Zehn Tore Vorsprung reichten den Löwen nicht
Das lang ersehnte Derby des HV Vallendar gegen den TV Mülheim stand auf dem Programm
Vallendar. Freitagabend war es mal wieder soweit: das langersehnte Derby des HV Vallendar gegen den TV Mülheim stand auf dem Programm. Das „Spiel der Spiele“ für beide Seiten fand in der Sporthalle Oberwerth, mittlerweile umgetauft zur „CONLOG-Arena“, statt und zahlreiche Handballfans aus der Region nutzten die etwas außergewöhnliche Anwurfzeit zum Besuch des Spiels. Insgesamt verzeichneten die Verantwortlichen des HVV knapp 800 Zuschauer, was der Stimmung in der Halle sehr gut tat.
Auf beiden Seiten mussten mehrere Spieler verletzungsbedingt passen, doch gingen beide Teams hoch motiviert in das Spiel. Dabei gehörte die erste Halbzeit definitiv den Vallerer Löwen. Die Zuschauer rieben sich zum Teil erstaunt die Augen bei dem, was sie geboten bekamen. Aus einer sicheren Deckung wurden die Mülheimer oft zu Ballverlusten gezwungen, welche dann über die zweite Welle erfolgreich von den Löwen ausgenutzt worden. Beim 1:1 stand der für lange Zeit letzte Ausgleich auf der Anzeigetafel, anschließend setzten sich die Löwen kontinuierlich ab. Im Angriff bestachen sie durch eine Vielzahl an Variationen, dies zeigt die Tatsache, dass die ersten fünf Treffer von fünf verschiedenen Spielern erzielt wurden. Die Mülheimer Verteidigung tat ihr übriges dazu: ihr gelang so gut wie gar nichts. Die ziemlich pomadigen Abwehrversuche scheiterten an der Dynamik der Löwen. Tor um Tor setzten diese sich ab. Über die Zwischenstände 5:2, 9:5 und 15:6 ging es Richtung Ende der ersten Halbzeit. Bezeichnend für das ganze Spiel der ersten Halbzeit folgende Situation: Stefan Baldus holte in doppelter Unterzahl einen Strafwurf heraus, den Pascal Gras zum 16:7-Halbzeitstand verwandelte. Sollte dies schon eine Vorentscheidung sein? Mitnichten, was auch Mischa Schröder in der Halbzeit so kommentierte. Dem erfahrenen, leider langzeitverletzten Rückraumspieler der Löwen, war nicht entgangen, dass den Löwen alles und den Gästen so gut wie gar nichts gelang. Das kann sich gerade in solch einem Spiel auch einmal umkehren.
Doch die zweite Halbzeit begann zunächst so, wie die erste endete - mit einem Tor von Pascal Gras zum 17:7, der erstmaligen 10-Tore Führung in diesem Spiel. Diese sollte auch noch beim 18:8 Bestand haben, aber man merkte schon, dass Mülheims Trainer Bjarnasson in der Halbzeit an die Ehre seiner Spieler appellierte. Wesentlich aggressiver gingen sie nun in der Abwehr zu Werke, womit das ehemals flüssige Angriffsspiel der Löwen nun reichlich ins Stocken geriet. Auf Löwenseite wurde nun weniger kombiniert, eher wenig durchdacht rieben sich die Spieler von Trainer Reckenthäler in Zweikämpfen auf. Doch der Vorsprung war noch beruhigend, da auch Bastian Burgard im Tor zahlreiche Mülheimer Bälle abwehren konnte. Großer Jubel brandete in der 45. Minute auf - Björn „Bambam“ Peters vollstreckte zum zwischenzeitlichen 22:14. Allerdings war anschließend komplett der Wurm drin. In der 54. Minute, beim Spielstand von 24:19, erhielt Flo Bininda seine dritte Zeitstrafe, was mit der Disqualifikation verbunden war. Nun fehlte den Löwen in den letzten fünf Minuten der Abwehrorganisator und eine wichtige Stütze im Angriffsspiel. Julian Voigt auf Mülheimer Seite traf nun sicher und avancierte zum besten Gästespieler, doch hatten es die Löwen beim Stand von 24:22 zwei Minuten vor Spielende noch einmal in der Hand: Pascal Gras trat zum 7m-Strafwurf an und konnte diesen zum Leidwesen aller Löwenanhänger nicht verwandeln. Der Rest kam, wie er wohl kommen musste: wenige Sekunden vor Schluss gleichen die Mülheimer zum 24:24 aus, der erste Ausgleich nach dem 1:1. In den letzten Sekunden gelang den Löwen kein kontrollierter Angriff mehr, so dass das Spiel letztendlich, über beide Halbzeiten betrachtet, verdient remis endete.
Die Löwen können und sollten insbesondere auf der Leistung aus der ersten Halbzeit aufbauen. Das Derby hielt schlussendlich das, was solche Spiele ausmacht. Mülheim und Vallendar schienen in der zweiten Halbzeit die Rollen getauscht zu haben und alle Zuschauer kamen voll auf ihre Kosten. Das war Werbung für den Handballsport und sicher nichts für Herzpatienten!
Für den HVV spielten: Burgard, S. Bininda (Tor) - S. Baldus (3), Binnes (2), Stauch (1), Busse (1), Gras (8/6), Pitzen (1), Meder, F. Bininda (2), M. Baldus (3), Müller, Wamser (2), Peters (1).
