Allgemeine Berichte | 22.10.2015

Symposium zu aktuellen und historischen Kulturgutzerstörungen

Kulturzerstörung ist ein Angriff auf die Menschen

Am 30. und 31. Oktober im Akademischen Kunstmuseum der Uni Bonn

Kulturzerstörung ist ein Angriff auf die Menschen

Bonn. Ein interdisziplinäres Symposium unter dem Titel „Angriff auf die Identität. Die Zerstörung von Kulturgut in bekannten und ungekannten Dimensionen“ fragt am 30. und 31. Oktober an der Universität Bonn nach den unterschiedlichen Kontexten von Kulturzerstörungen in verschieden Epochen und Weltregionen. Wissenschaftler der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn tragen auf dem für alle Interessierten offenen Symposium zu zentralen Aspekten der Kulturzerstörung als Angriff auf die Identität vor. „Es muss klar sein, dass die Zerstörung, die Trümmer dieser Kulturgüter Angriffe auf die Menschheit sind.“, erklärt Prof. Dr. Sabine Schrenk, Archäologin und Professorin für Christliche Archäologie an der Universität Bonn. „Zudem ist nicht neu, was jetzt in Palmyra geschieht, sondern fügt sich in eine lange und traurige Tradition“, ergänzt die Forscherin. „Deshalb befasst sich unser Symposium mit Kulturgutzerstörung von der Antike bis heute zwischen dem Rheinland und der Mongolei.“, sagt die Bonner Professorin für Islamwissenschaft, Prof. Dr. Eva Orthmann. Die beiden Professorinnen richten das zweitägige Symposium gemeinsam aus, das von den Professoren verschiedener Fachrichtungen der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn bestritten wird. Den Abendvortrag am Freitag, 30. Oktober, hält Professorin Dr. Dr. h.c. Margarete van Ess vom Deutschen Archäologischen Institut, Berlin, über Kulturzerstörungen im Nahen Osten.

Zerstörung in Zeiten kaum vorhandener staatlicher Präsenz

Derzeit hält sich die Wissenschaftlerin im Südirak auf und erhebt mit Kollegen der irakischen Antikenverwaltung, was noch einigermaßen erhalten ist und wie Schutz hergestellt werden kann: „Wir sind täglich mit den verheerenden Folgen der Raubgrabungen, mit Zerstörungen durch moderne Landwirtschaft und Bauprojekte konfrontiert. Dies geschieht durch Unwissenheit oder auch durch Übergehung der zuständigen Behörden, in Zeiten kaum vorhandener staatlicher Präsenz“, berichtet Dr. Margarete van Ess aus Najaf im Südirak. Sie wird in Bonn mit ihrem Abendvortrag über aktuelle Herausforderungen berichten.

Der IS hat die Kriegswaffe „Zerstörung“ nicht erfunden

„Wir sind eine Verantwortungsgemeinschaft mit den Bürgern hier in Bonn und im Rheinland, aber auch mit den Menschen in den betroffenen Regionen“, erklärt Schrenk weiter, denn „der IS hat diesen Krieg nicht erfunden. Wie Kulturzerstörung als Kriegswaffe eingesetzt wird, haben ungezählte Kriegstreiber im Westen und Osten vorgemacht, um Geld zu verdienen, Macht zu brechen oder zu zementieren, Erniedrigung zu praktizieren. Wer Mechanismen und Methoden der Kulturzerstörung aufdecken will, muss ihre Akteure, Adressaten, Methoden und die zugrunde liegende Aggression ansehen.“ Das Symposium „Angriff auf die Identität. Die Zerstörung von Kulturgut in bekannten und ungekannten Dimensionen“ findet am 30. und 31. Oktober im Akademischen Kunstmuseum der Universität Bonn statt und ist offen für alle Interessierten. Der geplante Ablauf der Veranstaltung ist unter http://bit.ly/1jewuER abrufbar.

Pressemitteilung der

Universität Bonn

Zerstörung der Nachweiskataloge in der Nationalbibliothek des Irak in Bagdad

Foto: van Ess/UNESCO 2013

Spuren einer Raubgrabung in der antiken Stadt Isin.

Foto: van Ess 2015

Verlust von Kulturstätten durch moderne Bauprojekte, hier: Erweiterung des Ali-Schreins in Najaf.

Foto: E. Herdieckerhoff

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