Einmanntheater in der Realschule plus Mülheim-Kärlich
„Ein ganz gewöhnlicher Jude“
Mülheim-Kärlich. Eine außergewöhnliche Unterrichtsstunde erlebten die Schülerinnen und Schüler der zehnten Klassen der Realschule plus in Mülheim-Kärlich. Eine ganze Stunde lang lauschten sie gebannt den Worten eines Journalisten und verfolgten fasziniert jede seiner Bewegungen. Denn es handelte sich in Wahrheit um den Schauspieler Andreas Schmid, der in der Rolle des jüdischen Journalisten Goldfarb das Einpersonenstück „Ein ganz gewöhnlicher Jude“ von Charles Lewinsky in der Inszenierung von Bastiane Frank vor den Jugendlichen aufführte. Hier hat ein Sozialkundelehrer den „jüdischen Mitbürger“ im Rahmen des Unterrichts in seine Klasse eingeladen. In seinem Monolog rechnet Goldfarb mit dieser Einladung ab: „Man sieht mich von oben bis unten an: Das also ist ein Jude. Ich bin doch kein Zootier!“ Und während er sich über die als falsch empfundene Political Correctness aufregt, erhalten die realen Zehntklässler in Mülheim-Kärlich tiefe Einblicke in sein Leben und das seiner Familie. Sie werden Zeuge, wie ein ganz gewöhnlicher Deutscher sich fremd fühlt in der eigenen Kultur, weil sich die Geschichte seiner Familie als ganz gewöhnliche Juden in Deutschland von denen der anderen Deutschen unterscheidet: „Wir haben die gleiche Geschichte, aber nicht die gleichen Geschichten. Obwohl es alles deutsche Geschichten sind.“ Die Schülerinnen und Schüler erlebten eine beeindruckende Lehrstunde über Identitätssuche und Toleranz, die gerade jetzt, unter dem Eindruck der „Flüchtlingswelle“, wieder eine besondere Brisanz erlebt.
