Sportförderung in der Diskussion
Der Sportbund-Rheinland hatte zu einem Diskussionsforum eingeladen - Innenminister Lewentz sprach mit Sportfunktionären und sieht weiteren Gesprächsbedarf
Vallendar.Der Sportbund-Rheinland hatte letzten Samstag zu einem Diskussionsforum in die Räume des Berufsförderungswerkes auf dem Mallendarer Berg eingeladen. Thema war: „Stiefkind Sportstätte - Was nutzt das Sportförderungsgesetz dem Vereinssport heute ?“ Die Sportförderung ist Aufgabe des Landes und im Sportförderungsgesetz wird den Sportvereinen die kostenfreie Nutzung kommunaler Sportstätten garantiert. Das Gesetz stammt allerdings aus dem Jahre 1974. Da stellt sich die Frage, ob es noch aktuell ist.
Hochkarätige Diskussionspartner mit Fachleuten aus Wissenschaft und Politik hatten sich angesagt - allen voran Roger Lewentz, der Minister des Inneren, des Sports und Infrastruktur. So war die große Aula im Berufsförderungswerk mit zweihundert Besuchern fast bis zum letzten Platz mit Vertretern von Sportvereinen besetzt.
Der Präsident des Sportbundes, Fred Pretz, begrüßte die Teilnehmer herzlich und stellte fest, dass bezüglich der Sportförderung nach neuen Lösungen gesucht werden müsse. Er konnte in die Diskussionsrunde nicht nur seine vielfältigen Erfahrungen als Sportfunktionär auf hoher Ebene einbringen, sondern auch die als Bürgermeister der Verbandsgemeinde Vallendar. Die Moderation lag in den Händen von Prof. Dr. Eike Emrich. Als weiterer Diskussionspartner stand der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Prüm, Aloysius Söhngen zur Verfügung. Er ist auch stellvertretender Vorsitzender des Gemeinde- und Städtebundes.
Zur Information und Diskussionsimpuls stellte Prof. Dr. Lutz Thieme vom RheinAhrCampus die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Sportstättenbefragung vor, die im Sommer 2011 vom Sportbund und dem RheinAhrCampus durchgeführt wurde. In dieser Studie wird unter anderem festgestellt, dass die Vereine trotz des Sportförderungsgesetzes finanzielle Belastungen zu tragen haben, verursacht vielfach durch Sanierungsmaßnahmen, durch Mieten und Pachtbeiträge werden die Vereine zusätzlich belastet. Von kostenfreier Nutzug kann also keine Rede sein. So gaben lediglich 18,39 Prozent der Vereine an, für die Nutzung der Sportstätten keinerlei Kosten zu tragen. Bei den übrigen Vereinen sei der Anteil der Sportstättenkosten am Gesamthaushalt unterschiedlich ausgeprägt. Fast 15 Prozent der Vereine müssten mehr als 50 Prozent ihres Haushaltes für Sportstätten aufbringen. Hier wenden sich die Vereine nun an die Kommunen. Doch die Kassen sind leer, vielfach spricht man von einem Sanierungsstau. Und das ist kein Einzelfall - immerhin haben sich die Hälfte der befragten 3.300 Sportvereine an der Umfrage beteiligt.
Die Ergebnisse der Studie wurden mit großem Interesse von den Teilnehmern aufgenommen. Zusammengefasst stellte Prof. Dr. Thieme abschließend fest: Wenn durch dieses Gesetz beabsichtigt war, den Vereinen kostenfreie Sportstätten zu ermöglichen, Hallen- und Freibäder ausgenommen, habe das Sportförderungsgesetz aus dem Jahre 1974 nicht die gewünschte Wirkung erzielt.
Es schloss sich eine anregende Diskussion zwischen den Sportvereinsfunktionären und den Podiumsteilnehmern an. Grundlegung war die Frage, ob die derzeitige Sportförderung langfristig dazu beitragen kann, den Sportlern in Rheinland-Pfalz ausreichend moderne und finanzierbare Sportstätten zu Verfügung zu stellen. Sportförderung ist immer eine Einzelfallförderung, da waren sich die Fachleute einig. Man müsse genau hingucken, wie sozusagen der zu Verfügung stehende Kuchen gerecht verteilt werden kann. Sportminister Lewentz stellte klar, dass das Sportförderungsgesetz in Rheinland-Pfalz dazu beigetragen hat, dass die Vereine im Land bezüglich Sportstättennutzung und -kosten im Vergleich zu anderen Bundesländern viel besser dastünden, es gäbe allerdings Gesprächsbedarf. Lewentz: „Wir sollten eine weitere Runde zu dem Thema anschließen. Besonders im Hinblick auf Sportstätten und demografischer Wandel gibt es viel Gespräch- und Veränderungsbedarf.“
Voller Hörsaal.
