardt, Investor Nikolaus Schär, Stadtbürgermeister Gerd Jung und Verbandsbürgermeister Fred Pretz (von links).Fotos: AND
Vonseiten der Bevölkerung wurden Fragen an den Investor gestellt.
