Evangelische Jugend Vallendar
Leben im Wald - Veranstaltungsreihe für Jugendliche und junge Erwachsene
Vallendar. Während drei Kooperationsveranstaltungen des Forstreviers und der Evangelischen Jugend Vallendar lebten junge Leute von zwölf bis 27 Jahren mehrere Nächte im Wald.
Beim Waldtrek IV für die 14- bis 18-Jährigen bestand die Herausforderung im Bau eines Holzschuppens an der Quetschhütte im Forstrevier Jägerpfad Hillscheid. Im Auftrag von Revierförster Bernd Nückel und unter Anleitung von Tischler Fabian Göth wurde das Bauprojekt innerhalb eines Wochenendes umgesetzt. Neben dem Reiz, etwas Eigenes, Bleibendes zu schaffen, war der Bau eine gute Gelegenheit, sich für die Möglichkeit der Nutzung der Hütte als Notquartier bei Schlechtwetter bei vorangegangenen Veranstaltungen zu bedanken.
Gelungene Kooperation
Die Exkursion „Waldinterior“ richtete sich an Studierende des Fachbereichs Architektur der RWTH Aachen. Durch die gelungene Kooperation mit Revierförster Achim Kern und Jugendleiter Immo Meyer vom Evangelischen Gemeindezentrum Vallendar war es den Studierenden möglich, in kürzester Zeit eine Übernachtungsmöglichkeit für sechs Personen zu schaffen, die in der Nacht von Freitag auf Samstag ausprobiert wurde.
Bei einem Waldrundgang erläuterte Achim Kern zuvor die Bedeutung der naturnahen Waldwirtschaft anhand konkreter Beispiele und erklärte die spezifischen Eigenschaften einzelner Baumarten für die Bauwirtschaft und somit auch für den Architekten. Das entstandene Baumhaus haben die Studierenden so konstruiert, dass es zurückgebaut werden kann, ohne einen Schaden im Wald zu hinterlassen.
Ziel der Exkursion war, mit Hilfe der Materialien vor Ort auf elementarer Ebene Ansprüche und Bedingungen an ein nachhaltiges Wohnen zu untersuchen. Experimentell wurden so archaische Ursprünge der Architektur nachempfunden.
Der Waldtrek V für die jüngste Zielgruppe von zwölf bis 15 Jahren bildete den Abschluss der Veranstaltungsreihe. Dabei verbrachten 25 junge Leute zwei Nächte im Wald mit minimaler Ausrüstung. Material und Verpflegung wurden von den Jugendlichen selbstständig zusammengestellt. Unterwegs wurde ergänzt und improvisiert. Zuvor wurde gemeinsam beraten und verhandelt, auf welche Errungenschaften der Zivilisation verzichtet werden soll. Zu trinken gab es Wasser aus Quellbächen, die zuvor gesucht werden mussten.
Vom Evangelischen Gemeindezentrum aus führte der Weg über das Hillscheider- und Kalterbachtal zur Montabaurer Höhe und über den Pedel zurück. Übernachtet wurde unter freiem Himmel, inklusive eines Umzuges in die Pedelhütte wegen Gewitters in der zweiten Nacht. Unterwegs verdeutlichte Revierförster Achim Kern eindrucksvoll ökologische Zusammenhänge.
„Es ist schön zu beobachten, wie die Jugendlichen Schritt für Schritt begreifen, dass sie Teil dieses Systems sind und an den selbst gewählten Herausforderungen und getroffenen Entscheidungen wachsen. Nachhaltiger Umgang mit den Ressourcen wird in diesem Konzept nicht nur theoretisch vermittelt, sondern praktisch gelebt“, fasst Kern ihm wesentliche Punkte zusammen.
Mit dem erlebnispädagogischen Gesamtkonzept der Veranstaltungsreihe sollen Jugendliche und junge Erwachsene wieder in eine emotionale Beziehung mit der sie umgebenden Schöpfung gebracht werden. Langfristig sollen das Verständnis für Nachhaltigkeit, das Denken in komplexen ökologischen Zusammenhängen und globales Verantwortungsgefühl gefördert werden.
„Durch die nebenher stattfindende Schulung und Intensivierung der Wahrnehmung eigener Bedürfnisse und der Umwelt lernt man, welche Fähigkeiten in einem schlummern, um mit unerwarteten Ereignissen und Begegnungen umzugehen. Viele Naturphänomene sind nicht plan- oder beeinflussbar, man passt sich eher an. Jede Entscheidung hat unmittelbare Konsequenzen, die sich nicht einfach ausblenden lassen. Man wird quasi geerdet“, erläutert Immo Meyer, Jugendleiter der Evangelischen Kirchengemeinde Vallendar, einen weiteren Effekt der Veranstaltung.
In den Sommerferien
Für Kinder von sechs bis zwölf Jahren bietet das Forstrevier Vallendar in den Sommerferien wieder die Waldferienspiele an. Durch die Erweiterung der Angebotspalette besteht inzwischen die Möglichkeit zur Teilnahme an den Waldveranstaltungen für eine breite Zielgruppe von sechs bis 27 Jahren. Die Veranstaltungen für 2016 werden nach den Sommerferien geplant und im Herbst veröffentlicht.
Fotos: privat
