Final-Four um den Handball-Rheinlandpokal
Außenseiter Bendorf wird Pokalsieger
Urmitz.Nein, die Siegesnachricht vom Final-Four um den Handball-Rheinlandpokal war kein Aprilscherz: Rheinlandligist Turnerschaft Bendorf hat in Urmitz den drei Oberligisten TV Bitburg, HV Vallendar und TV Mülheim ein Schnippchen geschlagen und nach einem 22:19-Sieg über Bitburg in der Vorschlussrunde sowie einem 35:33 gegen Vallendar im Finale für die große Überraschung gesorgt. „Nach dem Halbfinale war das Turnier für uns eigentlich schon gelaufen, weil wir gedacht hatten, dass es eigentlich nicht mehr besser geht. Doch da haben wir uns getäuscht. Im Endspiel sind wir über uns hinausgewachsen. Chancen auf den Pokalsieg hatten wir uns wirklich nicht ausgerechnet“, konnte Trainer Paul Schmidt, der nach der Saison die sportliche Leitung bei der ersten Mannschaft abgibt, sein Glück kaum fassen. Bendorf zeigte schon im Halbfinale gegen Bitburg, dass man sich gegen die Oberliga-Konkurrenz nicht verstecken muss, und das obwohl Haupttorjäger Rene Engler verletzungsbedingt noch nicht einmal dabei war. Kurz vor der Pause warf die Turnerschaft einen Drei-Tore-Vorsprung heraus, der bis zum Ende nicht mehr abgegeben wurde. Das zweite Halbfinale zwischen Mülheim und Vallendar war für viele schon das vorweggenommene Finale. In diesem endete die Mülheimer Erfolgsserie gegen den Lokalrivalen. Das Spiel war wie immer knapp. In der zweiten Hälfte führte Mülheim bereits mit 16:13 und schien seine Serie ausbauen zu können. Dann stellte Vallendars Trainer Wolfgang Reckenthäler um, indem er Julian Vogt kurz decken ließ. „Damit haben sie uns den Schneid abgekauft. Mit Pröstur Bjarkason und Timo Hommen haben uns dann einfach Spieler gefehlt, die für Druck aus dem Rückraum sorgen und Max Zerwas entlasten können“, analysierte TVM-Trainer Hilmar Bjarnason, dem auch Andreas Reick aufgrund einer Sperre aus dem Pokal-Zweitrundenspiel nicht zur Verfügung stand. Aus dem 16:13 für Mülheim wurde ein 18:19 für Vallendar, das in den letzten zwei Minuten zudem in Überzahl spielte und diesen Vorteil schließlich verwertete. Die Mülheimer revanchierten sich durch ein 25:19 über Bitburg im kleinen Finale. „Ein versöhnliches Ende, immerhin ist Platz drei besser als Platz vier“, kommentierte Bjarnason. Und dann schlug die große Stunde der Bendorfer: Der Rheinlandliga-Aufsteiger lag gegen Vallendar nie zurück und wurde ab der 15. Minute für seinen immensen Einsatz und Siegeswillen belohnt, als man sich bis auf 17:11 absetzte. „So diszipliniert haben wir bislang nur sehr selten gespielt. Vallendar ist nie ins Spiel gekommen. Das war eine tolle Leistung, mit der wir uns selbst total überrascht haben“, so Paul Schmidt. In ungeahnte Bereiche steigerte sich Schlussmann Alexander Winkel, der „hielt wie ein Weltmeister“ (Schmidt) und „wohl das Spiel seines Lebens machte“ (Reckenthäler). Mit ihm im Gehäuse und einem konsequenten Angriffsspiel vorne entzauberte die Turnerschaft die Löwen. Mit bis zu acht Toren (27:15) führte der Außenseiter in der zweiten Halbzeit. Mit einer offenen Deckung in der Endphase gelang Vallendar noch Ergebniskosmetik - mehr nicht. „Wir haben gegen einen engagierten Gegner schlecht verteidigt und uns sehr viele Fehler geleistet. Unsere spielerische Überlegenheit konnten wir zu keinem Zeitpunkt ausnutzen und dann kann eben auch gegen einen Rheinlandligist solch ein Ergebnis zustande kommen“, fasste der enttäuschte HVV-Coach Wolfgang Reckenthäler zusammen. So wird nun also nicht wie erwartet Vallendar oder Mülheim den Handball-Verband Rheinland in der ersten Runde des DHB-Pokals vertreten, sondern die Turnerschaft Bendorf, die vor vier Jahren noch in der Bezirksliga spielte. -
Auch wenn die Vallendarer Lars Pitzen (l) und Jörg Balmert (r) Bendorfs Justin Keip hier hart attackieren, konnte der Oberligist den Rheinlandligisten nicht aufhalten.