Kirmes in Urmitz/Rhein: 1872 gegründeter Junggesellenverein hegt und pflegt alte Traditionen
Das Rätsel ist gelüftet
Die Eierkrone hat die Form der Pfarrkirche
Urmitz/Rhein. Während vielerorts die Kirchweihfeste über eine mangelnde Beteiligung klagen, sieht dies in der Rheingemeinde Urmitz glücklicherweise anders aus. Dies ist insbesondere ein Verdienst des Junggesellenvereins. Im Jahre 1872 gegründet, pflegen die Vereinsmitglieder die alten Traditionen, wie auch beim diesjährigen Kirchweihfest deutlich wurde. Hierzu gehört zu Beginn das Aufstellen des Kirmesbaumes, der natürlich mit Muskelkraft zum Les-Noes-Platz gebracht und aufgerichtet wird. Ein kleines Geheimnis ist immer das Aussehen der Eierkrone. In jedem Jahr lassen sich die Verantwortlichen hier etwas Kreatives einfallen. Hier gab es schon die tollsten Motive, wie zum Beispiel ein Segelboot, einen Autoscooter oder einen Doppeldecker. Auch in diesem Jahr war die Eierkrone wieder ein Schmuckstück: Sie zeigt die Pfarrkirche mit der Aufschrift „Wir machen Wasser zu Wein, Jahrgang 94/95“. Die Schießjungen und Schießmädchen, die während der Kirmes die „Bastrümmchen“ tragen (eine Art Metzgerkittel), waren nicht nur für die Herstellung der Eierkrone verantwortlich. Auch das Maskottchen, die Strohpuppe „Kärmeshannes“ stammt von ihnen. Die Verbundenheit des Festes zur Pfarrkirche wurde am Sonntag mit der morgendlichen St.-Georg-Prozession und dem anschließenden Hochamt deutlich. Ein besonders festlicher Einstieg in einen Tag, in dessen Mittelpunkt der Festumzug mit allen Ortsvereinen stand. Unter musikalischer Begleitung des Musikvereins zogen die Delegationen durch die Straßen des Ortes, um zunächst den Fähnerich, sodann den Junggesellenvater und anschließend Ortsbürgermeister Norbert Bahl abzuholen. Der Festumzug marschierte anschließend zur Kirche, wo Pastor Thomas Gerber begrüßt wurde. Finale Station des Festzuges war das Rathaus. Selbstverständlich kamen am Sonntag auch die sogenannten „Katzeköpp“ zum Einsatz, die auch dem letzten Einwohner von Urmitz verkündeten, dass man Kirmes feiert. Zum Kirchweihfest gehören noch viele weitere Traditionen, wie zum Beispiel der Weckruf am Montagmorgen um 6 Uhr, die Kranzniederlegung auf dem örtlichen Friedhof und das anschließende Junggesellenamt, welches seit vielen Jahren von Diakon Lothar Spohr geleitet wird. Die vielen Mosaiksteinchen fügen sich zu einem tollen viertägigen Fest zusammen, welches am Dienstagabend mit der Tombola des Schießjahrgangs, der symbolischen Hutübergabe und der abschließenden Kirmesbeerdigung endet.
Der Jahrgang 1995/1996 - hier mit den traditionellen Kopfbedeckungen - beteiligte sich natürlich ebenfalls am großen Festumzug durch die Rheingemeinde. Foto: GH
Die diesjährige Eierkrone zeigt die Pfarrkirche mit der Aufschrift „Wir machen Wasser zu Wein“.
