Konzertreihe „Marzellinus-Musik“ in der Pfarrkirche Vallendar
Kontrastreiche Orgelmusik zu Allerseelen
Kantor Johann Schmelzer spielt am Sonntag, 2. November um 18 Uhr
Vallendar. Sonne und Wolken, Licht und Schatten, Leben und Tod – diese Gegensätze bestimmen das menschliche Dasein, diese Kontraste gehören zum Menschen dazu. Die Zeit, über diese Kontraste nachzudenken, ist der Herbst, der wie keine andere Zeit des Jahres Sonne und Wolken, Licht und Schatten vielfältig und schillernd zeigt, aber auch die Vergänglichkeit des Lebens spürbar werden lässt. Nicht umsonst sind gerade in dieser Zeit im kirchlichen Kalender die Feste Allerheiligen und Allerseelen platziert, die genau daran erinnern sollen: an Leben und Tod des Menschen.
Licht und Schatten, Leben und Tod – diese Kontraste kann vor allem die Musik besonders gut erlebbar machen; daher werden bei der nächsten Veranstaltung der Konzertreihe „Marzellinus-Musik“, die am Sonntag, 2. November um 18 Uhr in der Pfarrkirche St. Marzellinus und Petrus Vallendar stattfinden wird, Werke erklingen, die diese kontrastreichen Stimmungen erzeugen und transportieren sollen, wie es sicherlich die Orgelmusik ganz besonders vermag.
Kantor und Organist Johann Schmelzer wird an der modifizierten Oberlinger-Orgel der Vallendarer Pfarrkirche mit Werken von Bach, Schubert, Dienel und Rheinberger deutsche Orgelliteratur unterschiedlicher Epochen und Stile zu Gehör bringen und so auch mit der Auswahl des Programms den Kontrast als leitendes Motiv des Konzertes betonen. Der Konzertabend wird eröffnet mit dem „Brandenburgischen Konzert Nr. 3“ von Johann Sebastian Bach, welches vor pulsierender Lebensfreude sprüht und in einer gelungenen Bearbeitung für Orgel von Heinrich Grimm, die der Notentextnähe zum Original wie auch den Ansprüchen der Orgel als Instrument gleichermaßen gerecht wird, erklingt. Dieses Werk soll an die Freude über die Heiligen anknüpfen, derer besonders an Allerheiligen gedacht wird. Zwei Teile aus Robert Schumanns „Sechs Fugen über B-A-C-H“ bilden den zweiten Teil des Konzertabends und schlagen so den Bogen in den eher nachdenklicheren Teil des Programms, der dem Tag „Allerseelen“ gewidmet ist. Die sechs Fugen über „B-A-C-H“ sind einerseits Verneigung des Komponisten vor dem Genius Bachs, andererseits sind sie in ihrer Zusammenstellung eine einzigartige Erscheinung im gesamten Orgelmusikrepertoire. Während sich die erste Fuge aus ruhender Mystik in einer Steigerung erst allmählich erhebt und entwickelt, ist die zweite vor allem heroisch und extrovertiert gehalten. Mit Otto Dienel kommt s ein eher selten gehörter Berliner Orgelkomponist zu Gehör, der Zeitgenosse Rheinbergers war und sehr wertvolle Beiträge zur deutschen Orgelromantik geleistet hat und Organist an der Marienkirche in Berlin war. Der „Solemn March über `Was Gott tut, das ist wohlgetan´“ erinnert in seinem Gestus und in der Farbgebung zunächst an einen Trauermarsch, dessen Thema emanzipiert exponiert wird. Dann tritt quasi als „Lichtblick von oben“ unerwartet der Choral hinzu und sorgt für einen aufhellenden Lichtblick.
Hauptstück und Glanzpunkt des Abends ist die abschließend dargebrachte „Sonate Nr. 8 in e-moll“ von Josef Rheinberger, die vor allem aufgrund des für Rheinberger eher untypischen und vor Spielfreude sprühenden „Scherzoso“, am meisten jedoch wegen der berühmt berüchtigten „Passacaglia“ wohl zu der Orgelsonate des Komponisten schlechthin wurde. In der Reihe „Marzellinus-Musik“ finden jeweils am ersten Sonntag im Monat in der Pfarrkirche in Vallendar Konzerte statt, die verschiedenen kirchenmusikalischen Aspekten gewidmet sind und dazu einladen, sich Zeit für Musik und Besinnung zu nehmen. Der Eintritt zum Konzert ist frei, um eine Spende bei der freiwilligen Türkollekte wird gebeten.
Organist Johann Schmelzer. Foto: privat
