Bauern- u. Winzerverband Rheinland-Nassau e.V.
Landwirte stehen für Tradition und Verantwortung
Die Generalversammlung des Bauern- und Winzerverbandes im Kreis Mayen-Koblenz
Mayen-Koblenz. Rund 120 Mitglieder konnte der Kreisvorsitzende Rudolf Schneichel im Hotel Zur Post in Welling begrüßen. Schneichel hatte die Generalversammlung zum Anlass genommen, sowohl Dr. Karl Feuerhake als auch Edmund Göderz seinen besonderen Dank für ihren jahrzehntelangen unermüdlichen Einsatz für die Bauern auszusprechen. Beide sind vor Kurzem in den wohlverdienten Ruhestand getreten, fühlen sich aber der Landwirtschaft nach wie vor eng verbunden und sind der Einladung gerne gefolgt.
Nach einem kurzen Jahresrückblick auf das Jahr 2012, welches trotz Frostschäden und einem sehr feuchten Frühjahr am Ende doch noch ein gutes Jahr mit Spitzenpreisen für Getreide und Rindfleisch war, wurde gespannt auf das neue Jahr geschaut. Schneichel sprach die entscheidenden Fragen an: „Mit wie viel Geld ist zu rechnen? Wie viel Fläche wird aus der Produktion fallen und wie sollen die Bauern dennoch gesunde und günstige Lebensmittel produzieren? Wer wird im Herbst neuer Landwirtschaftsminister? Wird er Verständnis für die Belange der Landwirte haben?.“
„Wir Landwirte sind nur eine kleine Gruppe“, so Schneichel, „wir haben nur wenig Einfluss an der Wahlurne.“
Landrat Dr. Alexander Saftig lobte in seinem Grußwort die starke Präsenz von Bundestag, Landtag und Kreistag. Er bedankte sich auch bei Kreisveterinär Dr. Schneider, der stets die Ruhe bewahre, obwohl die Landwirtschaft derzeit mit diversen Skandalen zu kämpfen habe. Dr. Saftig kritisierte, dass mittlerweile jede Kleinigkeit zum Skandal wird. „Ich kann das Wort „Skandal“ langsam nicht mehr hören“, so der Landrat. Insgesamt denkt er aber, dass die Probleme gut gelöst wurden. Im Hinblick auf die Zukunft rät Dr. Saftig, den regionalen Kreislauf zu stärken, Mut und Kreativität zu beweisen und die Wertschöpfung in der Heimat zu belassen. Seiner Ansicht nach stehen die Landwirte für Tradition und Verantwortung.
Vizepräsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau und der Landwirtschaftskammer Michael Horper überbrachte beste Wünsche und Grüße seitens des Landesverbandes auch im Namen von Präsident Ökonomierat Leo Blum und von Hauptgeschäftsführer Dr. Josef Derstappen. Horper erklärte, dass eines in der heutigen Zeit besonders wichtig sei und für ihn an erster Stelle stehe: Eigenes Eigentum zu erhalten und fremdes Eigentum zu respektieren. An zweiter Stelle stehe die Nachhaltigkeit, dicht gefolgt von Innovation und Rationalisierung. An vierter Stelle sehe er die Entwicklung der Märkte.
Hinsichtlich der angesprochenen Skandale äußerte Horper scharfe Kritik an Politik und Medien: „Mit jedem Skandal, den die Bauern nicht zu verantworten haben, gehen die kleinen Betriebe, die wir so schätzen, kaputt. Darüber sollten wir nachdenken.“
„Aber mit Peter Bleser sei man bei dem Teppichhandel in Brüssel bestens aufgehoben“, so der Vizepräsident.
Staatssekretär Peter Bleser, Hauptredner der Generalversammlung, gab zu, dass er beim diplomatischen Dienst wohl nicht genommen wurde. Aber die Einflussnahme in Brüssel halte sich dennoch in Grenzen, da er, wie auch der Papst, eben nur Stellvertreter sei.
Er warnte eindringlich davor, über die Verhältnisse zu leben. Die Energiewende habe zu Problemen geführt, die in dem Maße nicht erwartet wurde. „Wenn wir die Energiewende an die Wand fahren, haben wir ein Problem“, so Bleser.
In Bezug auf die Agrarpolitik und das Dauerthema „Greening“ ist der Staatssekretär der Auffassung, dass der Rahmen größer gespannt werden müsse. „Um 1900 waren es 1,6 Milliarden Menschen auf dieser Erde. Seit Oktober 2011 sind es 7 Milliarden und im Jahr 2050 werden wir bei 10 Milliarden sein. Die müssen alle gesättigt werden, brauchen Energie und Flächen für Rohstoffe. Die Flächen müssen also in der Produktion bleiben.“ Der Vorschlag der Kommission, 7 Prozent aus der Produktion zu nehmen, sei daher unverantwortlich. Kanzlerin Angela Merkel habe diesbezüglich im Februar einen sehr guten Kompromiss erreicht.
Im Rahmen der nationalen Agrarpolitik erklärte Bleser, dass es in Deutschland 276.000 Haupterwerbsbetriebe gebe. 4,8 Millionen Menschen seien in der Landwirtschaft beschäftigt. Die Branche habe sehr gute Perspektiven und es soll optimistisch in die Zukunft geschaut werden. „Vor allem müsse man raus auf die Märkte und sich dem Wettbewerb stellen. Wir haben einen globalen Markt und können nicht verhindern, dass Lebensmittel aus aller Welt zu uns kommen. Die Grenzen können nicht geschlossen werden. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns der Realität stellen und keinen Fantasien nachlaufen.“
Gerade vor dem Hintergrund des Pferdefleisch-Skandals ist Bleser der Ansicht, dass das A und O die Sicherstellung der Rückverfolgung sei. „Die Vorprodukte kommen aus aller Welt. Das kann man nicht verhindern. Man kann aber nicht hinter jeden Lasagne-Produzenten einen Kontrolleur stellen. Verantwortlich sein muss der Verkäufer, wo man die Dinge gekauft hat. Der muss dafür gerade stehen, dass drin ist, was draufsteht.“
In der anschließenden Diskussion reichten die Themen vom Tierschutzgesetz über das Arzneimittelgesetz bis hin zur Düngemittelverordnung. Auch Cross Compliance, die Änderung des Jagdgesetzes, die Neuordnung der landwirtschaftlichen Sozialversicherung, die Zuckermarktordnung und der Flächenfraß, lieferten reichlich Gesprächsstoff.
In seinem Schlusswort konnte der stellvertretende Kreisvorsitzende Tobias Fuchs zufrieden auf eine gelungene Veranstaltung zurückblicken: „Es war ein interessanter Abend und mit so einem Redner, den wir quasi direkt vor der Haustüre haben, können wir den Draht bestens nutzen.“ Pressemitteilung
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