Ensemble Schreiber
Liaison von Leidenschaft und Können
Neujahrskonzert in der Residenz Humboldthöhe
Vallendar. Angekündigt war es als kleines Neujahrskonzert. Das war jedoch gelinde gesagt, etwas untertrieben. Der Vortragssaal platze aus allen Nähten und salopp ausgedrückt, war die Bude rappelvoll. Darüber freute sich natürlich Veranstaltungsleiterin Dagmar Hett und begrüßte neben den vielen Konzertbesuchern, die Musikerinnen und Musiker des Ensembles Schreiber aus Neuwied.
Das Ensembles Schreiber ist ein Streichorchester und war am Konzertsonntag mit zehn Streichern besetzt. Lore Gry, Wulf-Ulrich Graf, Bernd Boden, Hildegard Schanz und Silke Tebartz spielten erste und zweite Violine; Oskar Greven und Wolfram Werner die Viola. Wolfgang Gabler und Annemarie Helde spielten Violincello, Klemens Wirtz den Kontrabass – dirigiert wird das Ensemble von Susanne Harig. Alle Musikerinnen und Musiker sind ehemalige Mitglieder des Jugendorchesters Neuwied und spielen als Hobbymusiker seit mehr als zwanzig Jahren wieder regelmäßig zusammen. Einmal im Jahr geben sie im Raum Neuwied ein Konzert und dieses Jahr in der Residenz Humboldthöhe.
Den Spielerinnen und Spielern spürt man an, dass ihr Tun ein Tun mit Herz und Seele ist. Ihr Spiel ist eine Mischung, eine enge Verbindung, eine Partnerschaft – mehr noch: eine Liaison von Leidenschaft und Können. Erstaunlich, das Hobbymusikerinnen und -musiker, die sich zum gemeinsamen konzertieren nur selten treffen können, so ein perfektes Zusammenspiel haben. Die Atmosphäre im Konzertsaal war nicht nur unter den Musikern sehr konzentriert, sondern ebenso bei Zuhörern. Aufmerksam lauschten sie der stimmungsvollen Musik. Das Ensemble Schreiber hatten auch wirklich sehr anspruchsvolle Stücke in ihr musikalisches Gepäck getan.
Die Sinfonie B-Dur für Streichorchester von Johann Stamitz mit drei Sätzen, Bela Bartock`s Zehn Stücke für Kinder in der Fassung für Streichorchester von Leo Weiner. Es folgte Georg Philipp Telemann mit seinem Konzert für Viola und Orchester in vier Sätzen. Etwas ungewöhnliche Klänge, komponierte Samuel Barber 1936. Seine Adagio for strings wurden nach BBC Umfragen als das traurigste Stück Musik überhaupt betitelt – sehr anspruchsvoll und es gehört schon ein Stück Mut dazu, dieses Stück in einem Konzert zu spielen. Das Adagio wird laut Programmzettel u.a. bei Trauerfeiern amerikanischer Präsidenten und anderer Staatsoberhäupter eingesetzt, weil es klanglich in der Lage ist, das Gefühl der Trauer umzusetzen. Zum Schluss brachten die meisterhaften Musikerinnen und Musiker Antonio Vivaldi mit seinem wunderbaren Concerto grosso op. 3,11 d-moll zu Gehör – ganz fantastische fünf Sätze zauberhafter Musik.
Der Eintritt zu diesem Musikereignis war frei, jedoch wurde um eine Spende gebeten. Das Publikum geizte für diesen, wunderbare Ohrenschmaus weder mit langem Applaus noch mit einer großzügigen Spende. Ein Violinkasten zur Spendenaufnahme gedacht, füllte sich am Konzertende doch beachtlich.
