DLRG, Ortsgruppe Vallendar
Ruhige Momente und hohe Konzentration
Vallendar. Eine - wenn nicht die - Kernaufgabe der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft ist die Schaffung und Förderung aller Einrichtungen und Maßnahmen, die der Bekämpfung des Ertrinkungstodes dienen. Hierzu gehört besonders auch die Gestellung von Aufsichts- und Wachdiensten in und an öffentlichen Badestellen, in Frei- und Hallenbädern, an Seen sowie an den Stränden von Nord- und Ostsee. Die Mitglieder der DLRG leisten hier einen unverzichtbaren Beitrag zur Sicherheit der Badegäste. Wie wichtig dieser ehrenamtlich geleistete Dienst ist, haben die vielen Berichte über Badeunglücke in den vergangenen Sommerwochen gezeigt.
Seit 2009 nehmen Mitglieder der DLRG-Ortsgruppe Vallendar regelmäßig am Zentralen Wasserrettungsdienst Küste (ZWRD-K) teil. Im Gegensatz zu anderen Badestellen werden die knapp 90 Wasserrettungsstationen an Nord- und Ostsee zentral von der Bundesgeschäftsstelle in Bad Nenndorf mit Rettungsschwimmern besetzt. Wer die Voraussetzungen erfüllt (16 Jahre und im Besitz eines aktuellen Rettungsschwimmabzeichens in Silber) kann sich dort für den Wachdienst bewerben. In diesem Jahr besetzte die Ortsgruppe (zum fünften Mal in Folge) für 14 Tage die Station am Sehlendorfer Strand in der Hohwachter Bucht in Schleswig-Holstein.
Dem Wachleiter Udo (47) folgten Uwe (50), Alexandra (22), Carina und Hanna (beide 18) sowie erstmalig Jasmin und Kevin (je 17), Lukas, Tobias und Dennis (je 16). Aufgrund freier Bettenkapazitäten in der genutzten Unterkunft konnten diesmal sogar drei Praktikantinnen mitgenommen werden, die aufgrund der Altersgrenze noch nicht offiziell am ZWRD teilnehmen dürfen. Für Céline und Anne (beide 14) sowie Paula (13) wurde daher ein Rettungsschwimmpraktikum ausgeschrieben, mit dem sie ganz normal in den Wachdienst und die Ausbildungsabschnitte integriert wurden, gleichzeitig aber den Bonus hatten, sich auch mal auszuklinken und für sich unterwegs zu sein.
Frühmorgens um 3 Uhr startete das bunte Team vom Vereinsheim aus in Richtung Norden, um bereits neun Stunden später die Wachmannschaft aus Georgsmarienhütte im fliegenden Wechsel abzulösen. Leider hatte auch das Wetter beschlossen, sich abzulösen. Die Wachzeit war geprägt von wechselhaftem und teils regnerischem Wetter mit der Folge, dass nur mäßiger Strandbetrieb herrschte. Aber das darf auch positiv gesehen werden: Wenig zu tun zu haben, ist in diesem Fall ausnahmsweise einmal eine wirklich gute Sache. Lediglich bei einem Unglück waren wir intensiv mit eingebunden: Nach der ersten ruhigen Woche begann der Dienst an einem Tag direkt mit der Beteiligung an einer großen Suchaktion. Frühmorgens bereits war etwa eine Seemeile vor der Küste ein Fischkutter gesunken. Während ein Besatzungsmitglied relativ schnell aufgefunden und mit starken Unterkühlungen ins Krankenhaus gebracht wurde, blieb das zweite Mitglied leider verschwunden. Die mehrstündige Suche, an der sich diverse Einheiten von Küstenwache, DGzRS, DLRG, Feuerwehr, Bundeswehr sowie private Bootseigner beteiligten, blieb erfolglos. Erst über eine Woche später wurde die Vermutung zur traurigen Gewissheit, als der Verunglückte rund 20 Kilometer von der Unglücksstelle entfernt leblos im Wasser treibend aufgefunden wurde.
So wechseln sich ruhige Momente mit der Anforderung an hohe Konzentration ab. Aber so ist es nun einmal: Jede Wache ist anders, jeder Wachtag ist anders. Die Situation kann von einem Augenblick zum nächsten wechseln und fordert permanente Aufmerksamkeit von den Wachgängern.
Etwas geplanter verliefen allerdings unsere Abende. Denn auch das gehört zum Wachdienst an der Küste: Unternehmungen in der Gruppe, um zum einen den Kopf freizukriegen oder eben nicht einfach in der Unterkunft vor der Glotze dahinzusiechen.
Das Programm war auch dieses Jahr wieder mannigfaltig und abwechslungsreich. So wurde nicht nur (traditionsgemäß) die Ostseetherme am Timmendorfer Strand „unsicher“ gemacht, sondern auch der Seenotrettungskreuzer „Berlin“ in Kiel besichtigt und mit den dortigen Kameraden über Einsatzerfahrungen gesprochen. Den größten Spaß und die größte Anstrengung aber fanden alle beim Wasserskilaufen. Die Bahn komplett für die Gruppe gemietet, gab es manch schönen Lauf, aber natürlich auch manch herrlichen Platscher, der in Bild und Film festgehalten wurde. Wer mehr lesen möchte, der findet auf unserer Internetseite www.vallendar.dlrg.de etwas detailliertere Tagesberichte und noch mehr Bilder.
Die Teilnehmer an der Maßnahme stellten sich zum Gruppenfoto zusammen.Fotos: privat
Entspannung pur auf dem Wasser.
An Bord war volle Konzentration angesagt.
